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Ärger im Kamenzer Swingerclub: Gema reagiert

Seit zehn Monaten ist der Pärchentreff geschlossen. Der Betreiber kritisiert, dass die Gema trotzdem Rechnungen schickt. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.

Pärchenclub-Chef Reinhard Bartels aus Schiedel hat Probleme mit der Gema. Die schickt Rechnungen, obwohl der Club seit 16. März 2020 geschlossen ist. Doch nun tut sich etwas.
Pärchenclub-Chef Reinhard Bartels aus Schiedel hat Probleme mit der Gema. Die schickt Rechnungen, obwohl der Club seit 16. März 2020 geschlossen ist. Doch nun tut sich etwas. © Matthias Schumann

Kamenz/ Schiedel. Heiße Partys werden hier sonst im kältesten Winter gefeiert, doch nun stapft nur Reinhard Bartels allein durch den Schnee vorm Haus. Mal beim Nachbarn guten Tag sagen oder nach der Post sehen. Das geht immer. Und mit Hund Schröder geht's auch regelmäßig raus. Ansonsten hat Reinhard Bartels nicht viel zu tun.

Sein Pärchenclub im Kamenzer Ortsteil Schiedel ist seit 16. März 2020 komplett dicht. Kein Dampfwölkchen dringt aus der Sauna, kein Wasser plätschert im Indoor-Pool. Alles ist abgestellt und herunter gefahren. Und der riesige Außen-Wellnessbereich versinkt im Schnee...

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Bartels findet das eigentlich gut so. Dass Corona in der Welt wütet, kann er nicht ändern. Aber er kann sich und andere schützen. Deshalb blieb und bleibt der bekannte sächsische Pärchenclub konsequent zu. "Ich gehe mit allen getroffenen Maßnahmen mit. Wir sind hier schließlich in einer Szene, die Abstand nicht gebrauchen kann", schmunzelt Bartels.

Auf der Homepage schrieb der Chef schon im März: "Wir sind ein sozialer Hotspot. Zwei Meter Abstand und Begrüßung mit Ellenbogen sind bei uns der absolute Schwachsinn." Die Fans und Stammkunden sind bis heute traurig darüber. Aber es nutzt alles nichts.

Der Swingerclub Schiedel in Schiedel ist seit zehn Monaten dicht. Der Wellness-Außenbereich liegt verlassen da.
Der Swingerclub Schiedel in Schiedel ist seit zehn Monaten dicht. Der Wellness-Außenbereich liegt verlassen da. © Matthias Schumann

Doch sie melden sich oft bei ihm oder schreiben sogar. Dass er durchhalten soll. Dass sie alle wiederkommen, wenn die Krise vorbei ist. Über diese Post freut sich der 68-Jährige. Eigentlich ist er schon Rentner, betreibt seinen Pärchenclub aber trotzdem noch mit viel Liebe und Leidenschaft. Und das seit 1993. Das Dörfchen Schiedel in der Nähe von Kamenz hat es auch durch den Club zu einiger Berühmtheit gebracht. "Ich war allein 24 Mal in verschiedensten Fernsehsendungen zu Gast oder zu sehen", sagt Reinhard Bartels. Vom MDR bis zu Stefan Raab war alles dabei.

Doch manchmal mischen sich unter die Post von Stammkunden und Freunden auch andere Briefe. Unangenehme Rechnungen. Zum Beispiel von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte Gema. "Ich habe mehrere Forderungen aus dem letzten Jahr daliegen. Das kann doch aber nicht sein. Die müssen nun wirklich wissen, dass aktuell keiner aufhaben darf", sagt Reinhard Bartels verständnislos.

Betreiber ist genervt von der Bürokratie

Warum geht die Gema grundsätzlich davon aus, dass während der Corona-Pandemie überhaupt noch eine Freizeiteinrichtung geöffnet haben könnte, fragt sich Bartels. Dies sei nun schon seit März 2020 nicht mehr möglich – zumindest in dieser konkreten Branche. Auch den kompletten Sommer über konnte Reinhard Bartels nicht öffnen. Und das wird sicherlich auch noch weit in das Jahr 2021 so bleiben. Den Clubbetreiber nervt solcher Bürokratismus.

Gibt es hier keine gesetzlichen Festlegungen? "Sind eine weltweite Pandemie und die beschlossenen Regeln der Bundesregierung nicht Grund genug, pauschal die Rechnungstätigkeit über diesen Zeitraum einzustellen", fragt sich Reinhard Bartels.

800 Euro soll er als Pauschale für das Jahr 2020 zahlen. "Dabei habe ich im Dezember 2019 bereits reichlich vorausgezahlt für das kommende Jahr. Ich hatte auch darum gebeten, dies prozentual auszugleichen, da der Club ja nun nur bis März offen war. Aber darauf gab es nie eine Reaktion", erzählt Reinhard Bartels. Dafür kam die Forderung nach der Pauschale von 800 Euro noch mal ins Haus.

Und Ende 2020 dazu dann gleich noch eine Vorauszahlungsaufforderung von über 1.000 Euro für 2021. "Wovon und warum überhaupt soll ich diese imaginären Rechnungen eigentlich bezahlen?", fragt er. "Für mich ist das alles zu schizophren und nicht nachvollziehbar!"

Seit Mitte März null Gäste und null Einnahmen

Das alles schrieb er der Gema persönlich. In mehreren Briefen. Ohne Reaktion. Nun liegt nach einer Mahnung die Forderung eines beauftragten Inkassounternehmens aus München auf dem Tisch. Und Bartels hat seinen Anwalt eingeschaltet. "Ich habe seit zehn Monaten null Einnahmen, meine Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit. Da hat man andere Sorgen als die Gema", sagt er.

Doch die Gema pocht auf eine offizielle Abmeldung, die Reinhard Bartels schon längst hätte vornehmen sollen. "Wenn das Geschäft aufgrund einer behördlichen Anordnung schließen musste oder muss, erhält man für diesen Zeitraum unter bestimmten Voraussetzungen eine Gutschrift der Lizenzkosten", heißt es in einem Brief des Inkassounternehmens an Bartels.

Mittlerweile hat die Gema auf Nachfrage von Sächsische.de reagiert: Demnach haben Clubbesitzer und Hotelbetreiber in der Regel Rahmenverträge mit der Gema und zahlen die Lizenzvergütung für die angegebene Nutzungsart im Voraus, heißt es. Im Jahr 2020 habe die Gema mit Beginn der corona-bedingten Schließungen ab dem 16. März allerdings umfassende Kulanzregelungen gegenüber ihren Kunden erlassen.

Gema stoppt Inkassoverfahren

„Im Online-Kundenportal können Kunden für die offenen Vertragsfälligkeiten problemlos eine Erstattung für die behördlich angeordnete Schließzeit veranlassen. Der betreffende Kunde wurde bereits im September 2020 für jede seiner Einrichtungen über diese Möglichkeit informiert. Bisher hat er diese jedoch nicht genutzt“, teilt Nadine Remus von der Gema mit.

„Das ist doch trotzdem alles großer Mist“, sagt Reinhard Bartels. „Alle haben behördlich zu, also ist Stopp im Land! Warum dieser Zusatzaufwand? Will die Gema ihre Daseinsberechtigung unterstreichen?“, fragt der 68-Jährige. An dem Prozedere wird der Swingerclub-Besitzer dennoch nicht vorbei kommen. Allerdings sieht seine Lage nicht ganz aussichtslos aus.

„Wir haben einen Mahnstopp bis 28. Februar verfügt und empfehlen dem betreffenden Kunden dringend, die Gutschriftmöglichkeit für die Vertragsfälligkeiten in Anspruch zu nehmen sowie die durchgeführten und ausgefallenen Veranstaltungen 2020 zum Kontingent für eine Rechnungskorrektur zu melden. Bei unserer Kanzlei werden wir einen Verfahrensstopp verfügen“, teilt Nadine Remus mit.

Verkauf verschoben, Pächter gesucht

Vor geraumer Zeit wollte Reinhard Bartels seinen Swingerclub eigentlich schon verkaufen und das turbulente Nachtleben gegen einen ruhigen Lebensabend eintauschen. Zahlreiche Bieter aus ganz Deutschland gab es. Aber keinen, der halbwegs in die Nähe der gewünschten Kaufsumme kam.

Mittlerweile ist er froh, dass das alles nicht geklappt hat. "Was hätte mir ein Koffer voller Geld genutzt in der Corona-Zeit, wenn ich mein herrliches Refugium nicht mehr gehabt hätte", sagt Reinhard Bartels. Sein neuer Plan beinhaltet keinen Verkauf des Anwesens mehr. "Ich suche nur noch einen Pächter", sagt er.

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