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Mit dem Lockdown kamen die Diebe

Einer Kamenzer Schmuckhändlerin ist die Freude aufs Fest gründlich vergangen: erst die Schließung ihres Ladens, dann auch noch ein dreister Einbruch in ihr Haus.

Carola Scholze ist empört und traurig zugleich: Einbrecher versuchten, in ihr Schmuckgeschäft in Kamenz zu gelangen. Als das scheiterte, drangen sie ins Wohnhaus ein und räumten dort Keller und Flur aus.
Carola Scholze ist empört und traurig zugleich: Einbrecher versuchten, in ihr Schmuckgeschäft in Kamenz zu gelangen. Als das scheiterte, drangen sie ins Wohnhaus ein und räumten dort Keller und Flur aus. © Matthias Schumann

Kamenz. Dienstag vor einer Woche. Überall verkünden die Medien gerade, dass Sachsen in den harten Lockdown gehen wird. Nur kurze Zeit später stehen auch bei Schmuckhändlerin Carola Scholze aus Kamenz viele Kunden im Geschäft an der Rosa-Luxemburg-Straße. Sie wollen sich schnell noch Weihnachtsgeschenke sichern. "Ich hatte an dem Nachmittag alle Hände voll zu tun. Und kam erst spät aus dem Geschäft raus", erinnert sie sich. "Da ich ja wusste, dass ich nur noch ein paar Tage offen haben würde, musste ich neue Schleifen und Verpackungen vorfertigen", sagt sie. Das wollte sie wenig später in der gemütlichen Stube beim Fernsehengucken nebenbei erledigen.

Doch daraus wurde nichts. Wie der Abend stattdessen ablief, hat sich der 59-Jährigen ins Hirn gebrannt. Immer wieder musste sie das in den letzten Tagen bis ins Detail rekonstruieren. Für die Polizei, die Ermittlungen anstellte. Und für sich selbst, um zu schauen, ob sie nicht irgend etwas übersehen hat.

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Eine dunkle Gestalt an der Ladentür

Die Kamenzerin und ihre Familie wurden in der besagten Nacht bestohlen. Das heißt - nicht mitten in der Nacht. Sondern ganz dreist zwischen 21 und 22 Uhr. Während draußen noch der ein oder andere mit dem Hund spazieren ging. Während die Stadt noch nicht schlief. "Wenn ich daran denke, dass die Einbrecher seelenruhig in unserem Keller, Hausflur und Hof herumgelaufen sind und die Diebesware sogar auf ein Auto geladen haben, wird mir ganz schlecht", sagt Carola Scholze.

Sie und ihr Mann schauten zu dieser Zeit in der Wohnstube im Parterre einen Film, bastelten besagte Schleifen und Geschenkverpackungen. Anschließend wollte Carola Scholze nur noch eines: ins Bett. Ihr Mann Marco hingegen musste sein Hybrid-Auto an der E-Tankstelle auf dem Marktplatz abstecken gehen. Als er losging, fiel ihm auf, dass die Haustür nur angelehnt war und die Kellertür einen Spalt aufstand. "Aber er hat sich nur gewundert, nicht geahnt, was noch folgen sollte", sagt Carola Scholze.

Auf dem Weg zurück sah er am Schaufenster des Schmuck- und Uhrengeschäftes seiner Frau eine dunkle Gestalt. Der Laden befindet sich mit im Wohnhaus, allerdings an der anderen Seite des Eckhauses. Der dunkel gekleidete Mann habe auf die Frage, was er da treibt an der Ladentür, in gebrochenem Deutsch geantwortet: "Ich musste pinkeln!" Und sich seelenruhig von dannen getrollt.

Weihnachtsgeschenke und E-Bikes geklaut

Rückblickend wissen Scholzes, dass da Einbrecher am Werk gewesen sind, die das schon öfter gemacht haben müssen. Sie gingen mit einer Coolness vor, die Carola Scholze immer noch Gänsehaut bereitet. "Mein Mann schaute nach, wo der Schmutzfink angeblich hingemacht hatte, und beim Leuchten mit der Taschenlampe sah er, dass er sich keineswegs erleichtern wollte, sondern sich an der Tür zu schaffen gemacht hatte", sagt die Geschäftsfrau.

Der oder die Diebe wollten also ins Schmuckgeschäft einbrechen. Sie müssen auch versucht haben, durch die Hauseingangstür über den Hof dorthin zu gelangen. Doch da sie nicht unbemerkt über den beleuchteten Hof konnten, während Scholzes vor dem Fernseher saßen, nahmen sie halt mit, was im Flur und Keller zu finden war. Und das war einiges. "Mein Sohn und seine Freundin hatten sich vor Kurzem zwei nagelneue E-Bikes gekauft. Die haben sie weggeschleppt", berichtet Carola Scholze. Dazu diverse Dekosachen und Geschenke für Weihnachten, die noch verpackt im Keller standen. Darunter zwei Schlitten für die Enkelkinder. Das Diebesgut hat einen Wert von insgesamt einigen Tausend Euro.

Auch Dinge von ideellem Wert sind weg

Seit 24 Jahren wohnt die Familie in dem alten Stadthaus, hat daraus ein ganz besonderes Refugium gemacht. Zu Einkaufsnächten öffnen sie regelmäßig ihr Haus und den romantischen Hof für die Öffentlichkeit. "Wir sind sehr offene Menschen, haben uns bisher keine Gedanken gemacht. Dieses Urvertrauen ist jetzt irgendwie weg", sagt Carola Scholze leise.

Was sie am meisten schmerzt: Auch solche ideellen Dinge wie die gerahmte Urkunde für den "Schönsten Innenhof der Stadt Kamenz" nahmen die Diebe mit. Da war eine kleine Medaille dabei. "Keinen Respekt vor irgendwas haben solche Menschen", sagt die 59-Jährige enttäuscht. Nach und nach fallen immer mehr Sachen auf, die fehlen. "Ich habe noch gar keine richtige Übersicht. Erst der Lockdown, dann das - für mich hat sich der Rest des Jahres erledigt, ich will nichts mehr hören und sehen", sagt die sonst so taffe Geschäftsfrau.

Ein Fall von Beschaffungskriminalität?

Bereits einen Tag vorher hatten Unbekannte versucht, in das Schmuckgeschäft von Krimhild Barthel ein paar Häuser weiter einzubrechen. Und in der selben Nacht, als bei Familie Scholze alles drunter und drüber ging, machte sich dort jemand ebenfalls an der Hauseingangstür zu schaffen.

"Die Polizei sprach davon, dass es sich mit großer Sicherheit um Beschaffungskriminalität handelt", sagt Carola Scholze. Kleine Fische, die Drogen brauchen, würden für größere Auftraggeber alles klauen, was von Wert ist. Ein Trost ist das für sie nicht. "Es macht eher Angst, was hier so los ist", sagt sie.

"Update: der Text wurden am 18.Dezember, um 12.30 Uhr korrigiert. In der ursprünglichen Fassung hieß es: Bereits einen Tag vorher hatten Unbekannte versucht, in das Schmuckgeschäft von Viola Barthel ein paar Häuser weiter einzubrechen.

Richtig ist: Bereits einen Tag vorher hatten Unbekannte versucht, in das Schmuckgeschäft von Krimhild Barthel ein paar Häuser weiter einzubrechen."

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