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Kamenz: Viele Ideen fürs Winzereck

Tante-Emma-Laden, Vereinsräume, Tanzbar - Kamenzer haben viele Wünsche, was aus dem Objekt am Markt werden könnte. Und was favorisiert die Stadt?

Für Kamenzer Marktbesucher führt der Weg derzeit nur vorbei am früheren Geschäft Winzereck. Gartenfreunde haben die Schaufenster gestaltet. Aber der Laden steht schon lange leer hier. Doch das soll sich ändern.
Für Kamenzer Marktbesucher führt der Weg derzeit nur vorbei am früheren Geschäft Winzereck. Gartenfreunde haben die Schaufenster gestaltet. Aber der Laden steht schon lange leer hier. Doch das soll sich ändern. © René Plaul

Kamenz. Das ist eine Überraschung: Seit Jahren tat sich in Kamenz nicht viel am Geschäft Winzereck in bester Lage am Markt/Ecke Bautzener Straße. Es steht leer. Jetzt plötzlich die Nachricht, dass die Stadt die Dinge selbst in die Hand nehmen will, damit wieder Leben in das Eckgebäude kommt. Der Stadtrat stimmte dem Plan zu.

Die Stadt will ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen. Das ist möglich, wenn eine Immobilie den Besitzer wechseln soll und ein paar Voraussetzungen erfüllt sind. So muss sich das Gebäude zum Beispiel in einem Sanierungsgebiet befinden und städtebaulich bedeutsam sein. Das schätzt die Stadt im Fall des Winzerecks so ein.

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Damit die mit 75 Quadratmetern recht überschaubare Gewerbefläche des ehemaligen Winzerecks attraktiver wird, will die Stadt noch das Nachbargebäude auf der Bautzener Straße integrieren. Ein paar Worte zur künftigen Nutzung sind auch schon gefallen. In Richtung Gastronomie könnte es gehen – vielleicht ein Café.

Kamenzer diskutieren angeregt über die Pläne

All das sorgt seit dem Stadtratsvotum zum Kauf für Gesprächsstoff in der Stadt. In sozialen Medien wird das Thema ausgiebig diskutiert. Was dem einen gefällt, hält der nächste für Quatsch, und der Dritte nörgelt, Cafés gebe es eh schon genug. Oder werde es am Ende „doch nur wieder eine Rumpelbude“?, wie eine Leserin befürchtet. Da wäre doch die Filiale einer recht bekannten amerikanischen Burger-Kette besser. Oder lieber ein Unverpackt-Laden? "Irgendwie typisch Mensch. Immer unzufrieden", kommentiert ein anderer.

Die Vorschläge werden auch im Rathaus mit Interesse verfolgt. Ideen seien durchaus willkommen, sagt Oberbürgermeister Roland Danz (parteilos). Aber billig werde das Winzereck bestimmt nicht.

Hat die Stadt Geld für das Projekt?

Es gibt in der Stadt durchaus auch Zweifel, ob sich Kamenz ein solches Projekt leisten kann. Für die Stadt soll die kommunale Wohnungsgesellschaft SWG als 100-prozentige Tochter sowohl den Kauf abwickeln als auch die Sanierung. Das Unternehmen befindet sich aber selbst in einem Sanierungsverfahren.

Rund 175.000 Euro würde der Kauf beider Objekte kosten. Für die Sanierung selbst lasse sich noch keine seriöse Zahl sagen, so OB Dantz. Er weist die Zweifel an den finanziellen Möglichkeiten der SWG zurück. Richtig sei, dass die SWG in Schwierigkeiten stecke und Schulden angehäuft habe. Dantz nennt als Gründe eine falsche Strategie nach dem politischen Umbruch und einen Mangel an Kompetenz.

Doch das Blatt habe sich gewendet. Die SWG habe jetzt ihr „bestes Ergebnis vorgelegt und ist auf Erfolgskurs“. Genau das ermögliche Projekte wie das Winzereck. Die Gesellschaft sei dabei, den Schuldenberg abzutragen. Die Zahlen sollen demnächst offengelegt werden.

Gastronomie, Spezialitäten oder beides?

Ob ein Café oder etwas anderes: „Ziel muss es sein, den Markt zu beleben“, sagt Dantz. Das könne Gastronomie mit Blick zum Markt sein und ein Spezialitäten-Angebot zur Bautzener Straße zum Beispiel. Damit könnte das Winzereck an seine Geschichte mit Wein- und Süßwarenverkauf anknüpfen.

Oft genannt wird auch ein Tante-Emma-Laden mit Lebensmitteln. Da ist der OB eher skeptisch. Der Wunsch möge ja da sein. Er fürchte nur, dass die potenzielle Kundschaft am Ende doch mehrheitlich den Supermarkt vorzieht. Seiner Meinung nach hätten eher Spezialitäten zum Genießen eine Chance.

Wären Wohnungen und Vereinsräume denkbar?

Moderne Wohnungen müssten entstehen, regt eine Leserin an. Ein Leser hat Vereinsräume auf der Vorschlagsliste. Auf jeden Fall würden sanierte Wohnungen entstehen, aber in dieser guten Lage nicht im Erdgeschoss. Stadtsprecher Thomas Käppler schätzt außerdem ein: "Wer Wohnungen oder Vereinsräume in so einer Lage ins Erdgeschoss bringen will, der hat den Glauben an eine funktionierende Innenstadt verloren."

Das ist im Kamenzer Rathaus nicht der Fall. Vereinsräume müssten nicht in Marktlage angesiedelt werden, findet Dantz. Da ließe sich auch an der Bautzener Straße bestimmt etwas finden. Das ehemalige Seifengeschäft fällt dem OB sofort ein. Die Innenstadt müsse Gastronomie und Handel vorbehalten bleiben.

Wie wäre es mit einer Tanzbar?

Eine kleine Bar oder Tanzbar kam mehrfach in den Vorschlägen aus der Bevölkerung. Dafür sei die Fläche etwas klein, gibt der OB zu bedenken. Letztlich gelte: Es gebe interessante Nischen, wenn sich dafür ein Betreiber findet. Der müsse aber davon leben können. Am Ende entscheide die Nachfrage.

Es werde Bewerbungen geben, und die Stadt werde einen geeigneten Betreiber suchen. Auch der Stadtrat werde sich Gedanken machen. Leser schlagen auch eine Ausschreibung fürs beste Konzept vor. Ob es etwas dergleichen geben wird, sei noch offen.

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