merken
PLUS Kamenz

Kompromiss im Streit um Schulbegleiter

Wegen geschlossener Schulen hatte der Kreis Bautzen behinderten Kindern Unterstützung beim Lernen gestrichen. Nun gibt es Hoffnung für Betroffene.

Ulrike Pohl ist Schulsozialarbeiterin am Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium in Kamenz. In der Allianz für Schulbegleitung setzt sie sich für die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen beim Lernen ein.
Ulrike Pohl ist Schulsozialarbeiterin am Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium in Kamenz. In der Allianz für Schulbegleitung setzt sie sich für die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen beim Lernen ein. © René Plaul

Kamenz. Wenn in Krisenzeiten gerade bei Menschen mit Behinderung gespart wird, schrillen die Alarmglocken. So war das auch, als der Landkreis Bautzen Geld für die Schulbegleitung strich. Die Wellen schlugen hoch - bis zum Sozialministerium und zum sächsischen Beauftragen für Menschen mit Behinderungen, Stephan Pöhler. Inzwischen gab es ein Gespräch im Streit um die Hilfe.

Dabei geht es um Kinder und Jugendliche mit schwerem körperlichem Handicap ebenso wie mit seelischen Problemen. Der Fachmann spricht von sonderpädagogischem Förderbedarf. Schulbegleiter stehen den jungen Menschen zur Seite und ermöglichen ihnen, an einer ganz normalen Schule zu lernen.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Mit der Corona-bedingten Schulschließung legte der Landkreis die Gelder für diese Familienhilfe auf Eis. Es geht um immerhin 400.000 Euro im Jahr.

Die Allianz für Schulbegleitung, die sich aufgrund der Probleme gebildet hat und aus Eltern, Vertretern von Vereinen der Jugendhilfe, Pädagogen, Schulbegleitern, Ergotherapeuten wie dem Kamenzer Michael Schiewack besteht, läuft Sturm dagegen. Die Begleitung beim Lernen sei in der Schule ebenso wichtig wie beim Online-Unterricht am Computer.

Landkreis räumt Fehler in Kommunikation ein

Es werde bei den Schwächsten gekürzt, wie es Ulrike Pohl formulierte, die sich als Schulsozialarbeiterin am Kamenzer Lessinggymnasium für Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen beim Lernen einsetzt. Auch der sächsische Beauftragte Pöhler hofft „auf ein schnelles Umdenken beim Landkreis" .

Nach einem Gespräch zwischen der Allianz und dem Landkreis schätzt Letzterer selbstkritisch ein: Vielleicht hätte eine bessere „Kommunikation der Möglichkeit zur Einzelfallprüfung manche Irritation vermeiden können“. Die Behörde bleibt aber dabei, dass ihr keine pauschale Fortsetzung der Hilfen möglich sei. Denn in den meisten Fällen habe die Schulbegleitung den tatsächlichen Besuch der Schule zur Bedingung.

Genau das steht aber in der Kritik. So heißt es aus den sächsischen Ministerien für Kultus und Soziales: Es spreche einiges dafür, die Schulbegleitung und damit letztlich eine gleichberechtigte Teilhabe an der Bildung, nicht an den Ort des Unterrichts zu knüpfen. Eben das fordern auch die Eltern. Denn die häusliche Lernzeit stehe ja an Stelle des Präsenzunterrichtes, so die Auffassung.

Man habe aber keine pauschale Streichung der Hilfen vorgenommen, lässt der Landkreis unterdessen wissen und erklärt: Im Kreis gebe es 57 Familien, deren Kinder eine Schulbegleitung erhalten. Zwölf Eltern hätten inzwischen einen Antrag auf Unterstützung ihrer Kinder auch in der aktuellen Situation gestellt. Jeder Fall wurde geprüft. In sieben Fällen wurden die Hilfen weitergeführt. In drei Fällen sei eine andere Hilfeform gewählt worden, zwei Fälle befinden sich noch in der Prüfung.

Alle Fälle werden ohne Antrag geprüft

Ulrike Pohl spricht von einem Teilerfolg des Gesprächs. So würden jetzt noch einmal alle Fälle durch den Landkreis geprüft. Dazu sei jetzt auch kein neuerlicher Antrag notwendig, so Pohl. Positiv sei auch, dass die große Bedeutung der Schulbegleitung für die Familien anerkannt wurde.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. So habe die Kreisbehörde auch Vorschläge unterbreitet, die so nicht zu akzeptieren seien. Zum Beispiel für bestimmte Aufgaben lieber Pflegeleistungen zu beantragen. Teilhabe an Bildung habe aber nichts mit Pflege zu tun. Der Kreis versuche finanzielle Leistungen auf andere Kostenträger zu verschieben, so Ulrike Pohl.

Der Kamenzer Ergotherapeut Michael Schiewack hatte sich ebenfalls für die Ansprüche der Eltern engagiert. Auch er sieht Teilerfolge, schätzt aber ein, dass es nach wie vor unterschiedliche Rechtsauffassungen gebe. So würden die Ansprüche eben nicht automatisch auf den Heimunterricht übertragen. Aber die Allianz für Schulbegleitung bleibe zusammen. Und was nicht ist, könne ja noch werden.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz