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In Bretnig gibt's besonderes Eis

Neustart statt Rente: Fast 40 Jahre war Familie Eisold in der Großröhrsdorfer Milchbar tätig. Jetzt betreibt sie eine Eismanufaktur; und verwöhnt auch Hunde.

Uwe Eisold hat mit seiner Frau Angela nach Jahren in der Großröhrsdorfer Milchbar mit einer Eismanufaktur in Bretnig noch mal den Neustart gewagt.
Uwe Eisold hat mit seiner Frau Angela nach Jahren in der Großröhrsdorfer Milchbar mit einer Eismanufaktur in Bretnig noch mal den Neustart gewagt. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Hund Balu hat gerade ein bisschen Zahnweh und bekommt an dem Tag kein Eis. Spezielles Hundeeis natürlich. Der kleine Mischling habe ihn auf die Kreation gebracht, verrät Uwe Eisold aus Großröhrsdorf. Der „Eis“ nicht umsonst im Namen trägt.

Speiseeis habe ihn schon immer begeistert. Als Kind sowieso. Aber schon in der Jugend bei der Ferienarbeit wurde die Bindung enger. Die frühere Gebäckfabrik Freudenberg in Großröhrsdorf habe in der DDR bekanntes und beliebtes Stangeneis hergestellt, berichtet er. Damals habe er das Speiseeis selbst mit zubereiten dürfen.

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Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

So habe er nicht nur zum Bäckerberuf gefunden, sondern auch immer wieder mit der Eisherstellung zu tun gehabt. Jetzt starteten der Bäcker- und Konditormeister mit 63 Jahren und seine Frau Angela kurz vor der Rente mit einer kleinen Eismanufaktur in Bretnig an der Bischofswerdaer Straße noch einmal durch.

Dazwischen gab es einige Stationen, wirtschaftliche Hochs und Tiefs. In Wendezeiten habe er mit dem Vater das Eiscafé Eisold in Bretnig am Klinkenplatz aufgebaut, das die Familie Anfang der 2000er-Jahre wieder verkaufte. Es ist nun als Eiscafé Kaufer mit Bäckerei und Konditorei bekannt.

14 Sorten Softeis sind im Angebot

Für Uwe Eisold und seine Frau Angela war aber seit 1980 immer die Milchbar an der Bischofswerdaer Straße in Großröhrsdorf nahe des Rathauses die berufliche Heimat – als Pächter der Räume. Dort, wo jetzt in Bretnig die Softeismaschinen stehen, stellte er damals die Konditoreiwaren für die Milchbar her. Eis gab es natürlich auch. Bis 2018, berichten die Eisolds. Damals zogen die beiden die Notbremse.

Bauliche Defizite seien ein Grund gewesen. Der Hausbesitzer habe nie etwas am Gebäude gemacht, so ihr Vorwurf. Ein Eigentümerwechsel sei auch noch dazu gekommen. Für die Rente sei es aber zu früh gewesen. Die Leidenschaft fürs Eis blieb, und die Idee mit der Eismanufaktur war geboren.

Softeis gibt es nicht nur frisch aus der Maschine, sondern auch gefrostet in Bechern. Rund 14 Sorten seien im Angebot von Waldmeister bis Brombeere-Joghurt, immer im Wechsel. Der Renner bleibe aber Schoko-Vanille, weiß Angela Eisold, die selbst am liebsten Vanille pur mag.

Fleischerei und Tierpark gehören zu den Kunden

Ein Hofladen in Rammenau sei der erste Kunde gewesen. Die Manufaktur beliefere Freibäder, auch das Großröhrsdorfer Masseneibad. Inzwischen habe sich die Manufaktur einen Kundenstamm aufgebaut, auch der Werks-Verkauf der Fleischerei Korch in Radeberg und der Tierpark in Bischofswerda gehören dazu.

Der Straßenverkauf sei eigentlich nicht geplant gewesen, sondern erst später hinzugekommen. Der laufe besser als sie es sich vorgestellt hatten, freut sich Angela Eisold und reicht ein Eistüte hinaus für Rosario, Stammkunde und Italiener. Er sagt: „Es schmeckt einfach“.

Manchmal reiche der kleine Gästegarten vor dem Haus gar nicht, erzählt Uwe Eisold. "Sehr sahnig", lobt eine junge Frau die süße Creme. Die kleine Clara mag besonders die Toppings und sucht sich Smarties aus. Ihr Papa, Zahnarzt Marcel Thiemig, meint, bei vorbildlicher Zahnpflege sei ein Eis am Tag kein Problem – aus zahnmedizinischer Sicht. Ein Diabetesarzt oder Ernährungsberater sehe es vielleicht anders.

Familienhund als Produkttester

Gute Maschinen seien eine Voraussetzung für gutes Eis, so Uwe Eisold. 200 Portionen in der Stunde schaffen die Eisoldschen. Ein hoher Milchanteil gehöre dazu und noch ein paar Kniffe, die geheim bleiben sollen.

Und jetzt heißt es eben auch manchmal nicht nur ein Eis auf die Hand, sondern auch: "Bitte noch eins für den Hund". Ab und zu auch für Familienhund Balu, der eine Vorliebe für Eis habe. Milcheis sei aber nicht gut für Hunde, weiß Eisold. Dafür gibt's jetzt die Spezialmischung. Balu musste die Kreation auch testen. Ein bisschen habe Uwe Eisold mit den Zutaten experimentiert bis Balu zufrieden war. Der Hund sei jetzt ganz versessen drauf.

Er werde jetzt 64 sagt Uwe Eisold, verspricht den Eisfreunden aber: „Wenn die Gesundheit mitspielt, will ich auf jeden Fall bis 70 weitermachen.“ Und weil immer die Frage kommt: Nein, mit dem Namensvetter Eisold in Radeberg mit seiner Bäckerladenkette in Dresden und Umgebung habe er nichts zu tun und sei auch nicht verwandt. Was beide Eisolds verbinde, sei rein zufällig der Beruf des Bäckers und Konditors. Ob die Leidenschaft für Eisspezialitäten ebenfalls gleich ist, bleibt offen.

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