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Das hat Königsbrücks ältestes Gasthaus zu bieten

Wo 1862 der erste Branntwein ausgeschenkt wurde, bedient Torsten Scholz heute immer noch Gäste. So läuft es im "Weißen Ross" nach der Corona-Pause.

Torsten Scholz präsentiert hier seine neueste Kreation - die Pinsa. Eine Pizza, deren Teig aus verschiedenen gesunden Mehlsorten hergestellt wird und 120 Stunden gehen muss. Zum 30. Geschäftsjubiläum hält er aber noch mehr Leckereien bereit.
Torsten Scholz präsentiert hier seine neueste Kreation - die Pinsa. Eine Pizza, deren Teig aus verschiedenen gesunden Mehlsorten hergestellt wird und 120 Stunden gehen muss. Zum 30. Geschäftsjubiläum hält er aber noch mehr Leckereien bereit. © René Plaul

Königsbrück. Torsten Scholz, Wirt des "Weißen Rosses" in Königsbrück wollte eigentlich dieser Tage richtig groß feiern - und zwar das Jubiläum seines Gasthauses an der Hoyerswerdaer Straße 7. Das führt er seit 30 Jahren mit Erfolg und Durchhaltevermögen. Eine große 80er-Jahre-Party war lange für den Sommer geplant - mit DJ und Live-Acts. Dazu hatte er die Veranstaltungsfläche im Via Regia Park gemietet und bereits Künstler der "MerQury-Queen-Revival Show" und "Modern Talking reloaded" angeheuert.

Wegen Corona hat er das Event in Abstimmung mit den Musikern aber auf 2022 verschoben. "Die Unsicherheiten waren uns zu groß", sagt der 50-Jährige. "Denn dass die Zahlen nun so schnell gesunken sind, konnte man vor ein paar Wochen nicht ahnen."

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Open Air zum Jubiläum auf 2022 verschoben

Gefeiert wird trotzdem - mit einem kleinen Empfang am 1. Juli und vielen lieben Gästen und Wegbegleitern, die Torsten Scholz über die Jahre zur Seite standen. "Wenn man in diesen schnelllebigen Zeiten 30 Jahre lang in der Gastronomie etabliert ist, empfinde ich das schon als eine gewisse Leistung", sagt er stolz. Scholz sieht, wie es anderen Kollegen über die Jahre ergangen ist. Und die Pandemie hat weitere Probleme gebracht.

Vor allem die Lockdowns im Corona-Jahr setzten dem Königsbrücker Wirt wie vielen anderen auch sehr zu. "Wir konnten uns mit Abholessen und Bestellungen außer Haus über Wasser halten, doch es brach ein großer Teil des Umsatzes weg", sagt er. Und die staatlichen Hilfen seien nur zäh und oft sehr spät geflossen.

Früher machten hier Fuhrleute Halt

Doch die kleine urige Wirtschaft an der Hoyerswerdaer Straße hat bereits viele schwierige Zeiten überstanden. So wird es auch diesmal sein. Die Nummer 7 gehört zu den ältesten Häusern von Königsbrück. 1522 erbaut, wurde sie als "Brandweinschänke" bereits 1862 erstmalig erwähnt. Hier gab es auch eine Bäckerei, später wurde im Haus getöpfert.

Einst machten Fuhrleute und Bauern gern an dieser Stelle Halt, wenn sie mit Pferd und Wagen vom Markt nach Hause fuhren. Während die Pferde in der Ausspanne versorgt wurden, stillten die Bauern Hunger und Durst. Auch die Bau- und Steinarbeiter tauschten sich hier zu den neuesten Geschehnissen aus. Beim Feierabendbier stopften sich viele ihr Pfeifchen. Wo früher die Pferde ausgespannt wurden, sitzt man heute gemütlich im Biergarten.

Vor drei Jahren komplett umgebaut

Torsten Scholzes Großvater hatte 1949 dem Vorbesitzer das Gebäude abgekauft. Anfang der 1990er-Jahre wurde das Haus von Scholzes Eltern als Gaststätte wiedereröffnet. Die Familie lebt bereits seit 1979 in Königsbrück. Vor drei Jahren packte Scholz noch einmal richtig an und renovierte sein geliebtes "Ross" großzügig. Seitdem ist das Ambiente im Gastraum, der 30 Personen Platz bietet, modern, hell und freundlich - dank des ausgeklügelten Innenraumkonzepts einer Architektin. Nur das alte Wandbild der Wein trinkenden Mönche hatte man erhalten.

Familienfeiern und Jubiläen werden gern im "Weißen Ross" gefeiert. Langsam läuft das Geschäft nach dem letzten Corona-Lockdown auch wieder los. "Das freut mich natürlich, doch es wird noch eine Weile dauern, bis Normalität einzieht", sagt Torsten Scholz.

Wirt steht allein in der Küche - und bedient nebenbei

Er habe seine Mitarbeiter während des Lockdowns entlassen müssen, daher stehe er nun vorerst allein in der Küche. Und bedient nebenbei. "Kurzarbeit kam aus finanziellen Gründen leider nicht infrage", erklärt er. "Es war schon vor Corona schwierig, Fachkräfte zu bekommen. Nun wird es ein schwerer Weg zurück in die Normalität", schätzt der Gastronom ein. "Mein Terminbuch ist wieder gut gefüllt, aber ich kann gar nicht alle Anfragen annehmen."

Ein paar Pauschalkräfte habe er, die er bei Bedarf aktiviert. Doch er macht sich Sorgen um die Zukunft des Gastgewerbes. Die meisten Köche und auch viele vom Servicepersonal hätten sich umorientiert und während der Krise andere Jobs angenommen. Zurück würden wohl die wenigsten von ihnen kommen.

Aber Torsten Scholz hat sich und sein "Weißes Ross" nicht die letzten 30 Jahre immer wieder neu erfunden, wöllte er nun aufgeben. "Im nächsten Sommer feiern wir unser Jubiläum am 2. Juli groß nach. Es gibt auch schon Karten bei uns im Gasthaus und in der Königsbrück-Info für die Party", freut er sich.

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