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Kamenz: Das tut sich auf dem Flugplatz

Im vorigen Jahr war Start für ein Kompetenzzentrum zum autonomen Fliegen. So sehen jetzt die nächsten Schritte aus.

Thomas Ernstberger will auf dem Flugplatz in Kamenz das autonome und elektrische Fliegen voranbringen. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens AEF, das im Sommer in den Tower ziehen will.
Thomas Ernstberger will auf dem Flugplatz in Kamenz das autonome und elektrische Fliegen voranbringen. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens AEF, das im Sommer in den Tower ziehen will. © Matthias Schumann

Kamenz. Aus der Glaskanzel oben auf dem Tower haben die Flugleiter beste Sicht auf das Rollfeld des Kamenzer Verkehrslandeplatzes. Die Etagen im Hauptgebäude darunter sind allerdings leer. Das soll sich ändern. Thomas Ernstberger blickt hinauf zum zweiten Stockwerk. Dort wird sein Unternehmen bald einziehen. Ernstberger ist Geschäftsführer der Gesellschaft AEF.

In der dreht sich alles ums Fliegen. Dafür steht das F. Aber nicht nur Fliegen allgemein, sondern autonom, also unbemannt, und elektrisch, wofür die Buchstaben A und E stehen. Die Nutzung von Wasserstoff ist ebenfalls im Gespräch. Es geht dabei um die Drohnen-Technik in all ihren Facetten, die in Kamenz einen Entwicklungsschub bekommen soll.

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Die AEF knüpft dafür momentan ein Netzwerk aus Firmen, Universitäten und Hochschulen, um die geballte Kompetenz in Kamenz zu bündeln. Hierher sei er nicht umsonst gekommen, so Ernstberger. Mit dem Flugplatz und den bereits ansässigen Firmen aus dem Flugsektor sei eine gute Basis vorhanden.

Wieder eine Gaststätte im Erdgeschoss geplant

Derzeit würden noch die Vertragsverhandlungen zu den Räumen im Tower laufen. Dann sollen die Handwerker alles bis zum Sommer herrichten, damit die neue Firma als Schaltzentrale für das Kompetenzzentrum einziehen kann.

An der Tower-Fassade steht noch die Werbung für „Die 2 vom Tower“. Doch die Gaststätte ist schon längere Zeit Geschichte. Es soll aber künftig wieder Gastronomie ins Erdgeschoss einziehen. Dafür gebe es bereits einen Interessenten aus dem Netzwerk heraus, erklärt Ernstberger. Mehr könne er derzeit noch nicht verraten, zumal die Konzession für die Gasträume neu beantragt werden müsse. So habe sich über die Jahre zum Beispiel hygienetechnisch viel verändert, das zu beachten sei.

Geplant sei eine Kombination von Gast- und Seminarräumen - hochmodern ausgestattet, so Thomas Ernstberger. Dort sollen dann künftig auch Drohnen-Piloten ausgebildet werden. Gerade im gewerblichen Bereich, um den es hier geht, darf nicht jeder einfach so an die Steuerknüppel.

Die Räume seien zugleich für die studentische Ausbildung der beteiligten Hochschulen vorgesehen. Firmen könnten sie für Beratungen nutzen. In der ersten Etage sollen sich Neugründungen, sogenannte Startups, ansiedeln können - im Innovations- oder Ideen-Tower.

Erste Startups schon in den Startlöchern

Zwei sind schon in den Startlöchern, beides "Kinder" der TU Dresden mit dem Thema Fliegen, berichtet Ernstberger. Die Firma Meshmerize beschäftigt sich mit der Datenübertragung, also dem Draht zwischen der Drohne in der Luft und der Erde. Das Startup Campus-Genius baut transportable Sendestationen in Koffergröße für den Drohnen-Einsatz.

AEF will Startups fördern, interessierte Firmen auf den Flugplatz holen. Der Name Silicon Valley fällt im Gespräch. Vielleicht ist der Vergleich eine Nummer zu groß, aber auch dort ging es einst klein los.

Was sich am Tower tut, steht in engem Zusammenspiel mit dem Bau eines neuen Hangars und dem Testfeld für Drohnen-Flüge, auch als Reallabor bezeichnet. Im April/Mai rechnet das Kompetenzzentrum jetzt mit dem Spatenstich für den Hangar. Im Sommer soll die Halle einsatzbereit sein für die ersten Projekte. Es entstehen Büros, Werkstatträume und Abstellmöglichkeiten für Flugtechnik, nachdem sich jahrelang kaum etwas auf dem Areal entwickelt habe, sagt der AEF-Chef .

Forschung und Lehre sollen sich verbinden, Studenten an ihren Projekten arbeiten und im „Reallabor“ testen. Dafür ist ein Flugplatzbereich reserviert, auf dem bis zu 25 Kilogramm schwere Drohnen getestet werden können, perspektivisch noch schwerere Brocken.

Fünf bis zehn Millionen Euro Investitionsbedarf

An acht Projekten sei AEF derzeit dran, berichtet Ernstberger. Anwendungsgebiete gebe es auch in der Land- und Forstwirtschaft und in der Überwachungsbranche. Aktuell sei einem Mitglied des Kompetenzzentrums der Durchbruch für eine eigene Software gelungen, die Drohnen von A nach B leitet und Güter eigenständig an einem bestimmten Punkt absetzt. Und gemeinsam mit der Sächsischen Luftfahrt Service GmbH (SLS) auf dem Flugplatzareal arbeite man zum Beispiel an Lacken, die für den Einsatz in der Luftfahrt geeignet sind.

Alexander Schlacht (l.), Geschäftsführer der Sächsischen Luftfahrt Service GmbH, und AEF-Chef Thomas Ernstberger in einer Lackierkabine. Hier wird klassisch von Hand mit der Sprühpistole gearbeitet. Das Kompetenzzentrum könnte künftig bei automatisierten
Alexander Schlacht (l.), Geschäftsführer der Sächsischen Luftfahrt Service GmbH, und AEF-Chef Thomas Ernstberger in einer Lackierkabine. Hier wird klassisch von Hand mit der Sprühpistole gearbeitet. Das Kompetenzzentrum könnte künftig bei automatisierten © Matthias Schumann

Prof. Hubertus Domschke ist mit der Brandenburgischen Technischen Universität Partner im Kamenzer Kompetenzzentrum. Seine Studenten haben das Flugplatzareal unterdessen untersucht. Der Investitionsbedarf für die kommenden Jahre liege bei fünf bis zehn Millionen Euro. Das beginne schon bei den ganzen Verkehrswegen im Flugplatzbereich, die 30 Jahre und älter sind. Die Versorgung mit Medien auf dem neusten technischen Stand sei ein weiterer Punkt.

Gemeinsam mit den Flugplatzgesellschafter wolle man zudem eine energetische Rundum-Sanierung des Towers anpeilen und die Fassade mit Fotovoltaik-Modulen gestalten. Es solle auch nicht bei dem einen neuen Hangar bleiben, sondern noch deutlich mehr entstehen.

Das Geld dafür sei im Grunde da, ist sich Geschäftsführer Ernstberger sicher. Es müsse nun gelingen, die entsprechenden Projekte zu entwickeln, um die Geldquellen zu erschließen. Der Tower und der Hangar seien dafür eine wichtige Basis.

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