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Kamenz bekommt einen Lausitz-Pub

Marcus Seibel erfüllt sich den Traum vom eigenen Lokal. Und belebt auf diese Weise in Kamenz ein lange leerstehendes Objekt in bester Lage.

Marcus Seibel aus Kamenz eröffnet im November seinen Pub in der Hutberg-Passage am Bönischplatz. Noch läuft der Umbau auf Hochtouren, vor allem die Holzarbeiten nimmt der Wirt selber vor und greift da auch schon mal zur Kreissäge.
Marcus Seibel aus Kamenz eröffnet im November seinen Pub in der Hutberg-Passage am Bönischplatz. Noch läuft der Umbau auf Hochtouren, vor allem die Holzarbeiten nimmt der Wirt selber vor und greift da auch schon mal zur Kreissäge. © René Plaul

Kamenz. Die Stadt Kamenz bekommt einen zweiten Pub! Diese Nachricht macht seit einigen Tagen die Runde. Genauer gesagt, seit dem Abend, an dem Marcus Seibel zwei unübersehbare Werbebanner an den Außenwänden seines neuen Lokals aufgehängt hat. "Seibel-Pub" ist darauf zu lesen. Ein Hinweis, den viele in Kamenz sofort verstanden haben. Seibel-Pub? Das ist doch der Marcus aus dem "Little Irish Pub"?

Tatsächlich fand man den Berliner bislang ein paar Straßen weiter auf dem Topfmarkt. Dort war der 39-Jährige seit sieben Jahren die gute Seele hinterm Tresen. Als angestellter Bar-Manager und Barkeeper schmiss er das beliebte Lokal. So, als ob es sein eigenes gewesen wäre. Doch genau da lag der Knackpunkt.

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Kamenz kann mehr Abend-Gastronomie vertragen

"Es war eine gute Zeit, die ich im Angestelltenverhältnis gearbeitet habe. Aber wem die Gastronomie im Blut liegt, hat auch eigene Träume", sagt Marcus Seibel. Leicht fiel ihm die Entscheidung nicht, denn die Arbeit machte Spaß. Dennoch blieben Vorstellungen auf der Strecke, die er als eigener Chef besser umsetzen kann. "Und ich denke, dass eine Stadt wie Kamenz zwei Pubs vertragen kann." Viele Möglichkeiten, auch nach 22 Uhr noch irgendwo einzukehren, gäbe es schließlich nicht. "Meine Lebensgefährtin und Freunde haben mich bestärkt", sagt der Wahl-Kamenzer.

Verschiedene Objekte schaute er sich an. Und blieb am Bönischplatz hängen. Am bekanntesten Kreisel der Stadt steht seit einigen Jahren die Gaststätte in der Hutberg-Passage leer. Viele Wirte haben sich an diesem Standort schon ausprobiert. Ein Grieche, ein Fischrestaurant-Besitzer, ein Steakhouse-Chef, zuletzt gab's hier gutbürgerliche Küche. Die Inhaberin der "Lessingstuben" wagte 2013 als Letzte einen Szenenwechsel am Bönischplatz. Doch auch sie hatten kein Glück vor Ort.

"Ehrlich gesagt kann ich nicht nachvollziehen, warum das nie geklappt hat", sagt Marcus Seibel. Aus seiner Sicht ist der Standort gut geeignet: Zum einen liegt das Lokal in der Nähe der Altstadt, zum anderen gibt es gleich in der Nähe einen kostenlosen Parkplatz. Anwohner, die sich am Treiben im Pub stören könnten, gibt es hingegen kaum. "Und über die Wohnung über der Gaststube, bin ich gleich selbst gezogen", sagt der neu Pub-Betreiber und lacht.

Und sollte es doch mal Konflikte geben? Dann setzt Marcus Seibel auf offene und klare Worte. "Ich habe da gute Erfahrungen gemacht. Wenn jemand Probleme hat, soll er gleich zu mir kommen, es gibt immer Lösungen." An Herzdrücken stirbt der gebürtige Berliner nicht. Ein Typ mit "Herz und Schnauze", so sieht er sich selbst.

Nach Kamenz kam Seibel wegen der Liebe. Und blieb, weil ihm die Mentalität der Menschen gefällt. Zwar fällt der gebürtige Berliner mit seinem Akzent in der sächsischen Provinz immer noch auf. Doch vor allem seine Stammgäste lieben diese Art. "Ich arbeite seit 2003 in der Gastronomie. Ganze elf Jahre war ich vorher in Österreich. Eigentlich wollte ich damals nur für eine Saison anheuern, aber dann wurde es länger", schmunzelt er heute.

Mit der Selbstständigkeit kommen nun viele neue Dinge auf ihn zu, aber er ist gut vorbereitet. "Corona hat mir in die Karten gespielt, ich war fast ein dreiviertel Jahr in Kurzarbeit und konnte in Ruhe planen", sagt er.

Mit regionalen Produkten arbeiten

Im Hinterhof des "Seibel-Pubs" kann der Wirt künftig einen Biergarten mit 20 Sitzplätzen betreiben. Nebenan grenzt das Tanzhaus von Kamenz can Dance an sowie ein Büro der Caritas. Das Stadttheater ist nah, da haben die Besucher einen neuen Anlaufpunkt nach den Vorstellungen.

Auch die Hutbergkonzert-Gäste müssen mehrfach im Jahr an ihm vorbei. "Und da kann man seine Öffnungszeiten ja anpassen", so der 39-Jährige. Regelmäßig Livemusik, Whiskey-Tasting, Barbecues im Sommer, Fußball-Übertragungen, Glühweinabende im Advent, Sonntagsbrunch - Marcus' Kopf ist voller Ideen.

Einen Koch stellt er ein, denn eine gut sortierte kleine Karte gehöre für ihn dazu. Dafür hat er Kontakte aufgenommen zu regionalen Bäckern und Fleischern. Neben Spezialitäten, wie dem irischen Bier "Murphy's", nimmt Seibel viel Lausitz-Typisches ins Angebot. Und herzhafte "Berliner Kneipengerichte" wie Königsberger Klopse, Kassler, Eintöpfe und Schnitzel schweben ihm vor. Nach 22 Uhr auch Fingerfood.

25 Plätze im Restaurant, vier in einer Whiskey-Lounge, zwölf an der Bar warten bald auf Kundschaft. Später soll ein extra Zimmer zum Anmieten in den oberen Räumen folgen.

Geht es nach Marcus Seibel, könnte es zur Einkaufsnacht am 19. November losgehen. Bis dahin ist noch viel zu tun. Immerhin kündigt der Pub-Besitzer ein paar Überraschungen an. Worum es da geht, darum macht er noch ein Geheimnis. "Die Leute sollen zur Eröffnung den kompletten Wow-Effekt erleben."


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