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Vorwurf: Mobbing, Untreue und Intrigen

Hinter den Kulissen des Prelle-Vereins in Häslich brodelt es. Jetzt ist die Vereinsspitze zurückgetreten. Was steckt dahinter?

Marion Junge, die Vorsitzende des Fördervereins von der Schauanlage und dem Museum der Granitindustrie in Häslich ist von ihrem Amt zurückgetreten.
Marion Junge, die Vorsitzende des Fördervereins von der Schauanlage und dem Museum der Granitindustrie in Häslich ist von ihrem Amt zurückgetreten. © Archivfoto: Matthias Schumann

Haselbachtal. Die Nachricht lässt aufhorchen: Die Vorsitzende des Fördervereines Schauanlage und Museum der Granitindustrie in Häslich, Marion Junge, und der erste Stellvertreter, Gerhard Lilge, haben Ende vergangener Woche ihre Mitgliedschaft im Verein mit sofortiger Wirkung gekündigt. Dies teilten beide am Sonntag in einer Presseerklärung mit.

"Aufgrund zunehmender Auseinandersetzungen im Vorstand, insbesondere durch persönliche Beleidigungen, falsche Verdächtigungen und Mobbing, können wir nicht mit Vereins- und Vorstandsmitgliedern weiter zusammenarbeiten, die uns wegen Untreue verklagen und den Zutritt zum Museum und zum Vereinsbüro verwehren", so Marion Junge.

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Was ist passiert in dem Verein, der seit Jahren die Schauanlage und das Steinbruchmuseum im Haselbachtaler Ortsteil betreibt? Offensichtlich rumort es schon seit Wochen, ja sogar Monaten in der Vereinsspitze. Auf der einen Seite stehen die beiden Vorstandsmitglieder, die jetzt zurückgetreten sind, auf der anderen Mitglieder, die mit der Arbeit von Marion Junge und Gerhard Lilge nicht mitgehen können. Am Freitag gab es eine Vereinsversammlung, bei der es dann zum Eklat gekommen ist.

Vorwurf: Geld ohne Rücksprache ausgegeben

Hintergrund ist die an diesem Tag anberaumte Entlastung der alten Vorstandes und eine Neuwahl. Beides passierte nicht. Vielmehr stritt man sich um die Tagesordnung, finanzielle Probleme und die bisherige Arbeit. "Wir konnten den Vorstand nicht entlasten, weil es finanzielle Unstimmigkeiten gibt", erklärt Frank Klenner, der zweite Stellvertreter im Verein.

So gebe es laut Satzung klare Festlegungen, ab welcher Ausgabesumme wenigstens drei Vorstandsmitglieder einzubeziehen und ab welchem Betrag die Mitglieder zu hören seien. "Das ist nicht passiert. Es wurde Geld ausgegeben, ohne dass jemand etwas wusste. Das hat Marion Junge in vielen Fällen selbst entschieden", sagt Frank Klenner auf Nachfrage von Sächische.de.

Schon im Vorfeld haben er und andere Vorstandsmitglieder auf eine Vorstandssitzung gedrängt, um die Sachen zu klären. Viermal insgesamt. "Die Zusammenkünfte wurden immer wieder von Marion Junge abgelehnt, mit Hinweis auf die Corona-Bestimmungen. Das ist doch kein Argument. Es gibt immer Möglichkeiten, um Probleme anzusprechen und zu klären", so Frank Klenner.

Diskrepanz von Kommerz und Gemeinnützigkeit

Die Gemeinde Haselbachtal ist selbst Mitglied im Verein, unterstützt diesen, beteiligt sich aber nicht an der inhaltlichen Gestaltung. "Allerdings ist es unser Ziel, das Angebot der Schauanlage breiter aufzustellen, damit mehr Familien zur Prelle kommen", erklärt Bürgermeisterin Margit Boden (Freie Wähler). Aus diesem Grund habe man auch vor etwa zwei Jahren in der Gemeinde eine Stelle für Tourismusmanagement geschaffen. Zwei Mitarbeiter - Frank Klenner und Jutta Fischbach - teilen sich eine Stelle für 30 Stunden die Woche. Beide sind auch Mitglied im Förderverein.

Offenbar gingen die Ideen der Tourismusmanager mit denen der zurückgetretenen Vorstandsmitglieder in einigen Dingen nicht konform. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen. Auf der einen Seite der Versuch, mehr Angebote zu schaffen, auch kommerzieller Art, auf der anderen Seite die Schauanlage mit Museum. Im Bereich des Tourismus wurde zum Beispiel vor einem Jahr gleich in der Nähe der Schauanlage ein Segway-Park geschaffen.

Marion Junge und Gerhard Lilge schreiben in ihrer Presseerklärung unter anderem: "Durch die Vermischung von privatwirtschaftlichen Aktivitäten und der Gemeinnützigkeit des Fördervereines sehen wir die in der Satzung des Fördervereines festgeschriebenen Ziele und Aufgaben unseres Vereines in hohem Maß gefährdet". Schon an dieser Stelle sind die kontroversen Ansichten erkennbar.

Klagen eingereicht, Arbeitsgruppe gebildet

Inzwischen gibt es drei Klagen, unter anderem wegen Untreue, von Vereinsmitgliedern gegen Marion Junge und Gerhard Lilge. Das bestätigte Frank Klenner. Das löst aber das Problem des Vereines nicht. Nach der Mitgliederversammlung am Freitag hat sich eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe gebildet, die über die Zukunft beraten will. Diese trifft sich am Mittwoch, um zu besprechen, wie es weitergeht.

"Vielleicht finden sich ja auch ein paar mehr Leute aus dem Ort, die künftig im Verein mitmachen", hofft Bürgermeisterin Margit Boden. Schließlich gehe es darum, den Tourismus in der Gemeinde voranzubringen.

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