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Bekommt Königsbrück wieder einen Jugendclub?

Jahrelang gab es in der Stadt einen Treff für die Jugendlichen. Der sollte schon mehrfach wiederbelebt werden. Woran das bisher scheiterte.

Sonita Bellinghausen vor dem ehemaligen Freizeitzentrum An der Bleiche in Königsbrück. Auch sie wünscht sich, dass es in der Stadt wieder einen Ort gibt, wo sich junge Leute treffen können.
Sonita Bellinghausen vor dem ehemaligen Freizeitzentrum An der Bleiche in Königsbrück. Auch sie wünscht sich, dass es in der Stadt wieder einen Ort gibt, wo sich junge Leute treffen können. © Matthias Schumann

Königsbrück. In der Freizeit Sport im Verein treiben, Musik machen, abhängen mit Freunden. Es gibt viele Möglichkeiten, womit Teenager sich beschäftigen. In manchen Orten gibt es einen Jugendclub, in dem sie sich treffen können. Kamenz hat zum Beispiel den Safe, in Pulsnitz war der Club lange geschlossen, sollte eigentlich im vergangenen Jahr wieder eröffnet werden. Corona verhinderte dies. Doch wie sieht es in der Stadt Königsbrück aus?

Nachdem in den vergangenen zwei Wochen immer wieder Graffiti an verschiedenen Gebäuden oder Einrichtungen in der Stadt aufgetaucht waren, stellt sich für einige Königsbrücker auch die Frage nach Freizeitmöglichkeiten für junge Leute in der Stadt. So schreibt ein Nutzer auf Facebook, dass die Jugend keinen Ort und keine Möglichkeit hat, sich zu treffen, "da unser schöner Jugendclub seit Jahren gefühlt tot ist. Wo soll denn die Jugend hin?", fragt er weiter.

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Sächsische.de schaute sich in der Stadt um, welche Möglichkeiten junge Leute dort haben. Es gibt zahlreiche Vereine, vor allem im Bereich des Sports. Schulen bieten im Rahmen der Ganztagsangebote Beschäftigungsmöglichkeiten an. Doch ein Jugendclub? Fehlanzeige. Einige Jugendliche treffen sich im Via Regia Park, spielen Fußball oder Volleyball oder quatschen einfach.

Kein Ansprechpartner mehr für die Jugendlichen

In Königsbrück gab es seit Mitte der 1980er-Jahre An der Bleiche einen Jugendclub. Im gleichen Gebäude war auch die Stadtinformation untergebracht. 1992 wurde das Gebäude mit Fördergeldern saniert und sehr modern gestaltet. Sonita Bellinghausen arbeitete als Leiterin vom Jugend- und Freizeitzentrum seit 1991 dort. "Ich hatte immer ein Auge auf die Jugendlichen, konnte ihnen helfen, wenn Fragen oder Probleme auftauchten", erzählt sie. Das habe auch immer gut geklappt. Sie hatte einen Schlüssel, den sich die jungen Leute bei ihr holen konnten.

Auch Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU) bestätigt, dass es mit dem Jugendclub gut lief. "Die jungen Leute haben bei vielen Aktivitäten in der Stadt mitgemacht. Beim Fasching bauten sie einen eigenen Wagen, zur Fußball-WM veranstalteten sie Public Viewing", berichtet er. Auch der Generationenwechsel, der ja bei Jugendclubs nicht einfach zu bewältigen ist, sei gelungen.

Doch mit dem Auszug der Stadtinfo aus dem Gebäude an der Bleiche kam keine neue Generation mehr nach. Die letzten aktiven Jugendclub-Mitglieder haben inzwischen Familien gegründet. "Es war kein Ansprechpartner für die jungen Leute mehr da", weiß Sonita Bellinghausen.

"Es haben sich zwar immer wieder Gruppen gefunden, aber es fehlte die Kontinuität", sagt Heiko Driesnack. Außerdem habe es Probleme mit der Einhaltung von Regeln gegeben. Man habe einfach nicht mehr so den Schlüssel herausgeben können, wenn keine Person über 18 Jahre dabei war.

Stadt hat kein Geld für einen Sozialarbeiter

Bis heute habe die Stadt immer wieder versucht, den Jugendclub wieder zu beleben. "Unser Ziel war eine langfristige Nutzung unter Einhaltung der Spielregeln und des Jugendschutzes", erklärt Heiko Driesnack. Der Bürgermeister denkt in diesem Zusammenhang auch an den Alkoholausschank, der eben nur ab einem bestimmten Alter möglich ist. Zwischenzeitlich habe es auch mal zwei Väter gegeben, die sich abends mit hinstellten. Die Stadt sei den beiden, die über lange Zeit jeden Freitag für die Jugendlichen da waren, sehr dankbar. Von den Jugendlichen habe sich leider keiner mehr gemeldet, daher sei das Ganze im Sand verlaufen.

Doch wie soll es in Königsbrück weitergehen? Eines stellt der Bürgermeister ganz eindeutig klar: "Wir können keinen Sozialarbeiter für einen Jugendclub einstellen", sagt er. Das gebe die finanzielle Situation der Stadt einfach nicht her. Und letztlich stelle sich auch die Frage, was die jungen Leute im Alter von vielleicht 13 bis 18 Jahren eigentlich wollen. Brauchen sie einen Raum, wo sie sich treffen und einfach nur abhängen können? Da müssten sie dann aber auch eine gewisse Verantwortung übernehmen, so Driesnack. Wollen sie selbst Veranstaltungen oder Angebote organisieren? Der Bürgermeister erklärt, dass die Stadt immer bereit sei, eine Lösung zu finden und Gespräche zu führen.

Familientreff statt Jugendclub?

Im vergangenen Jahr habe die Stadt Kontakt mit dem Internationalen Bund aufgenommen, um nach einer Möglichkeit zu suchen, den Jugendclub eventuell wieder zum Leben zu erwecken. Außerdem gibt es die Idee, aus dem Jugendclub einen Familientreff zu machen. So könnten die Räumlichkeiten in dem Gebäude an der Bleiche von vielen Altersgruppen genutzt werden. Schon früher gab es dort zum Beispiel eine Krabbelgruppe, einen Seniorentreff und verschiedene Kurse. Und auch heute noch werden die Räume für Familienfeiern vermietet.

Sonita Bellinghausen weiß aber auch, dass es einen Verantwortlichen braucht, damit sich junge Leute im Jugendclub treffen können. "Jemand muss sich den Hut aufsetzen", sagt sie. Denjenigen habe man bisher noch nicht gefunden. Es gebe aber immer die Möglichkeit, sich bei ihr oder in der Stadtverwaltung zu melden, falls Interesse für die Neugründung eines Jugendclubs besteht. Die Stadt werde dem nicht im Weg stehen. Doch die jungen Leute müssten auch ihren Anteil übernehmen.

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