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Reiseunternehmer trotzt der Corona-Zeit

Mitten im Lockdown gründete Mihaly Rénes aus Neukirch bei Königsbrück 2021 eine Busreisefirma. Er hat es nicht bereut, obwohl nun schon wieder alles stillsteht.

Von Heike Garten
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Mandy und Mihaly Renés in ihrem Reisebüro in Neukirch bei Königsbrück Sie blicken trotz Corona optimistisch in die Zukunft.
Mandy und Mihaly Renés in ihrem Reisebüro in Neukirch bei Königsbrück Sie blicken trotz Corona optimistisch in die Zukunft. © Matthias Schumann

Neukirch. Der Reisebus steht in einer Garage, die Koffer bleiben im Schrank. Derzeit sind wegen der Corona-Regeln in Sachsen keine Busreisen möglich. Keine einfache Zeit für Mihaly Rénes, der Anfang vergangenen Jahres ein eigenes Reisebusunternehmen gegründet hat, mitten in der Corona-Zeit. Wie hat der 48-Jährige aus Neukirch bei Königsbrück das erste Jahr Selbstständigkeit in dieser derzeit sehr unsicheren Branche überstanden?

Rénes war etliche Jahre Busfahrer bei einem anderen Unternehmen in der Region - und hätte das auch übernehmen können. Doch er entschied sich, seine eigene Firma zu gründen. Und so ist er jetzt Organisator, Busfahrer, Reiseleiter und manchmal auch Gesprächspartner in einem.

Sein Start als Unternehmer fiel im Januar 2021 mitten in den Lockdown. Nichts ging in der Branche, keine Reise konnte stattfinden, alles musste abgesagt werden. Dabei hatte sich Mihaly Rénes das ganz anders vorgestellt: Es gab den ersten Katalog, Hotels waren gebucht, Routen entwickelt.

Zehn Mehrtagesfahrten - bis zum erneuten Lockdown

Seit der Gründung ist nun ein Jahr vergangenen – ein Jahr voller Höhen und Tiefen, vor allem wegen Corona. Die ersten Touren waren zu Ostern geplant, doch nichts ging. Auch die Fahrten im Mai konnten nicht stattfinden. „Unsere erste Busreise startete dann am 22. Juni, drei Tage zur Bundesgartenschau nach Erfurt“, blickt Mihaly Rénes zurück. 25 Gäste haben an der Tour teilgenommen. Danach sei es ziemlich planmäßig weitergegangen, zum Beispiel mit Fahrten nach Österreich, Kroatien oder auf Tagestouren innerhalb von Deutschland und Polen. Insgesamt zehn Mehrtagesfahrten habe er 2021 durchführen können – bis zum erneuten Lockdown Mitte November.

Aber auch zuvor mussten Mihaly Rénes und seine Kunden jede Menge beachten. Es galt die 2-G-Regel, auch in den Hotels und Gaststätten mussten die Fahrgäste dies nachweisen. „Ich hatte immer aktuelle Listen bei den Touren dabei, die ich dann für alle Gäste vorgelegt habe“, erklärt der Reiseunternehmer. Aufgrund der 2-G-Regel habe er aber auch Kunden absagen müssen. Auch die Anzahl der Fahrgäste war begrenzt, weil die Hotels immer nur eine bestimmte Anzahl an Zimmern freigeben konnten. „Eine langfristige Planung war und ist unter diesen Umständen nicht möglich“, sagt Ehefrau Mandy, die das Unternehmen unterstützt.

Im November musste alles storniert werden

Am 19. November habe man dann erfahren, dass es ab 22. November keine Busreisen mehr geben darf. „Das ist alles sehr kurzfristig, denn auch wir haben ja Stornofristen bei den einzelnen Hotels oder Veranstaltern. Das ist mit einer unternehmerischen Arbeit nicht zu vereinbaren“, sagt Mandy Rénes. Beide verstehen vor allem nicht, warum diese Regeln in Sachsen gelten, in anderen Bundesländern allerdings nicht.

Eigentlich waren über Weihnachten noch eine Tour nach Wismar und zum Jahreswechsel eine nach Greifswald geplant. Doch die mussten abgesagt werden. Traurig vor allem für die Kunden, die nun Weihnachten oder Silvester allein zu Hause verbringen mussten. Für viele sei eine Bustour auch immer ein besonderes geselliges Erlebnis, das sie genießen.

Trotz aller Einschränkungen, Absagen und vielen Unwägbarkeiten – Mihaly Rénes blickt zufrieden auf sein erstes Jahr Selbstständigkeit zurück. „Das Konzept ist aufgegangen und hat sich auch für das halbe Jahr, in dem wir fahren konnten, gerechnet“, sagt er. Es wäre super gelaufen, wenn es die Corona-Pandemie nicht gäbe.

Katalog für die neue Saison ist fertig

Bis Mitte Januar gilt in Sachsen jetzt erst einmal der Stopp für Reisebustouren. Wie es dann weitergeht, hängt vom aktuellen Corona-Geschehen und den Entscheidungen der Politik ab. „Das macht es für uns schwierig, wir planen sozusagen ins Blaue“, sagt Mihaly Rénes. Der Katalog für die neue Saison ist bereits fertig, die Eröffnungsfahrt soll am 20. März stattfinden. Und so plant der Reiseunternehmer jetzt auch, ordert Hotels, nimmt Buchungen von Kunden entgegen. Ob es dann tatsächlich losgehen kann, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch niemand sagen.

„Doch wir blicken optimistisch in die Zukunft, denn mein Mann wie auch ich investieren viel Herzblut in das Unternehmen“, sagt Mandy Rénes. Sie hätten sich in dem einen Jahr schon einen Kundenstamm aufgebaut, und für den lohne es sich, nach vorn zu blicken. „Wir lassen uns den Mut nicht nehmen und sind dankbar, wenn uns die Kunden treu bleiben“, sagt Mihaly Rénes. Und so wird er sich irgendwann in diesem Jahr auch wieder hinter das Lenkrad seines Busses setzen und Gäste zu den schönsten Urlaubszielen Europas bringen.