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Bewegung in der Kamenzer Altstadt

An der Rosa-Luxemburg-Straße tut sich gerade einiges: Läden ziehen um oder neu hierher. Nur für ein Objekt gibt's noch keine Lösung.

Anne Hasselbach zog mit ihrem Fotostudio an der Rosa-Luxemburg-Straße in Kamenz um. Zu finden ist sie nun im ehemaligen Fotoladen Steinborn.
Anne Hasselbach zog mit ihrem Fotostudio an der Rosa-Luxemburg-Straße in Kamenz um. Zu finden ist sie nun im ehemaligen Fotoladen Steinborn. © Matthias Schumann

Kamenz. Trotz des harten Lockdowns dreht sich aktuell das Geschäftskarussell in der Kamenzer Altstadt. Hinter den Fassaden wird gewerkelt, saniert, um- und eingeräumt - und auf baldige Lockerungen für den Handel gehofft.

Auch Anne Hasselbach zog dieser Tage in ein neues Studio. Nicht ganz freiwillig, aber mittlerweile um so zufriedener. Die Kamenzer Fotografin war in den letzten Jahren an der Rosa-Luxemburg-Straße ansässig. Zusammen mit der Kamenzer Stadtwerkstatt teilte sie sich einen größeren Raum. "Das passte gut zusammen. Aber wir wussten auch immer, dass es nur eine Zwischennutzung sein kann. Und wenn es ernsthafte Mietnachfragen von Händlern gibt, sind diese vorzuziehen", sagt die 46-Jährige. Und die gab es Ende letzten Jahres.

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Geschäft "Ellenlang" will sich vergrößern

Als Andrea Seibt sich mit ihrem Geschäft "Ellenlang" für die Räumlichkeiten interessierte, wurde also nicht lange überlegt. Sie möchte mit ihrem kleinen Mode-Label näher an die City heranrücken und plant einen Umzug vom Bönischplatz, wo sie seit Jahren ihre Kundschaft empfing. "Ich benötige vor allem mehr Platz, zum Beispiel auch für meine Kreativ-Kurse", sagt sie. Deshalb suchte die Geschäftsfrau länger nach einem neuen Ladenlokal, sie wollte aber in der Altstadt bleiben.

Anne Hasselbach ist auch City-Managerin der Stadt - und steht zu hundert Prozent hinter solchen Plänen. "Die leeren Geschäfte mit Leben zu füllen, hat oberste Priorität für uns alle", sagt sie. "Ich freue mich, dass sich das Viertel hier mit Leben füllen wird." Erst kürzlich wurden die Pläne für ein neues Frühstücks-Café im ehemaligen Feinschmecker-Laden publik gemacht. Nun geht es weiter voran. Auch die Stadtwerkstatt hat neue Pläne, bleibt dem Kiez jedoch treu. Verraten darf schon so viel werden: Der Verein wird die Umzugskisten nur wenige Meter tragen müssen.

Nach Leerstand wieder Leben im Foto-Laden

Auch Anne Hasselbach fühlt sich wohl im Altstadtviertel - und tut deshalb selbst etwas für dessen Weiterentwicklung. Im ehemaligen Laden von Foto-Steinborn hat sie ihren neuen Arbeitsmittelpunkt gefunden. Das Geschäft stand seit zweieinhalb Jahren leer, damals hatten es die Inhaber aus persönlichen Gründen nach vielen Jahrzehnten geschlossen. Als sie kurz vor Weihnachten die Kündigung erhielt, sagt Anne Hasselbach, habe sie sich schnell umgeschaut. "Dieses Objekt hatte ich schon länger im Fokus. Außerdem musste ich nur quer über die Straße ziehen", sagt sie.

Das tat sie an wenigen Abenden und mithilfe ihrer Tochter. "Es war mein fünfter Umzug innerhalb weniger Jahre. Ich bin geübt darin", erzählt sie schmunzelnd. Fotoausrüstung und Technik, Kisten voller Kostüme, Hüte, Schuhe, Federboas und anderen Accessoires zogen mit. "Meine Einrichtung passt gut ins neue Domizil. Außerdem habe ich jetzt drei große Schaufenster. Das imponiert mir am meisten, tut es doch etwas für die Außenwirkung", sagt Anne Hasselbach.

Mitnutzung durch andere Kreative möglich

Mit Vermieter Thomas Hein sei sie sich schnell einig geworden. Er habe gar nicht mehr mit einem Interessenten in naheliegender Zukunft gerechnet. "Umso schöner war es, dass es die Nachfrage gab", sagt er. Dass er seinen früheren Laden künftig sogar mit nutzen kann, stimmt ihn froh. Da gibt es viele alte Fotos aufzuarbeiten, Negative zu durchforsten. "Vor allem meine Kamenz-Ansichten möchte ich archivieren", sagt Thomas Hein.

Anne Hasselbach ist da unkompliziert, sie könnte sich eine Mitnutzung des neuen Studios auch durch andere Kreative vorstellen. "Hier ist viel Platz für vieles. Sogar für eine kleine Ausstellung und andere Ideen", sagt sie. "Das wird wachsen", weiß sie aus Erfahrung.

Ihre Arbeit als Fotografin möchte sie forcieren. Sie selbst sieht sich als jemand, der Bilder inszeniert. Und das an authentischen Orten mit authentischen Menschen. "Ich lasse meine Kunden mitreden. Jeder Mensch trägt etwas Besonderes in sich. Das muss man heraus kitzeln", sagt sie. Hochzeiten, Porträts, erotische Fotos - das alles sei drin. "Ich bin auch viel draußen unterwegs!"

Nur der "Inder" steht wieder leer

Derweil verändert sich das Viertel an der Rosa-Luxemburg-Straße weiter. Nicht überall sind solche Glücksfälle zu verzeichnen. So schloss vor dem zweiten Lockdown das Indische Restaurant gegenüber.

Mittlerweile ist es jedoch der einzige Laden, der leersteht auf der Straße. Alle anderen Häuser bekommen mit dem neuen Café, dem Laden Ellenlang, der Stadtwerkstatt und dem Fotostudio neue Mieter. Und die bestehenden Läden - darunter Schuhgeschäft, Schmuckladen, Raumausstatter - erhalten gute Gesellschaft. "Das klingt nach einem schönen Mix", findet Anne Hasselbach. Vielleicht kommt dann ja auch wieder Schwung in die Gastronomie?

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