merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Kritik an Personalwechsel in Kita

Die Stadt versetzt eine langjährige Erzieherin aus der Kita "Rasselbande" in eine andere Einrichtung. Das sorgt bei Eltern für Ärger - und viele Fragen.

Warum wird eine Erzieherin nach 33 Jahren an eine andere Einrichtung versetzt? Das fragen sich Eltern, deren Kinder in die Kita "Rasselbande" in Cunnersdorf bei Kamenz gehen.
Warum wird eine Erzieherin nach 33 Jahren an eine andere Einrichtung versetzt? Das fragen sich Eltern, deren Kinder in die Kita "Rasselbande" in Cunnersdorf bei Kamenz gehen. © dpa

Kamenz. Eltern, deren Kinder die Kita "Rasselbande" im Kamenzer Ortsteil Cunnersdorf besuchen, sind sauer. Eine beliebte Erzieherin wurde in eine andere Einrichtung versetzt. Vor allem ärgert die Eltern, dass sie erst so kurzfristig darüber informiert wurden - und offenbar nicht nur sie. Am vergangenen Freitag war Ina Schäfers letzter Arbeitstag in der "Rasselbande". Erst fünf Tage vorher habe sie davon erfahren, dass sie künftig woanders arbeiten muss.

Sie sei nach Jahrzehnten aus ihrem Arbeitsumfeld gerissen worden, sagt Lisa Berndt. Sie gehört zu den Eltern, die das kritisieren. "So empfinden wir es, wenn man einen Menschen so behandelt. Frau Schäfer war hier 33 Jahre tätig, und niemand versteht die Entscheidung, auch nicht sie selbst", so Lisa Berndt weiter. "Wir Eltern waren geschockt und viele der Kinder sind unglücklich."

Anzeige
Wer wird Tier des Monats Mai?
Wer wird Tier des Monats Mai?

Drei Zoo-Bewohner stehen zur Wahl. Wer die meisten Stimmen erhält, wird hier im Mai ausführlich in einem Beitrag vorgestellt.

Eltern starteten Unterschriftenaktion

Am 1. März hatte die Stadtverwaltung Kamenz ihre Entscheidung mitgeteilt. Sie ist seit der Eingemeindung der ehemals eigenständigen Gemeinde Schönteichen Träger der Kita "Rasselbande".

Lisa Berndt und ihre Mitstreiter sind traurig und wütend. Gemeinsam mit anderen Eltern hat die junge Frau in der letzten Woche versucht, Ina Schäfer Rückhalt zu geben - obwohl sie nicht darum gebeten hatte. Aber sie freut sich über so viel Solidarität. Lisa Berndt schrieb an das Landratsamt und diskutierte zusammen mit einer anderen Mutter persönlich mit Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) - und wandte sich schlussendlich auch an die Öffentlichkeit.

Werden ältere Erzieherinnen aussortiert?

"Wir kritisieren vor allem, dass sowohl die Erzieherin wie auch wir bis zum Schluss so im Unklaren gelassen wurden seitens der Stadtverwaltung. Außerdem fällt es auf, dass momentan permanent ältere Erzieherinnen aussortiert werden. Sollte es aber nicht im Sinne unserer Kinder besser einen gesunden Mix aus Erfahrung und Neuem geben?", fragt Maik Stäglich, einer der Väter aus der Runde der betroffenen Eltern. "Frau Schäfer war eine Person, die die Kinder mit liebevoller Strenge betreute. Und das brauchen sie auch - Regeln und Respekt", findet er.

Stadtverwaltung gibt keine Auskunft in Personalfragen

Auf Nachfrage bei der Stadt Kamenz ist nichts zu den Hintergründen der Versetzung zu erfahren. "Die Stadt ist Trägerin von zehn Kindertageseinrichtungen mit 110 Beschäftigten und 869 betreuten Kindern. Um an unserem Ziel festzuhalten, die bestmögliche Betreuung für unsere Kinder sicherzustellen, unternehmen sowohl die Einrichtungen als auch die Verwaltung alle notwendigen Schritte. Wir bitten aber um Verständnis, dass wir uns zu einzelnen Personalfragen nicht äußern", teilt die Leiterin des Dezernates für Stadtentwicklung und Soziales, Katrin Andrews, mit.

Auch das persönliche Gespräch der Eltern mit dem Oberbürgermeister änderte nichts: Ina Schäfer muss die Stelle wechseln.

Bezugsperson fehlt in schwierigen Zeiten

Zurück bleiben verwirrte Eltern. "Wir sind zwölf Jahre in der Kita, und unsere Kinder haben Frau Schäfer geliebt. Sie hat schon die Eingewöhnung bei den Großen gemacht, sie die Krippenzeit liebe- und humorvoll begleitet und später im Hort betreut", sagt Anne Schönach. "Unser großer Sohn kam letzte Woche aufgelöst nach Hause, als er erfuhr, dass sie gehen muss", erzählt sie. Nun möchte er gar nicht mehr in den Hort.

Die Eltern ärgern sich über die Personalpolitik der Stadt Kamenz: Sie sind traurig, dass eine langjährige Erzieherin kurzfristig gehen musste.
Die Eltern ärgern sich über die Personalpolitik der Stadt Kamenz: Sie sind traurig, dass eine langjährige Erzieherin kurzfristig gehen musste. © Privat: Berndt

Das Schlimmste für die Eltern scheint aber, dass sie keine Antworten auf die Frage nach dem Warum bekommen. "Wir finden es schlimm, dass die Stadt solche Entscheidungen trifft, ohne uns Eltern anzuhören", sagt Anne Schönach. "Stattdessen wird den Kindern in einer ohnehin schwierigen Zeit eine liebgewonnene Bezugsperson weggenommen!"

Eltern fordern mehr Mitspracherecht

Nach der Zeit des Lockdowns, in der viele Kinder die Kita nicht besuchen konnten und ihre Erzieherinnen schmerzlich vermisst haben, müsse plötzlich eine Vertrauensperson den Kindergarten verlassen. "Wir verstehen das nicht", sagt Lisa Berndt.

Dass es hin und wieder Kritik an etwas gibt, bleibe wohl in der besten Einrichtung nicht aus. Im Vorfeld hatte es eine allgemeine Eltern-Brief-Befragung gegeben, die aber laut Stadtverwaltung keine Grundlage für diese Personalentscheidung gewesen sei.

"Nach der Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer durch unsere Elternchats verbreitete, gab es viele, die an die Stadt geschrieben oder dort angerufen haben", berichtet Lisa Berndt. Doch all das habe nicht verhindern können, dass Ina Schäfer nun in einer anderen Einrichtung arbeiten muss.

"Die Stadt sollte dringend ihre Personalpolitik überdenken", findet Lisa Berndt. Und: "Wir wünschen unserer Erzieherin alles Gute auf dem weiteren Weg!"


Weiterführende Artikel

Deshalb sollen Kita-Plätze in Kamenz bald mehr kosten

Deshalb sollen Kita-Plätze in Kamenz bald mehr kosten

 Auf die Eltern kommen zum Teil erhebliche Steigerungen zu. Manche sind mehr betroffen als andere.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz