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So kommt das Dorf zu einem Spielplatz

In Neukirch bei Königsbrück arbeiten viele Leute zusammen, um was für Kinder zu schaffen. Auch der Sportverein beteiligt sich - und erzielte jetzt einen großen Erfolg.

Eltern aus Neukirch bei Königsbrück freuen sich, dass das neue Spielgerät steht. Beim Aufbau halfen Sven Becker, Falk Bergmann, André Grafe, Marchel Eichler (unten von links) und Stefani Hönzke, Susann Bergmann sowie Nikolaus Biskupek.
Eltern aus Neukirch bei Königsbrück freuen sich, dass das neue Spielgerät steht. Beim Aufbau halfen Sven Becker, Falk Bergmann, André Grafe, Marchel Eichler (unten von links) und Stefani Hönzke, Susann Bergmann sowie Nikolaus Biskupek. © privat

Neukirch. Das Burgfräulein sitzt gemütlich in einem Sessel auf dem Burgenberg in Neukirch bei Königsbrück. Es liest. Plötzlich springen Kinder aus dem Gebüsch hervor und laufen auf das Burgfräulein zu. Sie reden miteinander, und die junge Frau fragt die Kinder, wo sie herkommen und was sie denn jetzt so machen. Von einigen Kindern ist zu hören, dass ihnen langweilig ist und dass sie sich einen Spielplatz wünschen. Mit diesem Video wirbt der Sportverein Neukirch-Sachsen für sein bisher größtes Projekt: einen naturnahen Spielplatz für die Kinder des Ortes.

Mit dieser Maßnahme bewarb sich der Verein, der etwa 80 Mitglieder hat und 1953 gegründet wurde, bei einem Wettbewerb der Ostsächsischen Sparkasse um eine Geldprämie. Vergangene Woche wurde das Ergebnis einer Jury aus Vertretern der Sparkasse und der Sächsischen Zeitung bekanntgegeben. Zwölf Vereine können sich bereits über eine Zuwendung von bis zu 3.000 Euro freuen. Der Neukircher gehört dazu. In der Kategorie Crowdfundig - damit sind Projekte gemeint, bei denen Geld aus verschiedenen Quellen gesammelt wird - kam er unter die drei Besten.

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Neukirch braucht einen Spielplatz

André Grafe vom Vorstand des Vereines hat aus der Zeitung von der Jury-Wertung erfahren, und war natürlich positiv überrascht. "Natürlich hofft man immer auf so eine Entscheidung, aber ob es klappt, ist ungewiss", sagt der 39-Jährige gegenüber Sächsische.de. Und er ist stolz auf das Projekt, was der Verein angeschoben hat, und auf das, was davon schon verwirklicht ist.

Dass Neukirch einen öffentlichen Spielplatz braucht, war vielen Eltern schon vor ein paar Jahren klar. Bereits im Jahr 2018 gründete sich deshalb eine Elterninitiative, die das Vorhaben in die Tat umsetzen wollte. Doch um Spenden für einen Spielplatz einwerben zu können, braucht man einen Verein. Das ging in Neukirch auf kurzem Weg. Die Eltern nahmen Kontakt zum SV Sachsen-Neukirch auf. "Das Echo vom Sportverein war durchweg positiv. Alle waren begeistert von der Idee", blickt André Grafe zurück.

André Grafe ist Kassenwart im Verein, und ihm liegt es selbst am Herzen, dass Neukirch einen Spielplatz bekommt. Der 39-Jährige wuchs im Ort auf, wohnt jetzt in Großröhrsdorf und baut gerade ein Einfamilienhaus in seinem Heimatort. Der neue Spielplatz wird also auch einmal seinen Kindern zugute kommen.

Eltern packten mit an

Mit dem Ja vom SV Sachsen-Neukirch ging alles ziemlich schnell. Zuerst wurden die Kosten für die Gesamtmaßnahme ermittelt. Immerhin 30.000 Euro kostet der neue Spielplatz. Ein Grundstück konnte zwischen dem Gemeindeamt und dem Jugendclub gefunden werden. Die Gemeinde begleitet das Vorhaben positiv, und so war es auch kein Problem, das Grundstück zu pachten.

Die eigentliche Arbeit begann danach. "Wir mussten versuchen, auf verschiedenen Wegen Geld für den Spielplatz einzuwerben - über Firmen, Privatpersonen, verschiedene Projekte", erklärt André Grafe. Noch im Jahr 2019 waren rund 10.000 Euro zusammengekommen, und der erste Bauabschnitt konnte in die Tat umgesetzt werden. Ein erstes Spielgerät für Kinder bis drei Jahre wurde angeschafft. "Die Erschließung des Geländes hatten zuvor Eltern, Vereinsmitglieder und viele Leute aus dem Dorf umgesetzt", weiß der Kassenwart.

Ein Naschpfad entsteht

Im vergangenen Jahr gab es noch einmal 12.500 Euro über die Leader-Förderung vom Regionalmanagement Dresdner Heidebogen. Diese Förderung war über die Gemeinde beantragt worden. Den zehnprozentigen Eigenanteil trug der Verein selbst. "Da hat uns die Bürgermeisterin Grit Truxa-Richter sehr unterstützt", sagt André Grafe. Für das Geld konnte eine große Kletterburg angeschafft werden, die vom Holzdesigner Frank Naumann aus Bischheim gefertigt wurde. Die Eltern und der Sportverein legen Wert darauf, einen naturnahen Spielplatz mit viel Holz anzulegen. Der Tüv hat das Spielgerät bereits geprüft, in zwei, drei Monaten könnte alles im zweiten Bauabschnitt fertiggestellt sein.

Und auch für den Rest dieses Jahres sind noch weitere Arbeiten geplant. Es soll noch eine Doppelschaukel angeschafft, Sand aufgefüllt und ein Naschpfad mit Beerensträuchern angelegt werden. Außerdem entstehen Wege zum und auf dem Spielplatz. "Uns fehlen dafür noch etwa 5.000 Euro", so André Grafe. Und so kommt der Jury-Preis im Wettbewerb zum Verein des Jahres gerade recht. Bei diesem Wettbewerb läuft noch bis zum 7. März ein Publikumsvoting, bei dem jeder seine Stimme einem nominierten Verein geben kann.

Fasching online

Der Spielplatzbau ist jedoch nicht die einzige Aktivität des SV Sachsen-Neukirch. Neben den Sportangeboten - angefangen von der Kleinkindergruppe über den Frauensport bis hin zum Tischtennis - organisiert der Verein den jährlichen Fasching. In diesem Jahr aufgrund von Corona mit Online-Auftritten der Faschingsfreunde. DJ Malo, ebenfalls aus Neukirch, bietet am Sonnabend ab 20.30 Uhr ein etwa einstündiges Programm im Internet an. Dabei hat auch der Jugendclub mitgemacht. Auch für den Kirmesball, die Rentner-Weihnacht, Wanderungen und Kegelabende zeichnet der SV Sachsen-Neukirch verantwortlich.

Der Spielplatz ist aber eines der wichtigsten Projekte - gemeinsam mit den Eltern. Alle Beteiligten hoffen, dass noch in diesem Jahr der Burgenbergspielplatz fertig wird. Das können die Kinder dann bestimmt auch dem Burgfräulein erzählen.

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