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Kamenz: Hutberg-Gaststätte in Not

Das Catering für Veranstaltungen auf der Bühne ist für den Wirt eine wichtige Einnahmequelle. 2021 fällt sie wohl wieder zum großen Teil weg. Das hat Folgen.

Der Wirt auf dem Kamenzer Hutberg, Frank Fuhrmeister, möchte endlich wieder öffnen. Mit Sorge schaut er auch auf die Hutbergbühnen-Saison 2021. Werden seine wichtigen Catering-Einnahmen abermals wegbrechen?
Der Wirt auf dem Kamenzer Hutberg, Frank Fuhrmeister, möchte endlich wieder öffnen. Mit Sorge schaut er auch auf die Hutbergbühnen-Saison 2021. Werden seine wichtigen Catering-Einnahmen abermals wegbrechen? © Matthias Schumann

Kamenz. Der Kamenzer Hutberg erwacht langsam. Die ersten Krokusse sind da. Doch in der Hutberggaststätte auf dem Gipfel bleibt es still . Der Lockdown hält an. Gaststätten haben noch immer keine Chance, regulär zu öffnen. Die Stühle bleiben also oben.

Von Oktober bis Ostern ist Hutbergwirt Uwe Fuhrmeister auch sonst Ruhe gewohnt. Und hat kaum Laufkundschaft. Doch ohne Corona wird hier zumindest gefeiert: Hochzeiten, Geburtstage, Firmenjubiläen, Weihnachten, Silvester, Fasching... "All das haben wir seit Monaten nicht", sagt Frank Fuhrmeister.

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Heizung muss dauerhaft laufen

In ihm brodelt es. Wie bei vielen anderen Gastro-Kollegen auch. "Monat um Monat schauen wir bange auf die neuen Regelungen. Was beschließen die da oben? Meistens kam für uns nichts Gutes heraus", sagt Frank Fuhrmeister. "Ich bin sehr verärgert über unsere Politiker. Sie hatten ein Jahr Zeit, um etwas auf die Reihe zu bekommen. Und nichts ist passiert", so der 67-Jährige.

In seinem kleinen Büro unterm Dach läuft der Heizkörper durchgehend. Unten im Saal und in der Gaststube muss er das riesige Haus zumindest auf konstante zwölf Grad Celsius hochheizen. "Der Winter war besonders hart, und ich muss auf das Parkett aufpassen. Bei solchen Temperaturen kann das schnell hochwölben, haben mir Fachleute gesagt."

Verärgert über Arbeit der Politiker

Frank Fuhrmeister hat keine 25.000 Euro für neues Parkett. Er hat aktuell gar kein Geld, das er für Umbauten und dringend nötige Verschönerungen im Haus einsetzen kann. Eigentlich war geplant, im Frühjahr alle Fenster auszutauschen. Das hat er im Pachtvertrag mit der Stadt Kamenz unterschrieben. Und dass er das altehrwürdige Haus nach und nach erneuert, Altes erhält und Neues seinen Platz findet.

"Zurzeit stecke ich mein Erspartes seit Monaten in die Betriebskosten des Hauses. Und versuche einfach, zu überleben", so der 67-Jährige. "Wenn wir kleinen Leute einen Fehler machen, nur drei Euro bei einer Steuererklärung falsch angeben, schlägt der Staat sofort Alarm. Wenn die Politiker ihre Hausaufgaben nicht machen, dann leidet ein ganzes Land darunter. Und trotzdem werden sie nicht zur Verantwortung gezogen", äußert er seine Meinung.

Die November- und Dezemberhilfen wären endlich da. Damit konnte er Fixkosten bezahlen. "Aber sind wir ehrlich: Kein Mensch spricht über die Monate Januar, Februar und März. Was soll da passieren?", fragt er.

Frank Fuhrmeister und sein Team bewirtschaften den Berggasthof seit 2012. Die Stadt selbst hatte sich darum bemüht, einen Wirt zu finden. Aber das Geschäft auf den Bergen ist rau. Die Nebensaison über den Winter ist lang. Ärmel hochkrempeln? Nach Misserfolgen aufstehen? Das kennt Frank Fuhrmeister. Wer auf dem Hutberg als Wirt bestehen möchte, muss Zähigkeit und Sinn für Humor mitbringen. Das haben bereits seine Vorgänger unter Beweis stellen müssen. Manch einer ist daran gescheitert.

Beträchtliche Umsätze brechen weg

Der Cunnersdorfer setzte deshalb gleich am Anfang mit Stadtratsbeschluss durch, dass er als Nebeneinnahme das Catering auf der nahen Hutbergbühne mit absichern darf. 2020 brach das bereits komplett weg. "Auch für 2021 sieht es nicht rosig aus. Wenn man die Open-Air-Saison realistisch betrachtet, kann man vielleicht auf die letzten Konzerte im August hoffen", so Fuhrmeister. Und weiter: „Ohne Konzert-Catering sieht es mau aus.“

Damit brechen ihm ein zweites Mal beträchtliche Umsätze weg, die dringend gebraucht werden. Die Sanierungspläne müssen weiter ruhen. "Wir haben uns bereits mit der Stadt in Verbindung gesetzt und die Probleme besprochen. Ich kann nur Positives berichten über die Zusammenarbeit", lobt er. Wenigstens steht er so nicht unter Druck.

Personalsorgen in der Gastronomie wachsen

Frank Fuhrmeister weiß, dass er sich nicht aufregen soll. Das ist seiner Gesundheit nicht zuträglich. Im Januar hatte der gestandene Mann eine Depri-Phase. "Eigentlich bin ich ein Macher. Aber da konnte ich mich kaum animieren, früh aufzustehen. Man wusste ja nicht wofür", sagt er zerknirscht.

Nun steht die Sonne höher und Ostern ist schon in Sicht. "Wir werden den Imbiss über die Feiertage und Ferien öffnen. Die Kundschaft fragt schon nach", sagt Frank Fuhrmeister. Das Ganze ist relativ schnell umsetzbar. Fenster auf und verkaufen. Eine besondere Osterkarte ist in Arbeit. "Ich werde aber den Biergarten wie im letzten Jahr nicht aufbauen. Wie soll ich kontrollieren, wer mit einem Negativtest kommt oder nicht", sagt er. Dafür müssten größere Lockerungen her.

Ein Riesen-Problem sieht Frank Fuhrmeister übrigens künftig im Personalbereich. "Es sah schon vorher schlimm aus. Im Dauer-Lockdown haben sich viele aus dem Gastrobereich zusätzlich umorientiert. Weil man das letzte Glied in einer langen Kette ist. Das wird noch ein Desaster für die Gastroszene werden."

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