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Neuer Mode-Laden in der Kamenzer Altstadt

Bisher besuchte Dana Wittmann ihre Kundinnen zu Hause. Jetzt zog sie in einen Laden - und macht gemeinsame Sache mit einer Geschäftspartnerin.

Von Ina Förster
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Im Geschäft von Anne Hasselbach (r.) und Dana Wittmann an der Rosa-Luxemburg-Straße in Kamenz trifft künstlerische Fotografie auf skandinavische Mode.
Im Geschäft von Anne Hasselbach (r.) und Dana Wittmann an der Rosa-Luxemburg-Straße in Kamenz trifft künstlerische Fotografie auf skandinavische Mode. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Kleiderständer hängen voll. Frauen drücken sich dieser Tage in Kamenz die Nase an den großen Schaufenstern in der Rosa-Luxemburg-Straße platt. Neugierig sind sie, was in dem ehemaligen Geschäft von Foto-Steinborn passiert. Es sieht eindeutig nach Mode aus.

Vor etwa einem Jahr war hier Fotografin Anne Hasselbach mit ihrem Studio eingezogen. Doch nun kommt zusätzlich Bewegung in die Räume. Zur Einkaufsnacht im November herrschte hier schon einmal reger Trubel, drehten sich Frauen vor großen Spiegeln, wurden Kleider, Hosen, Pullover, Jacken und Shirts probiert und gekauft.

Im Hauptberuf Sekretärin und nebenbei Modeberaterin

Dennoch hat das neue Modegeschäft aktuell nur selten geöffnet. Das liegt jedoch nicht am fehlenden Geschäftssinn von Inhaberin Dana Wittmann, sondern an ihrem Konzept für den neuen Anlaufpunkt in der Kamenzer City.

Die 43-Jährige ist zertifizierte Fashion-Stylistin und Modeberaterin im Nebengewerbe. Hauptberuflich arbeitet sie als Kaufmännische Angestellte in einer Kamenzer Produktionsfirma. Nach Feierabend oder am Wochenende wechselt sie jedoch seit Jahren in ihren anderen Job. Einen, der mehr Hobby und Berufung ist als anstrengende Zusatzarbeit.

Bislang besuchte Dana Wittmann ihre Kundinnen zu Hause. "So wie manch einer Tupperware verkauft, biete ich Mode an", sagt sie. Maximal sechs Frauen sitzen dann vor ihr, denn es soll einen individuellen Charakter haben. An solchen Abenden gehe es um kreative Beratung, eine spezielle Art, Frauen Mode nahezubringen. Und das ohne Hektik und Massenabfertigung.

Während die Kamenzerin bis vor Kurzem noch ein französisches Label unter Vertrag hatte, erwärmte sich ihr Herz nun für skandinavische Mode. "Mit meinem neuen Vertragspartner fahre ich sehr gut. Die Sachen sind chic und zeitlos und in großen Größen bis 46 erhältlich, was den Kundenkreis erweitert", freut sich Dana Wittmann. Zudem gehe es in der Branche aktuell in Richtung nachhaltige, bequeme und trotzdem extravagante Produkte. Dies komme auch vor Ort gut an.

Dänisches Label gibt's nicht von der Stange

Für Trends und das Außergewöhnliche, für passende Accessoires und die Bedürfnisse ihrer Kundinnen hat Dana Wittmann seit vielen Jahren ein "Näschen" entwickelt. "Gestartet bin ich im Direktvertrieb mit Schmuck. Mittlerweile biete ich aber nur noch Dessous und Mode an", erzählt sie. Derartige Firmen würden generell nur mit Verkaufsberatern zusammenarbeiten. Auch die Sachen des dänischen Labels, das sie vertreibt, finde man nicht auf der Stange bei großen Modeketten. Und dies reize viele.

Deshalb habe sie sich in den letzten Jahren einen großen Kundenstamm aufbauen können - und davon schauen nun viele neugierig auf die Entwicklung in der Kamenzer Altstadt. Aktuell hängt die Herbst-Winter-Kollektion auf den Bügeln. Doch die Branche ist der Zeit immer etwas voraus und denkt mitten im Flockenwirbel schon wieder an die Sommerware. So auch Dana Wittmann.

"Das war ein Grund, mir feste Räume zu suchen. Ich brauchte Lagerräume. Zu Hause ging das nicht mehr", sagt sie. Das Konzept beruhe zwar auf einem Bestell-Modus, aber nicht jedes Teil sei immer in allen Größen da. Dennoch müsse eine ganze Kollektion gekauft und präsentiert werden. Im letzten halben Jahr probierte sich Dana Wittmann damit bereits in Königsbrück aus, mietete sich dort einen Laden. Aber eigentlich zog es sie von Anfang an in ihre alte Heimat Kamenz zurück.

Hierher war sie vor einiger Zeit nach 15 Jahren Abwesenheit zurückgekehrt. Als Fremdsprachensekretärin hatte sie zuerst in München gelernt und gearbeitet, ehe es sie nach Leipzig verschlug, wo sie bis 2017 lebte. "Ich wollte immer zurück. Hier sind meine Wurzeln, hier ist meine Familie", sagt sie.

Fotografin freut sich auf gemeinsame Aktionen

Wittmanns Aktivitäten in der Kamenzer Altstadt sind auch für Fotografin und City-Managerin Anne Hasselbach ein echter Glücksfall. Sie ist Anfang des Jahres in die leer stehenden Räume an der Rosa-Luxemburg-Straße eingezogen und präsentiert sich hier wieder mehr in ihrem angestammten Gewerk, der künstlerischen Fotografie. "Dass wir uns gefunden haben und sofort auf einer Wellenlänge schwammen, ist wunderbar", sagt sie.

Mode und Fotografie passen ihrer Ansicht nach bestens zusammen. "Bei beiden Themen geht es um Schönheit, Sinnlichkeit. Das werden wir zusammen forcieren", sagt Anne Hasselbach. Nach fast einem Jahr sei sie durch dieses Tandem-Projekt nun auch endlich mit ganzem Herzen im Laden angekommen.

Bald soll es kleine, feine Mode-Events im Geschäft geben. "Leider grätscht Corona da noch dazwischen", bedauert Dana Wittmann. Auch Synergie-Effekte mit dem Café Aloha nebenan seien denkbar.