merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Dynamofan vor Gericht

Wegen eines Faustschlags am Ende einer Busfahrt nach einem gewonnenen Pokalspiel stand ein Mann jetzt vor dem Richter. Am Ende kam er glimpflich davon.

Der Kamenzer Dynamofan Steve N. (l.) musste sich jetzt unter anderem wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.
Der Kamenzer Dynamofan Steve N. (l.) musste sich jetzt unter anderem wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. © René Plaul

Kamenz. Erst vor einer Woche sorgten Dynamofans mit Krawallen in Dresden für Negativschlagzeilen. In einem anderen Fall stand nun ein Fan in Kamenz vor dem Amtsgericht. Der liegt allerdings schon zwei Jahre zurück. Im August 2019 hatte Dynamo bei einem Pokalspiel gewonnen und die Stimmung soll fröhlich gewesen sein. Dennoch spitzte sich die Situation in einem Bus von Radeberg nach Kamenz zu.

Angeklagt war deswegen der 42-jährige Kamenzer Steve N. Beim Aussteigen in Kamenz gegen 21.30 Uhr soll er dem Fahrer mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben und mit dessen Brille im Wert von 500 Euro verschwunden sein. So lautete die Anklage durch Staatsanwalt Manfred Sauter. Das Opfer habe Prellungen im Gesicht erlitten und einen Zahn verloren. Deshalb der Vorwurf des Raubs und der Körperverletzung.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Doch das Opfer erschien zum Bedauern der Staatsanwaltschaft nicht zur Verhandlung und konnte somit nicht zu Details befragt werden.

Alkohol im Bus war wohl der Stein des Anstoßes

Im hinteren Teil seines Busses hatte sich am besagten Tag im August vor zwei Jahren wohl eine Traube von mehreren Dynamofans versammelt und Alkohol dabei, von Bier war die Rede. Das war wohl auch der Stein des Anstoßes für den Busfahrer. Der wollte das nicht dulden und nicht losfahren, solange Alkohol getrunken wird. Wohl auch in der Sorge, hinterher aufräumen zu müssen.

Der Anklagte gab zu, dass es Pöbeleien gegeben habe, eben Unverständnis wegen des Alkoholverbots. Das sei wohl nicht immer so hart.

Auf Nachfrage von Richter Thomas Kranke räumte der Angeklagte ein, dass er seit dem Mittag schon so sechs oder sieben halbe Liter Bier intus hatte. Er sei aber nicht in der Absicht, dem Mann ins Gesicht zu schlagen, zum Fahrer vorgegangen. Was mit der Brille passiert sei, wisse er nicht. Die sei wohl irgendwie weggekommen. Er habe sie jedoch nicht stehlen wollen.

Er könne jedoch verstehen, dass der Busfahrer Angst hatte, wenn Leute rumpöbeln. Als er beim Fahrer war, habe der einen Elektroschocker eingesetzt. Er habe einen Schmerz in der Seite verspürt, einen Schreck bekommen.

Eine Reflex-Reaktion nach Elektroschock?

Und dem Fahrer „eine verpasst!“, sagte Richter Thomas Kranke. Den Faustschlag räumte N. zuerst ein, eierte dann herum, konnte sich nicht mehr erinnern. Er habe keine Ahnung was abgelaufen sei, vielleicht durch den Schreck. Es sei wie ein Reflex gewesen, eine Abwehrreaktion: „Wie aus einem Hieb.“ Eher eine Affekt-Reaktion. Vielleicht habe aber auch Rache mitgespielt?, so der Richter. „Ja, so ungefähr“, gab N. zu Protokoll.

In einem Überwachungsvideo aus dem Bus stellten sich die Ereignisse doch etwas anders dar, und der Richter musste feststellen: „Ihre Erinnerung täuscht Sie.“ Die Aufnahmen zeigten den Hergang allerdings nicht komplett. Aber es wurde deutlich, dass zuerst der Arm des Angeklagten Richtung Opfer ging, das offenbar mehrfach versuchte, den Angreifer von sich zu schieben. Abzuwehren, wie es der Richter formulierte. Erst danach kam der Elektroschocker zum Einsatz, hieß es in der Verhandlung.

Mit dem Vorwurf des Faustschlags habe er aufgrund der Video-Sequenzen ein Problem, gab Verteidiger Mario Hemedinger zu bedenken. Die Hand sei nicht geballt gewesen. Das Handeln des Angeklagten aber auch nicht in Ordnung, räumte er ein. Zweifel äußerte die Verteidigung zudem an den Verletzungen des Opfers. Bei einem 60-Jährigen seien Zahnprobleme nicht so ungewöhnlich, zumal der Zahn erst locker und später rausgefallen sei. Der Angeklagte habe den Busfahrer vielleicht eher "necken und einen Denkzettel" verpassen wollen.

Vorwurf des Raubs fallen gelassen

Rache oder Neckerei? Den Vorwurf des Raubes ließ das Gericht nach längerer Beratung fallen. N. habe sich die Brille nicht aneignen wollen, das stehe fest. Es sei eine Demonstration gewesen, um den Geschädigten am Gebrauch der Brille zu hindern. Festgestellt wurde aber die „vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung“, so der Richter. Mehr lasse sich nicht aufklären. Wohl auch, weil der Busfahrer nicht erschienen war.

So wird das Verfahren gegen Zahlung einer Geldstrafe von 600 Euro eingestellt. In Anbetracht der finanziellen Situation des arbeitslosen Schlossers sei das angemessen. Außerdem habe sich N. ansonsten nichts zuschulden kommen lassen. Von der Strafe profitiert nun der Kamenzer Kinderschutzbund, an den das Geld zu überweisen ist.

Nach dem Urteilsspruch gab der Richter dem Fan aber noch einen Rat mit auf den Weg: Er solle keine falschen Schlüsse aus der Einstellung des Verfahrens ziehen und sein Verhalten kritisch hinterfragen, um dazu beizutragen, dass es künftig in solchen Situationen nicht zur Eskalation kommt.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz