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Ärger auf dem Kamenzer Wochenmarkt

Die Stände der Händler wurden neu vermessen. Dies führt teilweise zu viel sehr viel höheren Gebühren. Was die Stadt dazu sagt.

Holger Kreße aus Lampertswalde betreibt das Korbmacher-Handwerk in dritter Generation. Seine Familie kommt seit 1926 nach Kamenz auf den Markt. Für ihn sind die drastischen Änderungen der Standgebühren ein falsches Zeichen. Gerade im Corona-Jahr.
Holger Kreße aus Lampertswalde betreibt das Korbmacher-Handwerk in dritter Generation. Seine Familie kommt seit 1926 nach Kamenz auf den Markt. Für ihn sind die drastischen Änderungen der Standgebühren ein falsches Zeichen. Gerade im Corona-Jahr. © privat/Henriette Braun

Kamenz. Donnerstagmorgen. Der Kamenzer Markt füllt sich. Fleischer, Bäcker, Gemüsehändler und Käserei rollen mit ihren Wagen an. Andere bauen Stände mit Kleidung, Pantoffeln oder Unterwäsche auf. Seit Jahren waren die Standgebühren recht niedrig in Kamenz. Der Wochenmarkt ist beliebt - bei Händlern wie Kunden.

Doch das könnte sich schnell ändern. Die Händler sind in Aufruhr. "Wir haben einen Brief von der Stadtverwaltung bekommen, darin stehen neue Standberechnungen", erzählt Enrico Minkwitz, Inhaber der Kamenzer Traditionsfleischerei. Folge er diesen, würde das eine fast 270-prozentige Preiserhöhung bedeuten. Nicht nur er ist verärgert.

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Deichsel des Anhängers wird mit berechnet

Woher kommt diese plötzliche Veränderung? Laut Stadtverwaltung sei keine Änderung der Marksatzung vorgenommen worden. "In zeitlichen Abständen erfolgt aber eine Vermessung der aktuell in Anspruch genommenen Marktflächen. Dabei wurde festgestellt, dass keine satzungskonforme Erhebung der Gebühren seitens der Verwaltung erfolgte", so Stadtsprecher Thomas Käppler. Wie es dazu kam, bleibt unerwähnt. Aufgrund der geltenden Satzung teilte man den Händlern die festgestellten Änderungen mit.

"Würde die Gebührenerhöhung lediglich den Donnerstag betreffen, wären es nicht so schlimm, aber wir stehen viermal pro Woche hier - auch auf dem Frischemarkt", sagt Enrico Minkwitz. Außerdem werden plötzlich Außenklappe und Deichsel seines Verkaufshängers mit berechnet. "Aus bisher zehn Quadratmetern wurden 24", sagt er.

City-Initiative strebt größeres Angebot an

Der Fleischer fragt sich, wie andere Gewerke so überleben sollen. "Vor allem die Bekleidungsstände oder der Hausschuh-Verkäufer - sie haben eine riesige Fläche, aber niedrige Umsätze. Vertreibt man sie nicht auf Dauer", fragt er und fügt an: "Auf einem Wochenmarkt braucht es eine starke Gemeinschaft. Da sollte man nicht als Einzelperson denken, sondern im Verbund."

Ebenso sieht das Henriette Braun, Vorsitzende der City-Initiative. Bis ins Jahr 1507 reichen die Wurzeln zum ersten Fleischer- und Keulermarkt zurück. "Also hat Kamenz eine über 500 Jahre alte Markttradition", sagt sie. "Wir waren gerade dabei, mehr Vielfalt ins Angebot zu bringen. Ein Gärtner mit frischen Blumensträußen wäre toll", meint die Kamenzerin. Vielleicht wieder Trockenfrüchte und mehr altes Handwerk.

Die meisten Händler sind entsetzt

Doch nun werden diese Bemühungen torpediert. "Wir sind entsetzt und viele Händler auch", sagt Henriette Braun, die am Markt ihr Fotostudio betreibt. Vergangene Woche habe sie mit vielen Leuten gesprochen. Gemeinsam mit Enrico Minkwitz startete sie eine schriftliche Umfrage, was die Markthändler von dem Mietsprung halten.

Nur einige wenige - wie der Olivenhändler und ein Gemüsehändler aus Dresden - finden die neuen Preise verträglich. "Verständlich - sie stehen sonst auf größeren Märkten in Dresden. Dort zahlt man ohnehin höhere Standgebühren. Aber das hier ist Kamenz", so Enrico Minkwitz.

Einer, der genau das bestätigen kann und bereits in dritter Generation mit seinen selbst geflochtenen Korbwaren auf dem Kamenzer Wochenmarkt steht, ist Holger Kreße aus Lampertswalde. "Wenn ich auf der Lingnerallee in Dresden bin, dann verdiene ich mehr. Da gibt es eine ganz andere Klientel", sagt er. Und der Markt läuft bis 17 Uhr. "Was ich in Kamenz bis 13 Uhr nicht verkauft habe, bleibt liegen", weiß er. Doch gerade so kleine Städte sind ihm ans Herz gewachsen.

"Wir kommen seit 1926 auf diesen Markt", sagt er. Mitte der 1980er-Jahre erlernte der heute 53-Jährige das Handwerk des Korbmachers. Seit 1998 führt Holger Kreße das Familienunternehmen, dessen Wurzeln bis 1906 zurückreichen. "Ich kenne viele Märkte der Region. Diese Preisentwicklung wird Kamenz nicht gut tun", befürchtet er. Statt 25 Euro soll er nun 42 Euro pro Markttag bezahlen. "Manchen Tag habe ich hier einen Umsatz von 80 Euro", ordnet er ein.

Satzung soll überarbeitet werden

"Die Wochenmarktbesucher sind in der Hauptsache Rentner, deren dürre DDR-Rente in der Hauptsache für Mode und Waren des täglichen Bedarfs reicht", sagt Henriette Braun. Dazu kommt die Grundversorgung an Lebensmitteln, welche von vielen wertgeschätzt wird. Auch, weil sie regional und saisonal sei. "Wir sollten die genannte Kundschaft nicht verprellen", findet Henriette Braun. Am Kaufland bezahle man aktuell 10 bis 20 Euro Miete pro Tag . "Und dort ist der Kundenstrom größer. Wir müssen verhindern, dass die Händler nicht abwandern."

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Ein Trost bleibt: "Die Marktsatzung wird von Zeit zu Zeit kontrolliert. Dies ist jetzt für das zweite Halbjahr, eher aber im vierten Quartal, vorgesehen", so Stadtsprecher Käppler. Da könnte es dann eventuell Änderungen geben. Dass dabei auch der Gedanke der Innenstadtbelebung eine Rolle spielen wird, sei selbstverständlich, versichert er.

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