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Pulsnitz: Netto will neuen Markt bauen

Die jetzige Halle an der Bischofswerdaer Straße ist der Handelskette zu klein geworden. Wo der Neubau hinkommen soll und welche Bedingungen die Stadt stellt.

Zu klein und nicht mehr zeitgemäß ist der Netto-Einkaufsmarkt aus Sicht der Handelskette an der Bischofswerdaer Straße in Pulsnitz.. Ein Neubau soll gleich nebenan auf einer Industriebrache entstehen.
Zu klein und nicht mehr zeitgemäß ist der Netto-Einkaufsmarkt aus Sicht der Handelskette an der Bischofswerdaer Straße in Pulsnitz.. Ein Neubau soll gleich nebenan auf einer Industriebrache entstehen. © René Plaul

Pulsnitz. In die Pulsnitzer Handelslandschaft kommt jetzt erneut Bewegung. Nach der Erweiterung des Lidl-Marktes sowie Neubau und Erweiterung von Rewe will nun Netto Markendiscount nachziehen. Pläne dafür gebe es schon seit etwa drei Jahren, heißt es aus dem Rathaus. Die Verhandlungen hätten aber etwas länger gedauert. So habe die Stadt eine Reihe von Interessen, die zu berücksichtigen sind, bevor die Handelskette loslegen kann. In einigen Punkten hatte es unterschiedliche Auffassungen gegeben.

Netto betreibt derzeit zwei Märkte in Pulsnitz – einen an der Bischofswerdaer Straße und eine Filiale an der Dresdner Straße am Eierberg. Von dem wollte sich die Handelskette ursprünglich ganz trennen, zumal Netto nicht der Eigentümer der Immobilie ist, sondern ein amerikanisches Investmentunternehmen, erklärt Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos). Hintergrund war wohl der Neubau von Norma auf der anderen Seite des Eierberges in Leppersdorf. Die Distanz sei zu gering und der eigene Markt zu klein, habe Netto beklagt.

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Die Filiale am Eierberg soll bleiben

Die Stadt hat eine andere Position: Der Markt an der Dresdner Straße ist für die Versorgung des Wohngebietes an der Weststraße enorm wichtig, sagt Lüke. Mit dem Eigenheimstandort am Eierberg werde sich dort außerdem ein weiteres Wohngebiet mit potenzieller Kundschaft entwickeln.

Für den zweiten Markt an der Bischofswerdaer Straße hat Netto Neubaupläne. Hier sei es ähnlich wie vor wenigen Jahren beim Rewe-Neubau. Ein modernes Verkaufskonzept sei in der jetzigen Halle aus Sicht von Netto nicht umsetzbar: mit breiteren Gängen zum Beispiel, damit auch gehbehinderte Menschen mit Rollator oder Rollstuhl bequem einkaufen können und mehr Platz fürs Sortiment zur Verfügung steht. Niedrigere Regale sollen ebenfalls der alternden Bevölkerung Rechnung tragen und die Erreichbarkeit der Ware erleichtern.

Alte Fabrikruinen kommen weg

Der neue Markt soll gleich in der Nachbarschaft auf einer Industriebrache an der Grünen Straße entstehen, die derzeit in Privatbesitz und Lagerplatz für Baustoffe ist. Nach dem Abriss der Industriegebäude würden knapp 7.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Geplant sei ein Markt mit maximal 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das wären bis zu 400 mehr als bisher, dazu sind mindestens 65 Pkw-Stellplätze geplant.

Inzwischen hat Netto laut Stadtverwaltung signalisiert, an dem Markt am Eierberg festzuhalten, der Mietvertrag sei verlängert worden. Damit sei eine wichtige Voraussetzung für den geplanten Neubau erfüllt.

Es gibt aber noch mehr Bedingungen, die der Stadtrat per Beschluss schriftlich fixierte. So soll anders als bei Rewe der alte Markt nicht abgerissen werden. Die Handelskette müsse einen neuen Nutzer finden: „Wir wollen hier keine leere Brache“, sagt Barbara Lüke. Auch das sei auf einem guten Weg, schätzt die Rathauschefin ein. Es gebe Gespräche mit Kandidaten. Auf jeden Fall soll es kein Lebensmittelanbieter sein.

Allerdings hatte die Stadt mit der Industriebrache eigentlich andere Pläne. Damit hängt eine weitere Bedingung zusammen, die die Handelskette erfüllen muss. Ursprünglich sollte dort ein Grüngürtel weitergeführt werden, der vom Pfefferkuchen-Spielplatz bis an die Brache heranreicht. Er war nach dem Abriss der früheren Segeltuchfabrik und Teilen der Textilfabrik E. W. Müller, zu DDR-Zeiten VEB Herrenmode, entstanden.

Stadt rechnet mit Baustart im nächsten Jahr

Ganz verabschieden will sich die Stadt zwar nicht von der Idee. Die Einstellung zu dem Thema habe sich aber geändert. So stelle sich die Frage, wann Pulsnitz überhaupt finanziell in der Lage wäre, das Gelände zu revitalisieren. Deshalb habe man sich letztlich mit dem Netto-Projekt anfreunden können.

Außerdem habe es in diesem Gebiet mehrere planerischer Änderungen gegeben mit der Tendenz zum Wohnungsbau. Auf dem Gelände des früheren Energiewerkes sind Wohnungen geplant. Gegenüber auf dem Areal der früheren Metallwarenfabrik Heuer an der Siegesbergstraße ist bereits ein größerer Wohnungsbau in vollem Gange. Am Hempelberg nahe des Stadions hat die Stadt weitere Wohnbauflächen ausgewiesen. Ein paar Gründe mehr, die für den Markt-Neubau sprechen, um die wohnungsnahe Versorgung sicherzustellen.

Ein Kompromiss mit Netto sieht nun vor, dass zumindest entlang der Straße ein deutlich erkennbarer Grünstreifen angelegt werden soll. Die Stadt rechnet mit einem Baustart im kommenden Jahr.

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