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Babysachen mit einem besonderen Stern

Nach einem Schicksalsschlag sucht eine junge Frau aus Pulsnitz Ablenkung und findet sie im Nähen. Heute hat ihr Modelabel Kunden in ganz Deutschland.

Claudia Neubert aus Pulsnitz betreibt ihr eigenes Kindermode-Label. Eigentlich ist sie OP-Schwester in Radeberg, jetzt aber in Elternzeit mit ihrer Tochter.
Claudia Neubert aus Pulsnitz betreibt ihr eigenes Kindermode-Label. Eigentlich ist sie OP-Schwester in Radeberg, jetzt aber in Elternzeit mit ihrer Tochter. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Entzückend, diese kleinen Stulpen, die Strampler und Täschchen.  Und erst der Silberfuchs im Sternen-Design! Er gehört Enni. Der Name der Einjährigen ist eingestickt. Beim Einschlafen soll er helfen, und meistens klappt das auch.  Mama Claudia Neubert hat ihn ihrer Tochter genäht. Aber erst, als sie gesund und munter auf der Welt war. Vorher konnte sie es nicht... 

Schon einmal hatte sie Baby-Sachen gekauft. Hatte sich auf ihre Kinder gefreut. Zwillinge. Dann schlug das Schicksal zu. Sie kamen viel zu früh und viel zu schwach per Kaiserschnitt auf die Welt. In der 25. Schwangerschaftswoche. In der Fremde, in einem Krankenhaus in Augsburg auf der Heimreise aus dem Urlaub. 

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Claudia Neubert kann heute relativ gefasst über ihre beiden Sternenkinder, ihren Verlust  und den Juni 2018 sprechen. Es ist  ihre Geschichte und die ihres Mannes. Kimi und Mika nannten sie ihre Jungen. Schöne Namen, die sich heute im kleinen Kindermode-Label der 33-Jährigen wiederfinden.

Bestellbücher sind bis Weihnachten randvoll

Nach dem Tod der Frühchen brauchte die gelernte OP-Schwester aus Pulsnitz etwas, das sie ins Leben zurück bringt. Womit sie sich ablenken und worin sie einen Sinn finden konnte. Sie fand Ruhe, aber auch Bestätigung in der Handarbeit. "Es war komisch, denn ich konnte bis dato überhaupt kein bisschen nähen. Ich habe mir das alles autodidaktisch beigebracht, habe mich richtig reingekniet, Bücher gelesen, mir vieles zeigen lassen", sagt sie. "Und es war einfach mein Ding! Es beruhigte mich paradoxerweise, wenn ich Babysachen nähte", erzählt die Pulsnitzerin. 

Mittlerweile hat sie ihr eigenes, kleines Mode-Label und kommt kaum mit den Aufträgen hinterher. Die Bestellbücher sind bis Weihnachten und darüber hinaus  voll. "Die Bestellzeiten belaufen sich unterdessen auf fünf bis sieben Wochen", sagt Claudia Neubert. 

Niedliche Babykleidung und Accessoires näht Claudia Neubert aus Pulsnitz - und verschickt sie deutschlandweit und darüber hinaus an ihre Kunden.
Niedliche Babykleidung und Accessoires näht Claudia Neubert aus Pulsnitz - und verschickt sie deutschlandweit und darüber hinaus an ihre Kunden. © Matthias Schumann

Denn mittlerweile gibt es ja seit 14 Monaten auch Enni. Als Claudia Neubert wieder schwanger wurde, war das ein großes Glück. Doch die Angst schwang unterschwellig mit. Genäht hat sie viel in dieser Zeit: zuerst nur für Freunde und  Bekannte. Später für unbekannte Kundschaft, die über Mundpropaganda auf sie aufmerksam wurde. "Inzwischen verschicke ich meine Ware deutschlandweit sowie nach Österreich und in die Schweiz", erzählt die 33-Jährige.

Logo und Name erinnern an die Zwillinge

Als sie ihr Kleingewerbe anmeldete, hatte sie dafür zunächst einen anderen Namen. Doch mit "Kami's Stern" schloss sich der Kreis. "Der Name entstand aus den Namen meiner verstorbenen Zwillinge, Mika und Kimi, jeweils die letzten Buchstaben habe ich mir genommen, um daraus mein kleines Stückchen Himmel zu schaffen und sie in meinen Arbeiten zu verewigen", sagt sie. Eine schöne Idee, die auch ihre Kundschaft im Internet bewegt. Claudia Neubert lässt sie  ab und zu an ihrer Gefühlswelt teilhaben. Das verbindet.

Nun ließ sich die junge Mutter ein Logo anfertigen, das als Label an den Produkten hängt. "Ich fühle mich meinen Mäusen noch näher, denn jede Hälfte  steht für einen Zwerg, und wie es auch schon im Leben war und nach ihrem Tod -  sie sind  wieder in einem Stern vereint."

Alle Teile sind Unikate und aus besonderem Stoff

Kuschelfant Kamika, Schnuffelfuchs Fussel, Schnuffeldrache Lotta und Meerjungfrau Pixa Perla,  Troll Theo oder Faultier Bibo schickt sie fast täglich auf die Reise zu ihren Kunden. Die schätzt an  der Ware vor allem die biozertifizierten Stoffe. Und das jedes liebevoll genähte Teil ein echtes Unikat ist. Ihre Stoffe kauft Claudia Neubert auf Messen und ausschließlich solche, die in Europa und nicht durch Billigarbeit gefertigt wurden, wie sie versichert. 

Obendrein entstanden in den letzten Monaten jede Menge Mund-Nase-Masken. Als es im März mit dem Lockdown losging, setzte sich Claudia Neubert hin, bat bei Bekannten und Freunden um Stoffe und nähte kostenlos Masken. Schlange gestanden hätten sie zeitweise vor ihrer Haustür. "Ich wollte mich daran nicht bereichern. Am Ende habe ich über 1.000 Stück genäht", so die junge Mutter.

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