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Das ist der Plan fürs Osterreiten

Wegen Corona waren 2020 keine Reiter unterwegs. Auch dieses Jahr beeinflusst die Pandemie die Prozessionen im Kreis Bautzen. Hinzu kommt eine gefährliche Pferdekrankheit.

Wird es dieses Jahr zu Ostern Bilder wie dieses geben? Nach jetzigem Stand können die Osterreiter unterwegs sein.
Wird es dieses Jahr zu Ostern Bilder wie dieses geben? Nach jetzigem Stand können die Osterreiter unterwegs sein. © Archivfoto: René Plaul

Bautzen/Kamenz. In knapp zwei Wochen ist Ostern. Viele Aktivitäten für dieses Fest sind aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr infrage gestellt - auch das am Ostersonntag stattfindende Osterreiten. Dazu kommt eine gefährliche Pferdekrankheit, ein Herpes-Virus, das sich derzeit ausbreitet, und an dem die Tiere sterben können. Die Menschen nicht nur in den sorbisch-katholischen Gemeinden der Oberlausitz machen sich Gedanken darüber, ob das Osterreiten in diesem Jahr stattfindet, und wenn ja, in welcher Form. Sächsische.de fasst den aktuellen Stand zusammen.

Sind die Reiter am Ostersonntag unterwegs?

Das Osterreiten wird nach aktuellem Stand im Landkreis Bautzen stattfinden. Das ist das Ergebnis einer Abstimmung von Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) mit Vertretern der Osterreiter-Gemeinschaft und dem Gesundheitsamt Bautzen Mitte März. Darüber informierte am Montag Cynthia Thor von der Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage. Auch die Polizei, das Ordnungsamt des Kreises und Vertreter des Landratsamtes Görlitz haben an dem Gespräch teilgenommen. Nach Aussage von Udo Witschas habe sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ebenfalls für eine Durchführung des Osterreitens ausgesprochen.

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Müssen die Osterreiter Auflagen einhalten?

Grundlage für das Osterreiten ist eine enge Abstimmung zwischen den Verantwortlichen der Reiterprozessionen und dem Gesundheitsamt. „Momentan laufen letzte Abstimmungen zu den Hygienekonzepten“, so Cynthia Thor. Festgelegt ist, dass die Reiter, wenn sie nicht auf dem Pferd sitzen, eine Maske tragen müssen. Es werden Listen aller Teilnehmer erstellt, um Infektionsketten nachverfolgen zu können. Außerdem ist die traditionelle Einkehr zum Mittagessen und zur Vesper bei Familien in den Nachbarorten nicht möglich. Die Pausen der Osterreiter werden verkürzt und müssen unter freiem Himmel durchgeführt werden. Vize-Landrat Udo Witschas sicherte zudem die Beschaffung von Selbsttest für alle Reiter auf Kosten des Kreises zu.

Was ist in Vorbereitung der Prozessionen zu beachten?

Es wird klare Zugangsregeln für Gottesdienste geben. Ein Hygienekonzept und die Datenerfassung sind auch in den Ställen bei der Vorbereitung der Pferde notwendig. Außerdem kann das übliche Kinderreiten am Ende der Prozession nicht stattfinden.

Werden Zuschauer beim Osterreiten erlaubt sein?

Das Landratsamt hat sich mit den Verantwortlichen der Prozessionen darauf verständigt, die Routen und die jeweiligen Zeiten zu verändern und dies nicht öffentlich zu kommunizieren. „Damit sollen Menschenansammlungen vermieden werden“, erklärt die Pressesprecherin. Außerdem werden keine gesonderten Besucherparkplätze eingerichtet. Die Polizei wird die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Hat das Pferdeherpes Folgen für das Osterreiten?

Das Landratsamt betont in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der EHV-Infektion weder um eine meldepflichtige Krankheit handelt, noch dass sie als Tierseuche angezeigt werden müsse. „Daher gibt es keine amtlichen Bekämpfungsmaßnahmen“, heißt es aus dem Landratsamt. Pferdehalter würden ihre Tiere durch Tierärzte prophylaktisch impfen lassen können. „Augenblicklich besteht aber das Problem, dass der Impfstoff nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht“, heißt es aus dem Landratsamt. Grundsätzlich gelte, dass nur gesunde Tiere an Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Ein Verbot des Osterreitens sei aus tierseuchenrechtlichen Gründen im Moment nicht erforderlich.

Verleihen Pferdebesitzer ihre Tiere zum Osterreiten?

Die Betreiber des Reiterhofes Helga Wendt in Schönteichen werden in diesem Jahr ihre Tiere nicht zum Osterreiten geben. In den vergangenen Jahren waren es immer fünf bis sechs Pferde, die bei der Prozession dabei waren. „Es ist sicherer, wir lassen die Tiere zu Hause, da ja auch alle anderen pferdesportlichen Turniere und Veranstaltung abgesagt sind“, so der Sohn von Helga Wendt. „Wir müssen unsere Pferde schützen, da ja Tiere von überall zum Osterreiten geholt werden“, ergänzt er.

Auch Evelyn Gottwald von Gottwalds Bauernhof in Pulsnitz macht sich Sorgen. „Neun Reiter haben bei uns Pferde für Ostern bestellt“, sagt sie. Aber sie hegt die Hoffnung, dass Ostersonntag geritten wird.

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