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Kamenzer Kitas in der Kritik

Beim SZ-Familienkompass kommt die Kinderbetreuung in der Stadt schlecht weg. Das sagen der OB und Stadträte dazu.

In der Kamenzer Kita Sonnenschein läuft das Projekt "Uroma gesucht", das Kerstin Queißer leitet. Das soll Generationen miteinander verbinden und entlastend wirken bei Personalknappheit, die im SZ-Familienkompass von einigen Eltern kritisiert wird.
In der Kamenzer Kita Sonnenschein läuft das Projekt "Uroma gesucht", das Kerstin Queißer leitet. Das soll Generationen miteinander verbinden und entlastend wirken bei Personalknappheit, die im SZ-Familienkompass von einigen Eltern kritisiert wird. © Matthias Schumann

Kamenz. Viele Eltern bewerten die Kinderbetreuung in Kamenz kritisch. Das ergab der SZ-Familienkompass, die größte Umfrage zur Familienfreundlichkeit in Sachsen. Über die Situation bei den Kindertagesstätten in der Stadt hatte Sächsische.de kürzlich mit dem Kamenzer Kinderschutzbund gesprochen. Dabei wurden auch Kritikpunkte von Eltern thematisiert, die sie Famlienkompass aufgeworfen hatten. Jetzt äußern sich Oberbürgermeister Roland Dantz und einige Stadträte dazu.

Kritikpunkt 1: Hohe Kita-Beiträge

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In der Stadt Kamenz kostet die Kindergarten-Betreuung für neun Stunden 129 Euro. Damit liege die Stadt in der Region im Mittelfeld, so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Elstra zähle mit 117 Euro zu den günstigeren, Radeberg mit 138 Euro zu den teureren Städten. Kostenintensiv sei letztlich die feingliedrige Struktur mit vielen kleinen Kitas, dafür wohnungsnah.

Es gibt Bundesländer, die beitragsfreie Kitas anbieten. Doch wie finanzieren?, fragt Danz. Er sehe durchaus Geldreserven dafür beim Bund und frage sich, warum in Friedenszeiten eine Totalmodernisierung der Bundeswehr nötig sei, so der OB. Er kann sich auch eine Staffelung der Beiträge vorstellen, um Familien zu stützen, die es nötig haben, und Wohlhabende mehr zu fordern. In Sachsen sei das aber bisher nicht zulässig.

Für Stadtrat Maik Weise (CDU) ist der Elternwunsch nach günstigeren Beiträgen vollziehbar. Kommunalpolitiker müssten aber die Interessen der Kommune als Ganzes im Blick haben. Aus kommunaler Sicht sei kaum Spielraum. Den sieht die Linke um Stadtrat Alex Theile (Linke) schon und in den Ergebnissen der Umfrage insgesamt einen deutlichen Wink, für eine sozialere, gerechtere Familienpolitik zu sorgen. Eine Senkung der Kita-Beiträge, zumindest aber einer Stabilisierung sei seiner Meinung nach machbar. Die Kita-Gebühren seien von vielen Befragten negativ bewertet worden, damit bestehe Handlungsbedarf.

Kritikpunkt 2: Zu kurze Öffnungszeiten

Für Maik Weise von der CDU/FDP-Fraktion des Stadtrates ist die Kritik an den Kita-Öffnungszeiten in einzelnen Fällen berechtigt. Selbst in einer sehr kinderfreundlichen Kommune sei dabei jedoch die Wirtschaftlichkeit mit zu bedenken. Nur wenn es eine bestimmte Anzahl an Eltern gebe, die längere Öffnungszeiten brauchen, habe es Sinn, sie einzuführen. 

Oberbürgermeister Roland Dantz weiß natürlich um die Probleme Berufstätiger. Er sehe abends beim Einkauf die Frauen an der Kasse. Das Thema längerer Öffnungszeiten bis 18 Uhr oder 18.30 Uhr will er deshalb mit Kitaleiterinnen und Elternvertretern besprechen. Ein Kind gehöre dennoch zuallererst in die Obhut der Familie, stellt er klar. Manchmal helfe auch ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Oder man suche sich eine Kita am Arbeitsort, wenn die weite Anfahrt zum Job das Problem ist. Alex Theile von der Linken im Stadtrat plädiert dafür, die Situation zu prüfen und die Öffnungszeiten an den Bedarf der Eltern anzupassen.

Kritikpunkt 3: Zu schlechte Ausstattung

Auch bei der Ausstattung der Kitas solle die Elternkritik jetzt Anlass sein, den Stand zu analysieren, schlägt die Linke vor. Für Stadtrat Maik Weise ist die Kritik nicht nachvollziehbar. „Es werden immer wieder Summen investiert, auch wenn es der Kommune schwer fällt. Da müsste die Umfrage konkreter sein, um Schwachpunkte auszumachen“, sagt er.

Auch die Stadt kommt zu dem Ergebnis, dass die Kitas gut ausgestattet seien. Wo es notwendig ist, wird erneuert. Im kommenden Etat sind neue Stühle und Betten für den Kindergarten Biehla vorgesehen sowie fürs Kinderhaus Kunterbunt 3.000 Euro für Kleingeräte, Geschirr, Möbel und mehr. In Deutschbaselitz werde eine größere Modernisierung angestrebt. Alex Theile findet jedoch, dass mehr in die Kitas investiert werden müsse, um junge Familien anzulocken.  

Kritikpunkt 4: Zu wenig Personal

Für die Personalausstattung in den Kitas gibt es einen Schlüssel. Dennoch ist die Decke manchmal dünn, gerade bei Urlaub und Krankheit. Durch geförderte Projekte und damit zusätzlichem Personal lasse sich die Situation zumindest punktuell etwas abfedern, so OB Dantz. Dazu gehört das Projekt "Uroma gesucht" in der Kita Sonnenschein. Viele Kinder haben keine Großeltern mehr – aber der Kontakt zwischen den Generationen sei wichtig. Den stellt das Projekt her.

An der Kita Kunterbunt zum Beispiel gibt es ein Projekt zur Sprachförderung. Doch diese Projekte seien zeitlich begrenzt. Die Stadt prüft jetzt, wie sie weitergeführt und neue aufgelegt werden können.

Kritikpunkt 5: Zu wenig Engagement und Elternbeteiligung

Auch am Engagement der Kita-Mitarbeiter gibt es Kritik. Das sei für Stadträte schwer einschätzbar, so Maik Weise. Konkrete Probleme kenne er nicht. Bei seiner früheren Tätigkeit als Bürgermeister von Schönteichen habe er stets sehr engagierte und kinderliebe Erzieherinnen erlebt. Es habe aber auch Kritikpunkte gegeben.

OB Roland Dantz sieht es ähnlich. Das Verhältnis zu den Eltern und umgekehrt sei nicht immer einfach. Es gebe auch ein gewisses Anspruchsdenken, dass Lösungen manchmal erschwere. Im öffentlichen Dienst müsse er manchmal an die Bereitschaft zu dienen erinnern. Es sei die Aufgabe des Rathauschefs, mit der zuständigen Dezernentin Probleme zu klären. Die Eltern sollten Vertrauen haben und sich an ihn wenden, so Dantz.

Ein Teil der befragten Eltern fühlt sich zudem ungenügend über die Kita-Geschehnisse informiert und mit seinen Anregungen zu wenig einbezogen. Stadtrat Theile sieht vor allem die Stadt in der Pflicht, dem Mitwirkungsrecht Raum zu geben – zumindest in kommunalen Kitas. Maik Weise findet, dass bei der Elternbeteiligung  noch Luft nach oben ist. Die Kritik sollte jedoch konkret geäußert werden gegenüber der Verwaltung, den gewählten Elternvertretern, „gern auch uns Stadträten gegenüber“. 

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