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Bekommt Kamenz auch so einen Edeka?

Die Aussichten für einen Neubau ähnlich wie in Radeberg sind gut. Der Stadtrat hat jetzt einen wichtigen Beschluss gefasst. Doch noch sind Hürden zu überwinden.

So oder ähnlich könnte es perspektivisch auch in Kamenz am Siedlungsweg aussehen. Das Foto zeigt den Edeka in Radeberg.
So oder ähnlich könnte es perspektivisch auch in Kamenz am Siedlungsweg aussehen. Das Foto zeigt den Edeka in Radeberg. © Matthias Schumann

Kamenz. Eine moderne Architektur, breite Gänge, sogar eine Fisch- und Sushi-Theke, frische Salate und einen Imbissbereich. Das bietet der Radeberger Edeka-Generationen-Markt seinen Kunden.

Der in Kamenz am Siedlungsweg hingegen ist klein, aber fein, sagen einige Kunden. Andere finden, dass er seit der Eröffnung 2003 inzwischen zu eng geworden ist. Das Personal habe alle Mühe, die Waren in den Regalen unterzubringen. Auch architektonisch ist der Bau eher schlicht und wirkt im Vergleich zu den neueren Bauten etwas aus der Zeit gefallen. Mittlerweile haben selbst Discounter auf die Größe des Kamenzer Edeka nachgezogen oder sie sogar überschritten.

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Seit vier Jahren geht es nun schon um die Erweiterung beziehungsweise einen Neubau auf der Wiese dahinter. Bereits damals ließ Edeka wissen, dass eine Erweiterung dringlich sei.

Auf dieser Fläche könnte der Neubau des Kamenzer Marktes entstehen.
Auf dieser Fläche könnte der Neubau des Kamenzer Marktes entstehen. © Matthias Schumann

Es geht aber nur langsam voran. Die Landesdirektion machte klar, dass einer Genehmigung vor allem das Kamenzer Einzelhandelskonzept von 2013 entgegen stehe, das einen Ausbau des Handels nicht vorsehe.

Plan für Bebauung soll jetzt vorankommen

Um den Bau dennoch zu ermöglichen, hatte sich der Stadtrat 2019 entschlossen, einen Bebauungsplan für das Edeka-Areal zu erarbeiten. Corona hat das Ganze dann verzögert. Außerdem sollte das Einzelhandelskonzept überarbeitet werden. Das habe ohnehin der aktuellen Entwicklung angepasst werden müssen, räumt die Stadt ein.

So sieht die Verwaltung eine positive demografische Tendenz für Kamenz. Dazu komme der wirtschaftliche Aufschwung im Kamenzer Norden, wo immer mehr Jobs entstehen. Das Konzept sei wichtig, um die Entwicklung des Handels in der Stadt zu steuern. An der Windmühle zum Beispiel sollte eine Expansion eher gebremst werden. Potenzielle Flächen würden betrachtet, andere seien weggefallen. Es gehe um eine Gesamtsicht. Das sehen auch Stadträte wie Jörg Bäuerle (Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile) so.

Siedlungsweg gilt als Nahversorgungszentrum

Aber gerade der Bau eines neuen Edeka hängt durchaus von der Neubewertung des Kamenzer Handels ab. So wird der Bereich Siedlungsweg jetzt als Nahversorgungszentrum eingestuft. Zusätzlich floss noch ein Verträglichkeitsgutachten ins Konzept ein, um das Projekt genehmigungsfähig zu machen.

Das analysiert den Einfluss der Erweiterung auf den Handel in der Stadt, insbesondere im Zentrum. Eine mögliche Verdrängung anderer Händler habe das Gutachten aber nicht bestätigt - also grünes Licht für Edeka. Das Nahversorgungszentrum habe eher lokalen Charakter, auch bei einer Verdopplung der Verkaufsfläche von jetzt knapp 1.000 Quadratmetern. Damit wäre Kamenz in der Größe des Radeberger Marktes.

Kamenz im Wettbewerb mit anderen Städten

Stadtrat Maik Weise (CDU) schätzt ein, dass es wünschenswert wäre, auch mehr in Zentrumsnähe zu entwickeln. Da habe es bereits Ansätze gegeben, um die Attraktivität der Altstadt zu stärken. Jetzt müsse erst einmal die Arbeit am Bebauungsplan für den Siedlungsweg zügig fortgesetzt werden. Das Papier könnte noch in diesem Jahr abstimmungsreif sein, denkt Weise. Dann gehe es zum Landratsamt zur Genehmigung.

Damit sei jetzt durchaus auch der Weg für Erweiterung oder Neubau von Edeka geebnet, schätzt Jörg Bäuerle ein. Als Mittelzentrum mit Verwaltungen des Landkreises und des Freistaates sei es wichtig, die Region gut zu versorgen. So seien Voraussetzungen zu schaffen, damit der Markt dort bleiben und sich entwickeln kann. Kamenz stehe letztlich auch im Wettbewerb mit anderen Städten.

Edeka schätzt ein, dass sich die Einkaufsgewohnheiten stark verändert haben. Edeka denke über eine "zeitgemäße Neuaufstellung des Marktes" nach.
Edeka schätzt ein, dass sich die Einkaufsgewohnheiten stark verändert haben. Edeka denke über eine "zeitgemäße Neuaufstellung des Marktes" nach. © René Plaul

Linke sieht kritische Punkte im Handelskonzept

Die Linke sieht ihrerseits kritische Punkte im Konzept, sagt Thomas Lieberwirth. Das Konzept verzeichne einen Schwund an Handelsfläche in den vergangenen Jahren bei leicht steigender Bevölkerung, womit nun eine Ausweisung neuer Handelsflächen begründet werde. Es gebe dazu aber durchaus unterschiedliche Angaben. So sei der Schwund bei der Verkaufsfläche aus Sicht seiner Fraktion nicht plausibel erklärt. Es gebe einerseits 30 Prozent Leerstand, vor allem in der Innenstadt, aber die Kaufkraft werde noch mehr an die Ränder der Stadt gelenkt. Die Fraktion wolle aber der Gesamtentwicklung nicht entgegenstehen und habe sich daher bei der Abstimmung enthalten.

Fachleute gehen jetzt davon aus, dass zumindest seitens der Behörden im Verlauf des kommenden Jahres alle Voraussetzungen für einen Bau geschaffen werden können. Bei Edeka ist man aber noch sehr zurückhaltend, den neusten Beschluss zu bewerten.

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Sprecherin Stefanie Schmitt bestätigt, dass der Markt „über die Jahre an Attraktivität in der Gebäudesubstanz verloren hat“. Die Einkaufsgewohnheiten hätten sich stark gewandelt, insbesondere beim Frischesortiment wie Obst und Gemüse und bei regionalen Produkten oder solchen zum sofortigen Verzehr sowie bei Bio-Qualität. Solche Angebote würden auch die Betreiber gern unterbreiten. Einen Zeitplan für den Bau hat Edeka indes noch nicht mitgeteilt.

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