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In der Bierscheune gibt es jetzt Blumen

Die Kamenzer Gärtnerei Scheffler hat sich vergrößert. Und auch die Nachfolge ist gesichert.

Sabine und Horst Scheffler freuen sich, dass ihre Tochter Astrid Sebök (vorn) in den nächsten Jahren ihre Traditions-Gärtnerei übernehmen will. Die neue Blumenscheune gehört ihr bereits.
Sabine und Horst Scheffler freuen sich, dass ihre Tochter Astrid Sebök (vorn) in den nächsten Jahren ihre Traditions-Gärtnerei übernehmen will. Die neue Blumenscheune gehört ihr bereits. © Matthias Schumann

Kamenz. "So schön groß und hell! Das ist wunderbar geworden!" Die Stammkundin muss erst einmal in der Tür stehen bleiben und ausgiebig schauen. Ein Blütenmeer wartet in den großzügigen Auslagen. Dazwischen verschiedene Zimmerpflanzen. Vor der Tür stehen Rollregale; voll beladen mit späten Beetpflanzen. Kein Gedränge mehr in der Enge, dafür großzügige Wege zwischen all dem Grün. Die Kundin ordert neue Kartoffeln und ein paar Tomaten aus eigener Zucht.

Platz für alles gibt es nun. Vor ein paar Tagen zog die Gärtnerei Scheffler in Kamenz mit ihrem Laden um. Zwar nur ein paar Meter weiter, aber die Veränderung fällt ins Auge. "Wir hatten die Vergrößerung seit Monaten geplant", sagt Horst Scheffler. Im Hintergrund wurde daran gearbeitet. Seit 2003 führen die Schefflers die kleine Blumenscheune an der Königsbrücker Straße. Damals übernahmen sie in vierter Generation auch die Gärtnerei der Eltern.

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Tochter übernimmt die Gärtnerei

Der Standort am Kamenzer Ortsausgang sei wunderbar, man habe immer Parkplätze vor der Tür. Und der Friedhof St. Just ist nah. Viele bestellen Gestecke oder kaufen Blumen fürs Grab. Die Traditions-Gärtnerei hat einen guten Namen und ist eine von drei verbliebenen Gärtnereien der Stadt. Früher habe es mehr gegeben, die Floristik- und Gärtnerei-Branche sei aber mittlerweile schwierig zu händeln, weiß der Chef. Viele seiner Berufskollegen haben Probleme mit dem Nachwuchs. "Darüber können wir uns glücklicherweise nicht beschweren, denn unsere Tochter wird in ein paar Jahren unsere Nachfolge antreten", so Horst Scheffler.

Der Vorbesitzer der Scheune betrieb hier früher einen Getränkehandel. Doch dann stand die ausgebaute Scheune viele Jahre leer. Am 4. September öffneten Schefflers hier ihren neuen Laden.
Der Vorbesitzer der Scheune betrieb hier früher einen Getränkehandel. Doch dann stand die ausgebaute Scheune viele Jahre leer. Am 4. September öffneten Schefflers hier ihren neuen Laden. © Matthias Schumann

Auch die Corona-Zeiten wurde gut überstanden. Schließlich durften die Schefflers durchgehend öffnen. So lief der Verkauf immer gut, und auch neue Kunden seien dazu gekommen. Dass man sich vergrößern musste, hat auch damit zu tun.

Der Vorbesitzer der Scheune betrieb hier früher einen Getränkehandel. Doch nun hatte die ausgebaute Scheune schon seit vielen Jahren für die Öffentlichkeit geschlossen. "Wir sind sehr froh, dass er uns als Erste gefragt hat, ob wir sie kaufen möchten", so der Gärtnermeister. "Und so haben wir investiert, denn wenn wir es machen, dann richtig", sagt Tochter Astrid Sebök.

Sie ist die neue Besitzerin. Horst und Rosemarie Scheffler betreiben ihren Laden in der Scheune nun zur Miete. "In unserem Alter, wäre es sinnlos, noch einen Kredit aufzunehmen", sagt Horst Scheffler. Seine Frau und er freuen sich darüber, dass die Tochter in ihre Fußstapfen treten möchte. So war das nicht von Anfang an geplant. Astrid Sebök erlernte erst einmal den Beruf der Sekretärin. "Ich habe als Kind miterlebt, wie viel Arbeit meine Eltern mit der Gärtnerei hatten. Eigentlich wollte ich mir das nicht antun", sagt die 38-Jährige. Dann habe sie sich in das Metier eingefuchst. Und gemerkt, dass es eine echte Berufung für sie ist.

Der Vorgänger hatte eine Bierflaschen-Bild im Pflaster vor der Tür. Das wurde nun zur Blume umgestaltet.
Der Vorgänger hatte eine Bierflaschen-Bild im Pflaster vor der Tür. Das wurde nun zur Blume umgestaltet. © Matthias Schumann

Die Arbeit in der Gärtnerei und als Floristin ist hart. Es gehe hier ja nicht nur darum, ein paar hübsche Sträuße zu binden, sondern es ist auch körperlich anstrengende Arbeit. Die Ware hin- und her zu bewegen, auch oft im Kalten zu arbeiten, viele Stunden am Tag stehend, das sei nicht für jeden etwas.

Astrid Sebök hat sich arrangiert damit. Und freut sich nun vor allem auch über den Neustart. "Wir haben uns größenmäßig fast verdoppelt", sagt sie. So könne man natürlich die Ware besser platzieren und präsentieren. Und auch das ein oder andere neue Produkt mit hinein nehmen. Dreimal in der Woche fährt der Gärtnermeister nach Dresden in den Pflanzengroßhandel. Und mehrere Male pro Woche werden frische Schnittblumen geliefert. Dazwischen gibt es saisonal selbst angebaute Ware, wie aktuell Astern.

Zum Forstfest werden Kränze und Bögen gewunden

Die Gärtnerei Scheffler ist eine der wenigen Gärtnereien, die auch noch zum Kamenzer Forstfest Kränze, Lyren und Bögen winden. Zwei Jahre in Folge konnte sie das nicht tun, da es keine Blütenumzüge gab. Was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird, sei ohnehin fraglich, so Horst Scheffler. "Die Stadt sollte hier beizeiten überlegen, was es für Alternativen gibt. Die einheimischen Gärtnereien werden das alles zu dem Preis ohne freiwillige Helfer nicht mehr allein stemmen können", gibt er zu bedenken.

Nun freut man sich aber erst einmal über das neu Geschaffene. "Die Scheune wurde mit Hilfe vieler Freunde und Bekannter in Eigenleistung saniert", so Astrid Sebök. "Ein großes Dankeschön dafür!" Und man konnte eine neue Ladeneinrichtung einbauen. "Aber auch nur, weil ein Berufskollege aus Hamburg sein Geschäft aufgeben musste. Corona hat mancherorts seinen Preis gefordert", so der Chef. "Wir hatten mehr Glück!"

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