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Kamenz investiert in den Flugplatz

Tests mit Drohnen, Entwicklung von Flugtaxis, Ansiedlung neuer Firmen: Auf dem Areal soll in den nächsten Jahren viel passieren. Das lässt sich die Stadt einiges kosten.

Für ein Drohnen-Testzentrum soll bereits im kommenden Jahr ein neuer Hangar auf dem Kamenzer Flugplatz gebaut werden.
Für ein Drohnen-Testzentrum soll bereits im kommenden Jahr ein neuer Hangar auf dem Kamenzer Flugplatz gebaut werden. © Matthias Schumann

Kamenz. Der Kamenzer Verkehrslandeplatz macht Schlagzeilen mit der Forschung zum autonomen elektrischen Fliegen - also ohne Piloten und fossilen Brennstoff. Ein Kompetenzzentrum dazu wurde gegründet, an dem sich auch die TU Dresden und das Fraunhofer-Institut beteiligen. Der historische Exerzierplatz soll eine Zukunft in der Luftfahrt haben. Die Stadt Kamenz will gemeinsam mit dem Landkreis als weiterem Gesellschafter die Voraussetzungen dafür schaffen.

Derzeit sind laut Stadt neun Unternehmen mit 60 Beschäftigten auf dem Flugplatz angesiedelt, vom Flugausbilder über den Flugzeugbauer bis zum Feuerwehrbedarf. Flugplatztypisches Gewerbe, aber nicht nur. 16.000 Starts und Landungen verzeichnet der Flugplatz etwa im Jahr. Das alles soll wachsen. Die Stadt sieht Entwicklungsperspektiven. Zwölf Verkehrslandeplätze gibt es in Sachsen. „Wir wollen die Stimme von Kamenz in dem Konzert stärken“, sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos).

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Stadt will 700.000 Euro investieren

Gerd-Peter Kuhn hat sich als Flugzeugbauer mit seinem Flugsportzentrum Bautzen bereits in Kamenz niedergelassen. Er sei nicht umsonst von Bautzen nach Kamenz umgezogen. Er sehe gerade an diesem Standort gute Chancen für sein Unternehmen und für andere. Er kenne die Probleme anderer Flugplätze in der näheren Umgebung. Es werde nicht möglich sein, alle optimal zu nutzen, denn es gebe zu viele. Kamenz habe aus seiner Sicht die beste Perspektive.

Die will die Stadt noch verbessern - und steht daher für Investoren bereit. Gerade für Flugplatz-spezifische Unternehmen würden die Flächen knapp, schätzt man im Kamenzer Rathaus ein. In Stufe eins geht es nun um etwa vier Hektar. Auf den Planunterlagen sind schon sechs Hangars eingezeichnet. Etwa 700.000 Euro, inklusive Fördermittel, plant die Stadt Kamenz für den ersten Erschließungsschritt ein. Der soll in den kommenden zwei/drei Jahren konkret werden. So sind Medien wie Strom, Wasser, Abwasser zu verlegen und Rollbahnen zu bauen.

Die Stadt Kamenz will auf dem Verkehrslandeplatz neue Flächen erschließen, damit sich Gewerbe aus dem Luftfahrtbereich ansiedeln kann.
Die Stadt Kamenz will auf dem Verkehrslandeplatz neue Flächen erschließen, damit sich Gewerbe aus dem Luftfahrtbereich ansiedeln kann. © René Plaul

Der Kamenzer OB ist davon überzeugt, dass die ganze Region davon partizipieren könne. Mit konkreten Informationen zu den Firmen ist die Stadt noch zurückhaltend. Flugzeugbauer und Flugschulen, die sich ansiedeln wollen, seien im Fokus. Es gebe Gespräche. Aber: „Die Verträge sind noch nicht geschlossen“, so Dantz. Vorher könnten keine Namen genannt werden.

Erst wenn Verträge unterschrieben sind, werde die Stadt auch die Investitionen vorantreiben. So sei das Risiko überschaubar. Ganz ohne gehe es nicht, aber wer nichts säe, der erntet nichts, sagt der OB. Letztlich gehe es um den Wirtschaftsstandort und um Jobs für Kamenz. Eine Mischung aus produzierendem Gewerbe und Forschung soll entstehen. „Wenn die ersten zwei Investoren da sind, wird es die nächsten anziehen“, hofft Dantz.

Hangar für Drohnen-Testzentrum wird gebaut

Eine große Option ist dabei das autonome Fliegen. Immerhin bekundete erst im September ein Unternehmen aus Hamburg sein Interesse an einer Niederlassung in Kamenz. Die Norddeutschen arbeiten auf dem Sektor der Flugtaxis. Die Firma AEF ist bereits dabei, in den Flugplatz-Tower einzuziehen, und koordiniert die Aktivitäten ums autonom-elektrische Fliegen.

Die Resonanz auf die Gründung des Kompetenzzentrums im September in Kamenz sei sehr ermutigend gewesen, sagt AEF-Geschäftsführer Thomas Ernstberger. Inzwischen hätten sich bereits vier Startup-Firmen aus dem Luftfahrtbereich angedockt. Im kommenden Jahr werde ein neuer Hangar für ein Testzentrum für Drohnen gebaut. Ernstberger rechnet mit weiteren Startups. „Wir sind sehr froh über die dynamische Entwicklung und die Pläne der Stadt, hier zu investieren“, sagt er. Das sei letztlich auch Voraussetzung für die neuen Geschäftsfelder, an denen AEF arbeite.

Ziel: Zuschüsse für Flugplatz-Betreiber senken

Falls Stufe eins im Plan der Stadt gut zündet, wäre laut Dantz noch eine zweite möglich für Gewerbeansiedlung auf dem Flugplatzareal, auf einer etwa noch einmal so großen Fläche. Es ist ehemaliges Militärgelände. Und wenn das nicht reicht, dann gebe es noch Flächen in Richtung Zschornau. Ziel sei es letztlich, auch mehr Einnahmen zu erwirtschaften und damit die Zuschüsse für die Kamenzer Flugplatz GmbH zu senken. Derzeit erhält sie rund 80.000 Euro pro Jahr aus den Etats der Stadt und des Kreises.

Auch die Flugplatz GmbH selbst werde auf professionellere Füße gestellt werden müssen, kündigt der Kamenzer OB an. So führte der jüngste Bericht der Geschäftsführung im Stadtrat zu besorgten Nachfragen. Da war von Personalnot die Rede. Die GmbH, die wohl momentan mehr auf ehrenamtlichem Niveau läuft, werde an die städtischen Kommunalen Dienste Kamenz angeschlossen. Betreiber bleibe aber der Kamenzer Fliegerclub, der das Fluggeschehen managt. Daran wolle die Stadt auf jeden Fall festhalten.

Eine gute Entscheidung, sagt Flugzeugbauer und Pilot Gerd-Peter Kuhn. Ebenso wie die Investitionen, wobei man das Bestehende nicht vergessen dürfe. Denn die vorhandenen Rollbahnen kämen auch in die Jahre.

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