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Traditionsgasthof wird abgerissen

Nach langem Leerstand endet die Geschichte des Hauses Zum Hochstein in Rauschwitz. Für eine andere Gaststätte hat die Stadt Elstra noch Hoffnung.

Die Gaststätte Zum Hochstein im Elstraer Ortsteil Rauschwitz ist nicht mehr zu retten. Sie wird abgerissen.
Die Gaststätte Zum Hochstein im Elstraer Ortsteil Rauschwitz ist nicht mehr zu retten. Sie wird abgerissen. © Matthias Schumann

Elstra. Wer von Elstra nach Bischofswerda fährt, kommt unweigerlich an der Gaststätte Zum Hochstein vorbei. Direkt an der Hauptstraße vom Ortsteil Rauschwitz gelegen, fällt das Haus ins Auge. Und es ist nicht zu übersehen, dass die Gaststätte schon bessere Zeiten hatte. Jetzt ist endgültig Schluss. Die Traditionsgaststätte wird abgerissen. Damit geht ihre wechselvolle Geschichte zu Ende.

Die Gaststätte Zum Hochstein gibt es schon seit etwa 150 Jahren in Rauschwitz, und sie war die meiste Zeit davon in Besitz der Familie Fischer. Der Rauschwitzer Ortsvorsteher Andreas Petzold erinnert sich an ruhmreiche Zeiten. "Noch vor der Wende war auf dem Saal am Wochenende Disko. Da zog es Hunderte junge Leute ins kleine Rauschwitz", blickt er zurück. Sogar die Puhdys und andere bekannte DDR-Musikgruppen haben damals in der Gaststätte gespielt. "Das war schon eine tolle Zeit", erzählt Andreas Petzold. Er erinnert sich gern daran. Aber auch die Gaststätte war bei Einheimischen und Wanderern sehr beliebt.

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Stadt hat die Immobilie gekauft

Anfang der 1990er-Jahre wagte Familie Fischer noch einen weiteren Schritt. "Zum Gaststätten- und Saalbetrieb kam ein Gästehaus dazu, um so Hotelbetten anbieten zu können", weiß der Elstraer Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch). Doch lang hielt der Aufwind nicht an. Im November 2007 wurde der Gaststätten- und Hotelbetrieb eingestellt und das Haus geschlossen. Ein neuer Eigentümer konnte nicht gefunden werden, die Gaststätte stand leer - viele Jahre.

Elstra war keineswegs glücklich mit der Entwicklung. "Vor etwa zehn Jahren hat die Stadt in Abstimmung mit den Räten das Gebäude und die Nebenanlagen gekauft", erklärt der Bürgermeister. Hintergrund war, dass man selbst versuchen wollte, einen neuen Eigentümer oder Betreiber zu finden, wenn möglich mit einem Konzept, das zur Stadt beziehungsweise dem Ortsteil passt. 40.000 Euro bezahlte die Kommune damals, um die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen.

Aber auch sie hatte wenig Erfolg. Trotz mehrfacher Inserate in einschlägigen Zeitungen und auf Plattformen konnte für die Gaststätte kein neuer Eigentümer oder Betreiber gefunden werden. "Es gab mehrere Interessenten und auch Besichtigungen, aber sobald diese das Innere des Hauses gesehen haben, zogen sie sich wieder zurück", so der Bürgermeister. Der Sanierungsaufwand sei einfach zu hoch. Das bestätigt auch Ortsvorsteher Andreas Petzold. "Das Gebäude ist in einem schlimmen Zustand", erklärt er.

270.000 Euro kostet der Abriss

2018 traf die Stadt eine neue Entscheidung: Die Gaststätte Zum Hochstein wird abgerissen. "Für das marode Gebäude gibt es einfach keine Perspektive", sagt Frank Wachholz. Auch die Stadträte und der Ortschaftsrat haben in diese Richtung argumentiert. "Der Abriss ist das Beste, was passieren kann, es gibt keine Alternative", so Frank Wachholz. Ein Planungsbüro wurde beauftragt, die Kosten zu ermitteln. Rund 270.000 Euro wird der Abriss kosten - eine große Summe, die ohne Fördermittel von der Stadt nicht zu stemmen wäre. Ein entsprechender Fördermittelantrag wurde im November vorigen Jahres gestellt. "Wir rechnen mit einem 80-prozentigen Zuschuss aus dem Brachenbeseitigungsprogramm", so der Bürgermeister. Die restlichen 20 Prozent sind schon im Haushalt für dieses Jahr verankert.

Wenn die Zusage der Fördermittel da ist, soll der Abriss ausgeschrieben und dann auch umgesetzt werden - alles noch in diesem Jahr. Für die dann leere Fläche von rund 1.500 Quadratmetern gibt es derzeit noch keine konkreten Pläne, aber unterschiedliche, noch nicht ausgereifte Ideen. Welche das sind, dazu wollte der Bürgermeister noch keine Aussage machen. Er ruft aber die Bürger von Rauschwitz oder der anderen Ortsteile auf, selbst Ideen einzubringen.

Investor für das Schwarze Ross gesucht

Der Hochstein ist allerdings nicht die einzige Gaststätte von Elstra, die sich in städtischer Hand befindet. Auch das Schwarze Ross am Markt von Elstra gehört der Stadt, und das schon seit Jahrzehnten. Das Haus war verpachtet, und neben der täglichen Gastronomie fanden viele Veranstaltungen, Vereinstreffen und vieles mehr dort statt. Die Gaststätte hatte einen guten Ruf, weit über die Stadtgrenzen hinaus. "2011 erlitt der Pächter einen tragischen Unfall, und seitdem steht die Gaststätte leer", so Frank Wachholz. Auch hier konnte kein neuer Betreiber gefunden werden.

Die Stadt hat immer wieder Geld in die Verschönerung - so ins Dach, die Außenhülle, die Fenster - gesteckt, doch einen Betreiber konnten die Maßnahmen nicht anlocken. Das liegt auch daran, dass im Inneren, vor allem in Küche und Saal, viel Geld investiert werden müsste. Außerdem befinden sich im oberen Bereich des Gebäudes noch drei Mietwohnungen. Nichtsdestotrotz finden immer mal wieder Veranstaltungen statt. "Wir vermieten die Räume", so der Bürgermeister. Auch der Stadtrat trifft sich jetzt in der Corona-Zeit im Gastraum oder im Saal.

Langfristig gesehen, soll das Schwarze Ross zukünftig wieder der gastronomische und kulturelle Anlaufpunkt für Elstra werden. "Wir wollen einen privaten Investor finden, auch wenn klar ist, dass das aufgrund der zu erwartenden Investitionen nicht leicht wird", erklärt Frank Wachholz. Ein regulär geöffnetes Schwarzes Ross gehöre einfach zur Stadt Elstra.

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