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"Einmal noch ein Kamenzer Pils brauen"

Viele Jahre war Eckhard Göbel Braumeister in Kamenz. Doch der letzte Sud ist fast 25 Jahre her. Aber nun soll es nochmal einen geben - aus besonderem Anlass.

Eckhard Göbel (r.) war jahrzehntelang als Braumeister in der Kamenzer Brauerei tätig. Zusammen mit Bier-Fan Axel Schneider will er zur 800-Jahrfeier der Stadt  2025 noch einmal ein Kamenzer Pils brauen.
Eckhard Göbel (r.) war jahrzehntelang als Braumeister in der Kamenzer Brauerei tätig. Zusammen mit Bier-Fan Axel Schneider will er zur 800-Jahrfeier der Stadt 2025 noch einmal ein Kamenzer Pils brauen. © René Plaul

Kamenz. Ein echtes Kamenzer Pils im Glas - das wünscht sich sicherlich so mancher Nostalgiker und Feinschmecker. Doch die Kamenzer Brauerei gibt es seit Jahren nicht mehr. 1996 lief der letzte Sud durch die Kessel. Und elf Jahre später wurde das leerstehende Gebäude abgerissen. Geblieben sind nur Erinnerungen.

In ein paar Jahren könnte das mit dem Kamenzer Pils trotzdem klappen. Braumeister-Urgestein Eckhard Göbel hat die Zusammensetzung der Rezeptur noch im Kopf und das letzte Sud-Protokoll im Hefter zu Hause. "Das ist vom 22. August 1996", erzählt er. Danach wurde die Sachsenquell-Brauerei abgewickelt.

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Der Braumeister arbeitete damals viel im Außendienst, doch bis zum letzten Tag hielt er seiner Brauerei die Treue. Wer in Kamenz von ihr spricht, hat sogleich auch "Ecki" Göbel im Hinterkopf. Kaum jemand anderes ist damit so verwoben, kaum einer hat so viele Erinnerungen daran.

Erste Verkostung vielleicht im Jahr 2024

Zum 800. Stadtjubiläum von Kamenz 2025 soll es deshalb etwas mit der Neuauflage des Kamenzer Pils' werden. Oder schon ein Jahr vorher, wenn der Jubiläums-Countdown startet. Dafür hat Eckhard Göbel den Bier-Fan Axel Schneider zur Seite. Der 46-Jährige mischte bereits bei Sondereditionen wie dem Kamenzer Würstchenbier oder dem Pfefferkuchenbier mit, bislang in Zusammenarbeit mit der Bautzener Braumanufaktur Frenzel-Bräu. Eckhard Göbel hingegen kennt er erst seit ein paar Monaten.

"Wir sind uns zufällig letzten Herbst in der Stadt begegnet. Ich kannte ihn nur vom Sehen und habe ihn einfach angesprochen. Aus den ursprünglich drei Minuten wurde eine halbe Stunde Fachsimpelei", erzählt Axel Schneider.

70. Geburtstag war eigentlich anders geplant

Dem Kamenzer schwebte schon länger vor, zum Stadtjubiläum etwas Besonderes abzuliefern. "Wenn man dann an so eine Koryphäe herankommt, ist das die halbe Miete", sagt er begeistert. Schnell hatte man sich auf ein Remake des Kamenzer Pilsners geeinigt. "Die Rezeptur auf Papier zu besitzen, ist das Eine. Aber jemanden zu finden, der alles mit Herz und Erfahrung praktisch umsetzt - das ist großes Kino", sagt Axel Schneider.

Und Eckhard Göbel ist so einer: Bereits mit 14 Jahren hatte er seinen ersten Praktikumstag in der Kamenzer Brauerei. Später erlernte er den Beruf des Brauers von der Pike auf. Noch heute denkt der mittlerweile überregional bekannte Braumeister gern daran zurück. Und an seine 31 Jahre Berufsleben in Kamenz. Es schlossen sich 17 Jahre in Lieske an. Auch dort war Göbel bekannt wie ein bunter Hund und bildete mehrere ausländische Brauer aus.

Nun ist er seit fünf Jahren in Rente. Am 25. Februar feiert er seinen 70. Geburtstag. "Es sollte ein rauschendes Fest werden auf dem Hutberg, aber Corona hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt er ein bisschen traurig. Ehemalige Braumeisterkollegen wollten auch kommen, um in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Doch nun fällt die Feier aus.

Viele Andenken im privaten "Braustübel"

Doch die Kamenzer Brauerei trägt der Braumeister immer im Herzen. Und in Göbels Regalen im privaten Braustübel daheim stehen sie noch: Kabra, das bierähnliche Getränk, Bockbier für 72 DDR-Pfennige, Deutsches Pils für 62, Vollbier sogar nur für 48! Münchner Vollbier, der 750-Jahr-Jubiläumstrunk, Doppel-Bock, Einfach-Bier und Weizen-Einfach. Sorten, an die sich nicht mehr jeder erinnern kann.

Dann wurden in Kamenz auch noch die Sportgeist-Limo, Vita- und Clubcola hergestellt. Auch der unter der Belegschaft beliebte Haustrunk durfte nicht fehlen. "Die Leute dachten zwar immer, dass wir uns selber etwas Besseres brauten, aber das wäre gar nicht gegangen", sagt Göbel. Zwei Liter pro Tag und Mitarbeiter gab es damals. Das waren in etwa sechs kleine Bierflaschen.

Bereits zur 775-Jahrfeier ein Festbier gebraut

Mit dem Kamenzer-Bier-Revival würde sich der 70-Jährige einen Wunsch erfüllen. "Einmal noch ein Kamenzer Pils brauen - das wär's", sagt er. Noch steckt die Idee in den Kinderschuhen. Der Liesker Braumeister sei schon gefragt worden, denn irgendwo muss das Kamenzer Pils ja gebraut werden. Wenn möglich mit regionalen Produkten wie Hopfen aus Kriepitz.

Auch bei der Stadt wisse man Bescheid, Projektunterstützung und Marketing müssten schließlich passen. "Uns schweben keine riesigen Mengen vor und ausschließlich Fassware, die zum Festwochenende verkauft wird", erklärt Axel Schneider. Als erster Testlauf vielleicht zehn Hektoliter? Die Verkostung könnte schon zum Countdown-Start 2024 laufen.

Übrigens: Bereits zur 775-Jahrfeier von Kamenz im Jahr 2000 braute Eckard Göbel ein Festbier nach alter Rezeptur. Die 7.000 Liter waren schnell weg. "Ich habe schon die 750- und 775-Jahrfeier miterlebt. Die 800 will ich nun auch noch aktiv angehen", sagt er lachend. "Ich muss nur fit bleiben." Sein großer Garten, gesunde Ernährung, Fahrrad- und Wandertouren mit seiner Frau Rosi sorgen für die nötige Fitness.

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