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Großnaundorf: Verein soll Freibad betreiben

Die Gemeinde hat sich klar positioniert: Dieses Jahr wird das Bad geöffnet - voraussichtlich jedoch unter neuen Voraussetzungen.

Die ersten Arbeiten für die neue Saison im Freibad Großnaundorf haben begonnen. Bauhofmitarbeiter Marco Zickler verschneidet Bäume und Hecken.
Die ersten Arbeiten für die neue Saison im Freibad Großnaundorf haben begonnen. Bauhofmitarbeiter Marco Zickler verschneidet Bäume und Hecken. © René Plaul

Großnaundorf. Noch sind die Temperaturen so, dass kaum jemand an Baden im Freien denkt. Und doch blicken Badbetreiber schon jetzt auf die kommende Saison - sollte aufgrund von Corona eine Öffnung überhaupt möglich sein. In Großnaundorf wird bereits eine ganze Weile über das Thema Bad diskutiert. Das hat einen Grund: Ein Verein soll die Betreibung der Anlage übernehmen.

Das Freibad Großnaundorf gehört der Gemeinde, wurde bisher auch von ihr betrieben. Allerdings erweist sich das jedes Jahr - wie auch in anderen Orten - als Zuschussgeschäft. Als Beispiel: Im Jahr 2018 konnten durch Eintrittsgelder rund 25.000 Euro eingenommen werden. Trotzdem stand am Jahresende ein Minus von 10.000 Euro zu Buche. Die Kosten für die Technik und solche Dinge wie zum Beispiel für die Chlorung oder auch für die Instandhaltung belaufen sich pro Jahr auf 10.000 Euro. Der bisher eingesetzte Bademeister ist im Bauhof der Gemeinde angestellt und für die Sommersaison fürs Freibad abgestellt.

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Bürgermeister: Bad soll erhalten bleiben

Diese Kosten kann eine kleine Gemeinde wie Großnaundorf kaum stemmen. "Wir haben kaum Einnahmen über die Gewerbesteuer. Die Umlagen an den Kreis oder an die Stadt Pulsnitz im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft steigen. Die kleinen Kommunen werden ausgeblutet. Freiwillige Aufgaben sind kaum noch möglich", so der Bürgermeister. Und trotzdem: "Unser Hauptziel ist, das Bad zu erhalten, egal in welcher Form", sagt Christian Rammer (parteilos).

Er denkt dabei auch an das Beispiel des Buschmühlenbades in Hauswalde. Dort hatte 2017 ein Verein die Betreibung übernommen. Hintergrund war, dass nach der Eingemeindung des Ortes nach Großröhrsdorf die Stadt über zwei Bäder verfügte. Eine kommunale Betreibung des Buschmühlenbades war aus finanzieller Sicht nicht mehr möglich. Es gründete sich ein Verein, der das Bad betreibt, und es wurde ein Nutzungsvertrag mit der Stadt abgeschlossen. So konnte das Bad gerettet werden.

In Großnaundorf denkt man zwar nicht an eine Eingemeindung, "aber man weiß nie, was in Zukunft noch passiert", so Christian Rammer. Sollte Großnaundorf irgendwann zu einer anderen Gemeinde, wie zum Beispiel Wachau oder Pulsnitz, zugeschlagen werden, hätte das Großnaundorfer Bad keine Chance. Schließlich gebe es in beiden anderen Orten schon Freibäder.

Ehrenamtliche kassieren und räumen auf

Die Idee zur Gründung eines Badvereines hatten die Gemeinderäte gemeinsam mit dem Bürgermeister. In der Gemeinderatssitzung im Februar stand das Thema das erste Mal auf der Tagesordnung. "Es waren viele Interessenten bei der Beratung in der Turnhalle dabei, die den Vorschlag befürworteten", so Christian Rammer. Schon damals haben sich 50 Bürger auf einer Liste eingetragen, die sich für einen Verein aussprachen. Mitte März gab es dann eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Ein Vertreter des Arnsdorfer Badvereins stellte ein Umstrukturierungskonzept vor, wie man das dortige Bad künftig führen will.

Jetzt ist die Gründung des Badvereins beschlossene Sache. 15 Bürger haben zugesagt mitzuarbeiten - auch im Vorstand. "Ziel ist es, dass die Gemeinde und der Verein in dieser Saison das Bad noch gemeinsam betreiben. Im nächsten Jahr soll dann alles in den Händen der Ehrenamtlichen liegen", erklärt der Bürgermeister. Mitarbeiter der Bauhofes kümmern sich weiter um die Chlorung und die Instandhaltung der Pumpen. Der Verein übernimmt die Kassierung, sorgt für Sauberkeit im Bad und kümmert sich darum, dass immer ein Bademeister vor Ort ist. Außerdem ist er für die gesamte Organisation verantwortlich.

Wasser kommt direkt vom Keulenberg

Das Großnaundorfer Bad ist eine kleine Anlage. Es gibt ein Schwimmbecken mit einem abgegrenzten Nichtschwimmerbereich. Das Wasser kommt über einen Zufluss vom Keulenberg. Das hat den Vorteil, dass kein Leitungswasser gebraucht wird. Jeden Tag wird ein wenig Wasser abgelassen und neues vom Keulenbergzufluss kommt hinzu. Das sorgt für beste Wasserqualität.

Für Babys ist ein Planschbecken vorhanden. Die Liegewiese ist etwa 2.500 Quadratmeter groß. Zum Bad gehören außerdem ein Spielplatz, eine Beach-Volleyball-Anlage, ein Groß-Schach-Feld, sanitäre Anlagen und ein Imbiss. Besonders Familien mit Kindern aus Großnaundorf und den umliegenden Dörfer nutzen das Bad, weil es vor allem wegen seiner Größe gut überschaubar ist. Auch gibt es fest Seniorengruppen, die im Sommer täglich ihre Runden schwimmen. Schul- und Kita-Gruppen nutzen das Bad. Außerdem können sich Klassen oder Vereine für ein paar Tag zum Zelten einmieten.

Wegen Corona im Vorjahr geschlossen

Im vergangenen Sommer entschied sich die Gemeinde aufgrund der Corona-Bestimmungen, das Bad geschlossen zu lassen. Nach den Abstandsregeln hätten nur 166 Gäste Einlass gefunden, im Becken hätten sich nur 82 Gäste tummeln können. "Wer soll das ständig kontrollieren, am Ende drohen Geldstrafen", war das Argument damals. Gerechnet hätte sich das Bad mit den begrenzten Besucherzahlen noch weniger.

Für die kommende Saison gibt es eine klare Ansage vom Bürgermeister: "Wir machen auf". Mitte April soll das Becken gereinigt und gefüllt werden, damit dann im Mai gestartet werden könnte. "Hoffen wir auf wenige und faire Auflagen des Gesundheitsamtes", so der Bürgermeister. Im Mai liegt die Wassertemperatur erfahrungsgemäß bei 17 bis 18 Grad Celsius - also nichts für Warmduscher. Bis in den September hinein könnte in Großnaundorf gebadet werden - dann, wenn alles klappt, schon in Zusammenarbeit mit dem Verein.

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