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Kann Kamenz trotz Corona Forstfest feiern?

2020 fiel die traditionelle Veranstaltung aus. Für die diesjährige Auflage laufen jetzt schon die Vorbereitungen - trotz vieler Unsicherheiten.

Im Vor-Corona-Jahr lief noch alles ganz traditionell beim Forstfestumzug in Kamenz: Die Mädchen und Jungen waren in Weiß gekleidet und trugen Blumenschmuck.
Im Vor-Corona-Jahr lief noch alles ganz traditionell beim Forstfestumzug in Kamenz: Die Mädchen und Jungen waren in Weiß gekleidet und trugen Blumenschmuck. © Archivfoto: Matthias Schumann

Kamenz. Bis die Ranken fürs Kamenzer Forstfest gewunden werden, sind es noch ein paar Monate. Aber schon jetzt steht die bange Frage, ob es stattfinden kann. Im Vorjahr fiel das Schul- und Heimatfest wegen der Corona-Einschränkungen aus. In diesem Jahr glaube er fest daran, so der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos), dass das Fest stattfinden werde. So gebe es derzeit keinen Grund, die laufenden Vorbereitungen zu bremsen, so Dantz. Voraussichtlich Ende März werde sich das Forstfestkomitee eine erste Meinung bilden. Vom 20. bis 26. August soll gefeiert werden.

Wenn die aktuelle Corona-Test-Strategie greife, spreche einiges für das Fest, ist der OB optimistisch. Es wäre dann die nötige Vorsorge zu treffen, dass die Festumzüge der Schülerinnen und Schüler gestaltet werden können. Bis zu 1.500 Teilnehmer könnten da zusammenkommen.

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Schausteller sind schon gebucht

Natürlich sei die große Tradition zu berücksichtigen, hinter der Schulen und Stadt stünden, erklärt Gabriele Keltsch, Leiterin der Grundschule am Forst und Mitglied im Festkomitee. Darüber hinaus sei gerade in diesen Pandemiezeiten vieles und anderes zu bedenken als bisher. Dazu gehört die große Ansammlung von Schülern vor dem Auszug in den Forst. Da gehe es erfahrungsgemäß eng zu. Es wäre rechtzeitig zu klären, wie das unter Corona-Bedingungen durchführbar sei.

Die Schulleiterin macht noch auf einen weiteren Umstand aufmerksam: Das Fest findet ja immer in der Bartholomäus-Woche um den 24. August statt. Diesmal fällt es damit nicht in die Schulzeit, sondern in die Ferien. So stehe gerade in diesem Corona-Jahr die Frage, wie die Eltern mitziehen und wie viele Schüler überhaupt teilnehmen.

Unter normalen Bedingungen wird es vor allem beim Sammeln zum Forstfestumzug ziemlich eng.
Unter normalen Bedingungen wird es vor allem beim Sammeln zum Forstfestumzug ziemlich eng. © Archivfoto: Matthias Schumann

Der Ferienzeitraum könne aber auch ein Vorteil sein, schätzt Jens Krüger aus dem Forstfestverein und Lehrer am Kamenzer Lessing-Gymnasium ein. So lasse sich die Schülerzahl vielleicht besser steuern, oder es laufe zum Beispiel nur ein Klasse pro Stufe mit. Größere Abstände seien möglich. Die Zuschauer müssten Masken tragen. Aber die Umzüge seien wichtig. Es wäre schlimm, wenn die Tradition wegbreche.

Es gebe ja schon einen Schülerjahrgang, der nicht mit marschiert sei, so Krüger. Er hoffe, dass das nicht wieder passiert. Beim weiteren Programm sei abzuwägen, was möglich ist. Beim Adlerschießen zum Beispiel. Das Forstfestturnen an der frischen Luft sollte stattfinden können. Aber es kommt ja noch mehr dazu mit Bieranstich, Musik und Tanz in Festzelten. „Wir müssen sehen, ob und was machbar ist.“

Die Schausteller für den Rummel sind jedenfalls bereits gebucht, heißt es aus dem Rathaus. Der Schaustellerverband habe zudem eine Spende von 1.000 Euro an die Stadt übergeben für den Baumschnitt im Spittelforst mit dem Festgelände. Es sei ein Zeichen der Dankbarkeit der Schausteller gewesen. So hatte die Stadt den Schaustellern im vorigen Jahr trotz Corona in begrenztem Umfang ermöglicht, ihre Geschäfte als Freizeitpark aufzubauen. Das sei keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Im Vorjahr waren die Schüler in schickem Weiß mit ihren Schärpen nur als Aufsteller im Stadtbild präsent.
Im Vorjahr waren die Schüler in schickem Weiß mit ihren Schärpen nur als Aufsteller im Stadtbild präsent. © Archivfoto: Matthias Schumann

Ausgefallen ist das Fest übrigens 2020 nicht zum ersten Mal. Während Kriegszeiten im 19. Jahrhundert sei das auch der Fall gewesen, ebenso während des Ersten und Zweiten Weltkrieges und nach dem Stadtbrand 1842. Aber schon ein Jahr danach habe es sich die Bürgerschaft nicht nehmen lassen, ihr Heimatfest trotz Verbotes zu zelebrieren.

1953 musste das Fest wegen der grassierenden Kinderlähmung und der hohen Ansteckungsgefahr pausieren, heißt es. Ob 1953 auch die politische Lage mit dem Volksaufstand ein Hintergrund gewesen sein könnte, sei nicht belegt. Die Anfänge des Festes gehen wohl bis ins 17. Jahrhundert zurück, was die Bedeutung erahnen lässt.

Bis Ende August ist vielleicht auch klar, ob dem Kamenzer Traditionsfest eine besondere Ehre widerfährt. Der Freistaat Sachsen nominierte das Forstfest im Vorjahr für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Zwei Jahre zuvor habe ein langjähriger Forstfestbesucher die Diskussion um eine Bewerbung angestoßen, ist in Rathausunterlagen nachzulesen. Den entsprechenden Antrag brachte die Stadt Kamenz ein Jahr später auf den Weg.

Wird das Schulfest Kulturerbe?

Das Fest stehe in besonderer Weise für Tradition und Brauchtum, ließ im Vorjahr Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch wissen. Und nahm zugleich auf die Corona-Krise Bezug. In dieser Zeit werde bewusst, welche Bedeutung lebendige Traditionen des Kulturerbes für die regionale Identität hätten.

Für den Kultursenat sei bei der Nominierung vor allem ausschlaggebend gewesen, dass dieses Fest sehr viele Menschen über Generationen vereint, die auch daran mitwirken. Besonders die Verbindung zwischen Stadtgemeinschaft und Bildungseinrichtungen sowie die Rolle der Schulen seien historisch bestimmend.

Ob im Sommer auch die Aufnahme ins geistige deutsche Kulturerbe gefeiert werden kann? Eine Entscheidung über den Antrag hat die Stadt bisher noch nicht erreicht. „Auch hier verzögern die Auswirkungen der Corona-Pandemie offenbar die Entscheidungsfindung“, schätzt Stadtsprecher Thomas Käppler ein. Möglicherweise falle sie ja bis Ende März.

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