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Kinder als Kartoffel-Bauern

In Oberlichtenau durften Mädchen und Jungen in diesem Jahr auf dem Feld erstmals selbst Hand anlegen. Jetzt staunten sie über das Ergebnis.

Erwin (r.) und Piet zeigen die großen Kartoffeln, die die Kinder der Kita Oberlichtenau auf ihrem eigenen Feld geerntet haben.
Erwin (r.) und Piet zeigen die großen Kartoffeln, die die Kinder der Kita Oberlichtenau auf ihrem eigenen Feld geerntet haben. © Steffen Unger

Oberlichtenau. Kartoffelerntemaschinen fahren an diesem  Morgen über ein Feld bei Oberlichtenau. Laster begleiten diese und nehmen die Kartoffeln auf. Die Maschinen fahren Zeile um Zeile. Es stiebt ein wenig. Fast das gesamte Feld ist bereits abgeerntet. Nur auf einem kleinen Stück ganz am Rand des Feldweges stehen die Pflanzen noch. Allerdings kommen dort nicht die großen Maschinen zum Einsatz.

Fast zur selben Zeit sind Kinderstimmen und Lachen aus Richtung Dorf zu hören. Die Mädchen und Jungen der Kita von Oberlichtenau sind auf dem Weg zu ihrem eigenen Kartoffelfeld. Sie haben Gummistiefel und Matschjacken an, und sie  ziehen einen Handwagen voll kleiner Eimer. Heute ist der Tag gekommen, an dem sie ihre Kartoffeln ernten können, und entsprechend aufgeregt sind sie auch. 

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Marco Habendorf, Chef der Lausitzer Hügelland Agrar GmbH, hatte die Idee für das Projekt mit den Kita-Kindern.
Marco Habendorf, Chef der Lausitzer Hügelland Agrar GmbH, hatte die Idee für das Projekt mit den Kita-Kindern. © Steffen Unger

Der Chef für die Mädchen und Jungen ist an diesem Tag Marco Habendorf. "Er hat heute hier auf dem Feld das Sagen", betont Erzieherin Petra Großmann. Marco Habendorf ist Landwirt und Chef der Lausitzer Hügelland Agrar GmbH mit Sitz in Haselbachtal. Er wohnt in Oberlichtenau, und sein Sohn besucht die Kita.

Der junge Mann hatte die Idee für das Projekt mit dem Kita-Kartoffelfeld. "Mir ging es vor allem darum, den Kindern die Landwirtschaft näher zu bringen, ihnen zu zeigen, woher die Lebensmittel wirklich kommen - eben nicht aus dem Supermarkt", erklärt Marco Habendorf. Und er will erreichen, dass die Kinder Nahrungsmittel mehr wertschätzen und nicht so schnell etwas in die Tonne werfen. 

Sein Vorschlag kam bei der Kita-Leitung und den Eltern gut an. In der ersten Maiwoche ging es los, die Kinder liefen zum ersten Mal auf ihr sechs mal zwölf Meter großes Feld und legten die Kartoffeln in die Erde. Später standen Unkrautjäten oder das Absammeln von Kartoffelkäfern auf dem Programm. "Die Kinder sollen sehen, dass die Arbeit Mühe macht und dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Kartoffeln und Brot jeden Tag auf dem Tisch stehen", sagt Erzieherin Petra Großmann.    

Die Kinder schauen zu, wie Marco Kretschmar mit seinem Traktor und einer Kartoffelschleuder die Kartoffeln aus der Erde holt.
Die Kinder schauen zu, wie Marco Kretschmar mit seinem Traktor und einer Kartoffelschleuder die Kartoffeln aus der Erde holt. © Steffen Unger

Am Feldrand warten die Mädchen und Jungen geduldig, bis Marco Kretschmar - ein Vati - mit einem kleinen Traktor und einer Kartoffelschleuder hintendran - die Reihen abfährt. Die Erde wird aufgebuddelt, und die Kartoffeln kommen ans Licht. "Solche großen Kartoffeln, da kann man Quark dazu essen", sagt ein kleiner Junge staunend. Und schon rennen die Kinder mit kleinen Eimern und Körbchen in der Hand los und laden ihre Ernte ein. Zum Schluss kommen die Kartoffeln in größere Säcke, die Marco Habendorf dann in die Kita fährt. "Eine gut Ernte", sagt er und freut sich mit den Kindern. Verkauft werden die Kartoffeln bei einem kleinen Herbstmarkt.

Was bei den Kindern wie ein Spiel wirkt, ist bei Landwirten der Region harte Realität. Für sie ist jetzt ebenfalls Erntezeit: Kartoffeln werden geerntet, der Mais geschnitten. Nur das Getreide ist bereits vom Feld. Die Bauern blicken auf eine durchwachsene Saison zurück, sind aber zufriedener als in den beiden Jahren zuvor. Die Trockenheit ist ihr größtes Problem. 

Marco Habendorf hat mit seiner Lausitzer Hügelland Agrar GmbH auf etwa sieben Hektar Kartoffeln angebaut. Sie kommen alle über Direktvermarktung zum Kunden. Auch die anderen Produkte wie Raps, Weizen, Gerste oder Roggen sind eingebracht. "Die Ernte ist besser als im vergangenen Jahr", so Marco Habendorf. Er schätzt aber ein, dass die Situation für die Bauern immer schwieriger werden wird. "Da ist zum einen die Trockenheit, aber auch die Marktsituation", erklärt er. Gerade Waren aus Osteuropa kämen zu Dumpingpreisen auf den Markt.

Auch bei der Sorabia Agrar AG in Ralbitz-Rosenthal ist man mit der diesjährigen Ernte zufrieden. "Wir liegen im langjährigen Durchschnitt. Der wenige Regen kam zur rechten Zeit, sodass die Pflanzen gut wachsen konnten", erklärt Vorstandsvorsitzender Mattej Koreng. Nur beim Futter, also dem Grasschnitt, seien die Erträge geringer. Zufrieden zeigt sich Koreng auch mit der Qualität der Ernte. 

Das Feld ist fast komplett abgeerntet.
Das Feld ist fast komplett abgeerntet. © Steffen Unger

"Gerettet hat uns der Regen im Mai und Juni", schätzt der Geschäftsführer der Lichtenberger Agrar GmbH, Olaf Wehner, ein. Er ist zufrieden mit der Ernte. "Es ist ein durchschnittliches Jahr, besser als 2018/19", so Wehner. Sorgen habe ihm nur ein Pilzbefall beim Roggen gemacht.  

Ein wenig besser als vergangenes Jahr schätzt Thomas Adler, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Großröhrsdorf,  die diesjährige Ernte ein. Zufrieden ist er mit dem Ertrag bei Getreide und Kartoffeln. "Ein guter Durchschnitt." Sorgen macht er sich in einem ganz anderen Bereich. Die Genossenschaft hat auch etwa 20 Hektar Wald. Doch für Holz gebe es derzeit keine Käufer.

Auch bei der Agrargenossenschaft in Liebenau blickt man auf ein gutes Jahr zurück. "Das Ergebnis der Getreideernte ist durchschnittlich", resümiert Thomas Hetmank, Vorstandsmitglied der Genossenschaft. Allerdings liege die Ernte beim Futter weit unter dem Durchschnitt. Als Grund nennt Hetmank das fehlende Wasser zum richtigen Zeitpunkt. Die Qualität des Getreides für die Nahrungsmittelwirtschaft sei normal. Insgesamt bewirtschaftet die Agrargenossenschaft Liebenau 2.245 Hektar Fläche.           

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