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In diesem Garten sind nicht nur die Hühner glücklich

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Wo der Name Programm ist - drei Generationen leben in Kamenz bei Familie Glücklich zusammen.

Gartenfreundin Susann Glücklich lebt mit ihrer großen Familie unter einem Dach. Seit dem Sommer gehören auch vier Hühner dazu. Huhn Grete ist das zahmste und liebste.
Gartenfreundin Susann Glücklich lebt mit ihrer großen Familie unter einem Dach. Seit dem Sommer gehören auch vier Hühner dazu. Huhn Grete ist das zahmste und liebste. © Matthias Schumann

Kamenz. Glückliche Hühner, ein sehr glücklicher Igel, der sogar Treppen steigen kann, um ans Futter zu gelangen, drei Kaninchen, ein frecher Grünspecht und erst kürzlich geborene Katzenjunge wohnen aktuell auf dem Grundstück an der Neschwitzer Straße in Jesau. Manchmal schauen noch Falken vorbei, der Eichelhäher springt von Ast zu Ast. Und inmitten dieser herrlichen Idylle leben die Glücklichs selbst. Die Welt scheint im Kamenzer Ortsteil Jesau in Ordnung. Jedenfalls strahlt die Familie um Susann und Thomas Glücklich angenehme Ruhe und Positivität aus.

Unter einem Dach wohnen hier drei Generationen: Susanns Eltern Ilona und Werner Groß sind mit ihren 83 und 81 Jahren die Senioren. Und auch der 16-Jährige Jonas lebt noch mit seiner Familie unter einem Dach. Sein großer Bruder Sebastian zog vor Längerem nach Dresden. Doch er möchte mit seiner kleinen Familie bald wiederkommen. Kamenz ist schön. Und vor allem so grün...

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Familie Glücklich mit Susann und Thomas Glücklich (hinten) und den Eltern Ilona und Werner Groß. Drei Generationen wohnen hier zusammen. Der jüngste Sohn Jonas war beim Fototermin in der Schule. Der ältere Sohn Sebastian lebt in Dresden.
Familie Glücklich mit Susann und Thomas Glücklich (hinten) und den Eltern Ilona und Werner Groß. Drei Generationen wohnen hier zusammen. Der jüngste Sohn Jonas war beim Fototermin in der Schule. Der ältere Sohn Sebastian lebt in Dresden. © Matthias Schumann

Aufgewachsen ist er hier. Als seine Eltern das Eigenheim 2002 an der Neschwitzer Straße bauten, war er noch ein Kind. Genau so etwas möchte er seinem Sohn jetzt auch bieten. Manche Dinge hallen nach. Vor allem das riesige Gartenidyll war und ist ein Traum. Auf ganzen 1.600 Quadratmetern kann sich Mama Susann Glücklich so richtig austoben. Und alle profitieren davon. Das Obst kommt in den Kuchen, in flüssiger Form ins Schnapsglas oder als Marmelade aufs Brot. Die herrliche Blumenpracht hat schon so manchen Geburtstagstisch verziert. Und Kräuter und Gemüse landen im Mittagessen. Dazu die herrliche Ruhe mitten in der Stadt. Überall gibt es Sitzecken, Bänke, kleine Ruhepole.

Bei Familie Glücklich im Kamenzer Ortsteil Jesau ist der Name Programm.
Bei Familie Glücklich im Kamenzer Ortsteil Jesau ist der Name Programm. © Matthias Schumann

Dabei war das Gärtnern noch bis vor ein paar Jahren gar nicht ihr Steckenpferd. "Ich hatte ja auch nie Zeit", lacht die 50-Jährige. Als Leiterin eines Pflegeheimes mit 200 Bewohnern und 100 Mitarbeitern wurde es abends oft später. Das grüne Refugium rund ums Haus legte vor gut 20 Jahren deshalb ihre Mutter Ilona an. Und hielt es lange in Schuss. Ihre gesamten Pflanzen haben Opa und Opa nach dem Umzug nach Kamenz mitgebracht. Vor allem die prachtvollen Rosen wollte man nicht in der Kleingartenanlage in Hoyerswerda lassen. Das zahlt sich heute aus.

Hortensien und Herbstblumen blühen jetzt noch in den herrlichsten Farben.
Hortensien und Herbstblumen blühen jetzt noch in den herrlichsten Farben. © Matthias Schumann

"Dass wir jetzt schon so lange hier zusammen leben, war ja ursprünglich überhaupt nicht geplant", erzählt die 81-Jährige. "Ich wollte eigentlich nie in ein Haus ziehen, mir hätte eine kleine Wohnung genügt. Aber als meine Tochter mit der Idee um die Ecke kam, haben wir es uns doch überlegt", so Ilona Groß.

Mit Abstand betrachtet, war das die beste Entscheidung. Jeder hilft hier jedem. Alle sind füreinander da. Das Mehr-Generationen-Modell funktioniert erstaunlich gut. Und ist schönes Vorbild für viele. Erst kürzlich drehte der MDR eine fünfteilige Doku-Reihe über die Familie.

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sich Susann Glücklich vor 18 Jahren in Kamenz ein schönes Nest gebaut. Zu tun gibt es auf dem Areal seitdem reichlich. "Da müssen alle ein bisschen mit anpacken", sagt sie. Dass sie die Order ausgibt, stört dabei keinen so richtig. "Einer muss ja einen Plan haben", weiß Familienvater Thomas. Er ist eher fürs Grobe zuständig. Dazu gehört auch der Rasen. "Der gibt gutes Futter für die Kaninchen" sagt der 52-Jährige.

Das Bewässerungs-System hat er im Frühherbst bereits abgebaut. Dafür hat man eine extra Zisterne gebaut. Opa Werner erinnert sich an trockene Anfangsjahre. "Da waren wir froh, dass wir vorgesorgt hatten", so der 83-Jährige. Die Rosenstöcke, Obstbäume, üppigen Kräuterbeete und Blumenrabatten wollen versorgt werden. Nicht jeder Sommer ist so feucht wie der letzte.

Mama Susann Glücklich ist der kreative Teil der Familie. Der Garten trägt vor allem auch ihre Handschrift.
Mama Susann Glücklich ist der kreative Teil der Familie. Der Garten trägt vor allem auch ihre Handschrift. © Matthias Schumann

Werner Groß sitzt mittlerweile im Rollstuhl. Bei der Gartenarbeit kann er nicht mehr mit anpacken. Er liest jetzt mehr. Und seiner lieben Frau Ilona täglich etwas vor. Diese macht noch immer ihre Rundgänge durch den Garten. Zupft hier und da welke Blüten ab. "Das ist wichtig", sagt die 81-Jährige.

Seitdem ihre Eltern pflegebedürftig sind, hat Susan ihren Beruf an den Nagel gehangen und kümmert sich liebevoll um die beiden. Eine Entscheidung, die ihr nicht leichtfiel, aber die sie erfüllt. "Wir hätten das nie von ihr gedacht, so etwas machen ja nicht viele", sagt ihre Mama dankbar. Dafür bleibt jetzt mehr Zeit für die Gartenarbeit. Und kreative Dinge am Rand. "So ein Garten muss eine Handschrift tragen", sagt Susann Glücklich. Nette Sprüche auf Schiefertafeln, Keramikkunst und natürlich Flechtzäune gehören dazu.

Und Tiere sind die Leidenschaft der Hausherrin. "Seitdem vier Hühner dazu kamen, sind wir komplett", sagt Susann. Und wie das bei den Glücklichs so ist, bekam das liebe Federvieh Namen. Die fleißigen Eierproduzenten heißen Grete, Gundula, Guste und Frau Gertrud. Und leben in einem Stall, der an die Kinderbücher über "Pettersson und Findus" erinnert. "Das ist nicht zufällig. Wir sind große Schweden-Fans", so Papa Thomas.

Auch drei Bienenvölker gehören zum Gartenparadies. Diese betreut der älteste Sohn Sebastian. Und so gibt es immer eigenen Honig im Haus.
Auch drei Bienenvölker gehören zum Gartenparadies. Diese betreut der älteste Sohn Sebastian. Und so gibt es immer eigenen Honig im Haus. © Matthias Schumann

Wenn sie nicht im Garten werkeln, sind sie dorthin unterwegs. Oder treffen sich mit den Mitmachern der Offenen Gartenpforte Kamenz & Umgebung. Dort geht es um fachlichen Austausch, aber auch um das Miteinander. Man besucht sich gegenseitig und lernt vom anderen.

"Das ist eine tolle Gemeinschaft, die sich gefunden hat. Wir ergänzen uns mit unseren unterschiedlichen Gärten bestens und sind alle gut drauf", sind sich die Glücklichs einig. Gartenfreunde sind eben auch und vor allem Genussmenschen.

Hingucker und Sprüche, wohin man schaut. Vor allem am Tag der Offenen Gartenpforte im Juni begeistert das immer Hunderte Besucher.
Hingucker und Sprüche, wohin man schaut. Vor allem am Tag der Offenen Gartenpforte im Juni begeistert das immer Hunderte Besucher. © Matthias Schumann

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