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Hier lassen sich Bäcker bei der Arbeit zusehen

In Panschwitz-Kuckau gibt es eine gläserne Backstube. Das hat für Kunden und Mitarbeiter Vorteile.

Was macht der Bäcker da? Die kleine Paulina schaut vom Laden in die Backstube der Bäckerei Vacek in Panschwitz-Kuckau und Thomas Vacek bei der Arbeit zu. Auch viele andere Kunden nutzen gern diese Möglichkeit.
Was macht der Bäcker da? Die kleine Paulina schaut vom Laden in die Backstube der Bäckerei Vacek in Panschwitz-Kuckau und Thomas Vacek bei der Arbeit zu. Auch viele andere Kunden nutzen gern diese Möglichkeit. © René Plaul

Panschwitz-Kuckau. Die kleine Paulina drückt sich ihr Gesicht an der Scheibe platt. Mit den Händen bildet sie einen Tunnel um ihre Augen. Sie ist auf ein kleines Treppchen gestiegen, um ganz genau zu sehen, was der Bäcker auf der gegenüberliegenden Seite der Scheibe macht. Bäckermeister Thomas Vacek formt Kakaostreusel für einen Kuchen. "Ganz schön viel Arbeit", mag Paulina denken. Wie ihr geht es vielen Kunden, die in die Bäckerei an der Poststraße in Panschwitz-Kuckau kommen. Während sie darauf warten, im Laden bedient zu werden, werfen sie immer wieder mal einen Blick in die Backstube und staunen, wie viel Handarbeit in der Herstellung von Brot, Brötchen und Kuchen steckt.

Genau vor fünf Jahren ist Thomas Vacek mit seiner Bäckerei vom Mühlweg auf die Poststraße gezogen. "Es sollte alles modern und komfortabel gestaltet werden. Und wir wollten einen besonderen Kick, den es sonst nur ganz selten gibt", erzählt er. Deshalb entstand die Idee mit der gläsernen Backstube, die jetzt eine komplette Wand im Laden einnimmt. "Wir haben diesen Schritt nie bereut, uns auf die Finger schauen zu lassen", ergänzt Renate Vacek, die Frau vom Chef, die selbst Bäckermeisterin ist. Sie stammt aus Meißen, bei der Bäckermeisterausbildung haben sich beide kennen- und lieben gelernt, und leben jetzt mit ihren vier Kindern in Panschwitz.

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Am Anfang herrschte Anspannung

Die gläserne Backstube hat für beide Seite einen Vorteil - die Kunden wie auch die Mitarbeiter der Bäckerei. "Am Anfang war es für uns Bäcker schon ziemlich ungewohnt, wenn die Leute uns zuschauten. Es herrschte eine gewisse Anspannung", erzählt Thomas Vacek. Doch inzwischen hat sich die gelegt. Die Mitarbeiter geben sich Mühe, wissen, dass nicht nur ihre Produkte gut werden sollen, sondern dass sie auch beobachtet werden können. "Und für uns Bäcker ist es schön zu sehen, wenn der Laden voll ist", ergänzt der Bäckermeister. "Dann wissen wir, dass wir vieles richtig machen."

Andersherum sehen die Kunden, dass es in der Backstube sauber ist, dass alles seine Ordnung hat, dass der Großteil der Tätigkeiten reine Handarbeit ist und vor allem, wie viel Mühe manche Arbeitsschritte machen. Und sie erkennen auch, dass bei Vaceks nicht mit vorgefertigten Teiglingen oder Ähnlichem gearbeitet wird, sondern dass die Herstellung der Backwaren wirklich mit dem Mehl beginnt. "Gerade Kinder steigen auf das Treppchen und schauen rein, winken, und wir winken zurück", erzählt Renate Vacek. "Vor der Corona-Zeit hatten wir auch schon mal eine Hortgruppe hier. Die Kinder haben zuerst zugeschaut und dann mit gebacken", ergänzt ihr Mann.

Im gleichen Haus gibt es auch Fleisch und Wurst

Von der Backstube gibt es einen direkten Zugang zum Geschäft und zum kleinen Café, das derzeit allerdings nicht betrieben wird. Durch diese Verbindung ist es möglich, dass sich die Kollegen von Backstube und Laden auch gegenseitig helfen - je nachdem, wo mal jemand mehr gebraucht wird. "Es ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben", erzählt Renate Vacek. Derzeit sind in der Bäckerei fünf Bäcker, drei Verkäuferinnen und eine "gute Fee" für alles beschäftigt.

Die Kunden kommen aus der gesamten Region, vor allem aber aus Panschwitz-Kuckau. "Nach unserem Umzug sind die Stammkunden mit gewechselt", so Thomas Vacek. Jetzt kaufen auch Patienten der nahe gelegenen Arztpraxis mit ein, selbst aus Kamenz fahren die Leute nach Panschwitz zum Bäcker. Als vorteilhaft erweist sich, dass sich neben der Bäckerei - im gleichen Gebäude - auch eine Verkaufsstelle der Sauenzuchtanlage Nebelschütz befindet. Die Kunden haben kurze Wege, und erledigen zwei Einkäufe - von Backwaren sowie Fleisch und Wurst - zusammen. Ein großer Parkplatz vor dem Haus rundet das Ganze ab.

Café kann gegenwärtig nicht genutzt werden

Die Corona-Pandemie hat auf die Bäckerei nur bedingt Auswirkungen. "Im ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres hat sich der Umsatz kaum verändert", blickt Thomas Vacek zurück. Jetzt allerdings kämen weniger Leute, auch der Umsatz ist leicht zurückgegangen. Man merke das veränderte Verhalten auch daran, dass Kunden bei einem Einkauf nicht nur ein Brot, sondern zwei kaufen, und eines dann einfrosten. Bedauerlich finden die Betreiber, dass das Café derzeit nicht genutzt werden kann. Aber Kaffee zum Mitnehmen gibt es trotzdem.

Die Verkäuferinnen im Laden tragen Mundschutz. Der Verkaufstresen ist durch eine große Plexiglasscheibe vom Kundenbereich abgetrennt. Ansonsten hat sich wenig geändert. Natürlich achte man auch darauf, dass sich nicht so viele Leute gleichzeitig im Laden aufhalten und der Mindestabstand eingehalten wird.

Mit etwas Besorgnis blicken die Vaceks auf das bevorstehende Osterfest. An den Tagen davor wurden immer besonders viele Kuchen und andere Backwaren bestellt. Ob das auch dieses Jahr so sein wird, bleibt eher fraglich. Noch weiß keiner, wie die Corona-Regeln über Ostern genau sein werden. Trotzdem ist den beiden Bäckermeistern vor der Zukunft nicht bange. Auch durch ihre gläserne Backstube haben sie es geschafft, dass die Kunden ihnen treu geblieben sind.

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