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Großröhrsdorf: Verein rettet historischen Webstuhl

Die 100 Jahre alte Technik funktioniert wieder. So können Museumsbesucher live erleben, was es mit Kettfäden und Webschützen auf sich hat.

Meilenstein im Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf: Der historische Webstuhl läuft. Vereinsvorsitzender Bernd Hartmann, Bürgermeister Stefan Schneider und die Vereinsmitglieder Wolfgang Rentsch und Frank Schmidt (v.l.) freuen sich.
Meilenstein im Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf: Der historische Webstuhl läuft. Vereinsvorsitzender Bernd Hartmann, Bürgermeister Stefan Schneider und die Vereinsmitglieder Wolfgang Rentsch und Frank Schmidt (v.l.) freuen sich. © Stadtverwaltung Großröhrsdorf

Großröhrsdorf. Kaum einer glaubte daran, doch die Mitglieder des Vereins Großröhrsdorfer Industrie- und Bandmuseum schafften das fast Unmögliche. Sie haben einen etwa 100 Jahre alten Gurtwebstuhl in der ehemaligen Weberei Johann Gottfried Schöne demontiert, aufwendig aufgearbeitet und schließlich im Technischen Museum der Bandweberei funktionsfähig aufgestellt.

Im März waren schließlich die letzten Kettfäden eingezogen, die zur Steuerung notwendigen Stiftleisten gesteckt und die Beleuchtung ausgerichtet. Großröhrsdorfs Bürgermeister Stefan Schneider (parteilos) war gekommen, um dabei zu sein, als der Webstuhl das erste Mal wieder in Betrieb genommen wurde.

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Alte Technik funktioniert wie geschmiert

Vereinsvorsitzender Bernd Hartmann rückte ihn ein, der Motor lief an, und die Webschützen wurden durch das Webfach geschlagen. Zahnräder drehten sich, Hebel wurden gedrückt und Schäfte gehoben. Und tatsächlich funktionierte alles sprichwörtlich wie geschmiert. Der 77-jährige Webermeister Bernd Hartmann strahlte und war sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Der Bürgermeister beglückwünschte den Verein zur gelungenen Inbetriebnahme und freute sich darüber, dass im Technischen Museum der Bandweberei ein weiteres einmaliges Zeitzeugnis bewahrt und vorgeführt werden kann.

Bandweberei hat den Ort jahrhundertelang geprägt

Schon seit 340 Jahren ist in Großröhrsdorf die Bandweberei beheimatet. Begonnen hat alles mit dem Heimweber George Hans, der schon 1680 Bänder webte. Aus den Heimwebereien entwickelten sich Fabriken, und diese prägten die industrielle Entwicklung des Ortes. Die Region Großröhrsdorf wurde der Hauptsitz der Bandindustrie im Osten Deutschlands. Das Kombinat Bandtex galt als größte Bandweberei Europas.

Diese Geschichte wird im Technischen Museum der Bandweberei eindrucksvoll vermittelt, auch an über 15 unterschiedlichen und voll funktionsfähigen Bandwebstühlen und Webautomaten. Museumsmitarbeiter Patrick Zöllner hat schon Ideen zur weiteren Nutzung. So soll der jetzt aufgestellte Webstuhl im Rahmen von Veranstaltungen und Museumsführungen den Besuchern zugänglich gemacht und vorgeführt werden. Außerdem werden pädagogische Angebote für Schüler des Landkreises Bautzen in den Räumen des Museums stattfinden, wobei der Webstuhl die Kulisse bildet und als technisches Anschauungsstück dient.

Viele haben beim Aufbau des Webstuhls geholfen

Bernd Hartmann lobt die Mitglieder seines Vereins, die sich in über 300 Arbeitsstunden ehrenamtlich für den Aufbau engagierten. So reinigten die Vereinsmitglieder die einzelnen Maschinenteile und reparierten einige. Mithilfe der Technischen Dienste der Stadt Großröhrsdorf wurden die Teile dann an ihren Bestimmungsort transportiert und vormontiert.

Unterstützung beim Aufbau des Webstuhles bekam der Verein auch durch Mitarbeiter der Firma Huhle Stahlbau Großröhrsdorf. Die ortsansässigen Webereien F. A. Schurig, Elastic Belts sowie F. J. Rammer unterstützten den Aufbau ebenfalls. Hilfe kam auch von der Agrargenossenschaft Großröhrsdorf bei der Grobreinigung der Maschinenteile sowie von der Firma Bau Just mit der Bereitstellung eines Gerüstes. Gefördert wurde die Maßnahme mit Mitteln der Kulturförderung des Landkreises Bautzen.

Das Technische Museum der Bandweberei öffnet im Rahmen der derzeit geltenden Corona-Regeln. Eine vorherige Terminvereinbarung per Telefon oder E-Mail ist momentan zwingend notwendig. (SZ)

Anfragen und Anmeldungen unter: [email protected]

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