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Technik für Wohlfühlklima aus Großröhrsdorf

Bei Belimo sollen mehr als 100 Jobs entstehen. Die Schweizer Firma will den Standort zum zweitgrößten in Europa ausbauen.

Uwe Heydenreich übernimmt im Oktober die Geschäftsführung Standortes der Schweizer Firma Belimo in Großröhrsdorf.
Uwe Heydenreich übernimmt im Oktober die Geschäftsführung Standortes der Schweizer Firma Belimo in Großröhrsdorf. © René Plaul

Großröhrsdorf. Technik der Firma Belimo steckt im höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa Tower in Dubai und im Dresdner Dynamo-Stadion. Das Know-how der Schweizer kommt jetzt auch aus Großröhrsdorf. Know-how für das Raumklima zum Beispiel und für Lüftungssysteme.

Seit gut zwei Jahren steht der Schriftzug Belimo an der Fassade der früheren Fabrikhalle II des Solarherstellers Schüco – zuvor Sunfilm.

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Die Schweizer Firma übernahm eine der beiden gewaltigen Produktionshallen nach dem Scheitern des Solar-Projektes und gründete in Großröhrsdorf die Belimo Automation Deutschland GmbH als Tochtergesellschaft. Das Unternehmen investierte inzwischen kräftig und hat über 50 Jobs geschaffen.

Mit dem Estnischen Batterie-Hersteller Skeleton und einem Unternehmen aus der Flugzeugbranche hatten sich zwar bereits zwei Unternehmen angesiedelt. Aber ein Großteil der Produktionsfläche standen noch leer. Rund 11.000 Quadratmeter, etwas mehr als anderthalb Fußballfelder Raum für Investitionen.

Der Belimo-Standort in Großröhrsdorf: Die Firmenfarbe orange passt ganz gut zur Farbgestaltung des früheren Solar-Standortes, die erhalten geblieben ist. Belimo kaufte 2019 eine der großen Produktionshallen des stillgelegten Werkes.
Der Belimo-Standort in Großröhrsdorf: Die Firmenfarbe orange passt ganz gut zur Farbgestaltung des früheren Solar-Standortes, die erhalten geblieben ist. Belimo kaufte 2019 eine der großen Produktionshallen des stillgelegten Werkes. © René Plaul

Wer heute von einer neuen Galerie in die Halle blickt, kann sie sehen: Hochregale voller Material und Arbeitsplätze in Reih‘ und Glied, an denen montiert und verpackt wird. Auf der anderen Seite der Galerie führen jetzt Stufen in einen neuen Trakt mit Büros, der in der Halle entstanden ist. Die wenigen der Vorbesitzer reichten längst nicht mehr, erklärt Uwe Heydenreich.

Der Gründungschef geht zurück in die Schweiz

Er übernimmt ab 1. Oktober die Geschäftsführung von Martin Arnold. Der Gründungschef geht nach zweieinhalb Jahren Aufbauarbeit in Großröhrsdorf zurück in den Stammsitz in Hinwil in der Schweiz, behalte dort aber weiter Verantwortung für den Standort Großröhrsdorf. Uwe Heydenreich, Physiker aus Dresden, habe seinerseits gereizt, dass er hier einen neuen Standort weiter entwickeln könne.

Für den Bürobau musste eine Zwischendecke in Teilen der Halle eingezogen und die Fassade durchbrochen werden. Von dort flutet jetzt Licht in das Großraumbüro mit Computerarbeitsplätzen. Es gebe keine festen Arbeitsplätze, so Uwe Heydenreich. Die Mitarbeiter suchen sich den Platz, der zu ihrer Aufgabe passe.

Mittendrin fallen Würfel aus viel Glas auf. Räume für die Projektarbeit, für Meetings. Sie tragen Namen der Alpenberge wie Bernina oder Säntis, ein bisschen Schweiz im Rödertal. Mitarbeiter sitzen dort in Videokonferenzen mit der Zentrale in der Schweiz oder arbeiten konzentriert an Bildschirmen.

Raum ist aber auch für Pausen, in Nischen oder auf bequemen Sesseln. Alles in Anthrazit und Weiß gehalten, mit grünen Farbtupfen. Hier werden Ideen entwickelt. Buchhaltung, Personalabteilung, Marketing haben ihren Platz.

Im ersten Schritt sei es im Vorjahr wichtig gewesen, Lager und Logistik für die Belieferung des deutschen Markts aufzubauen, erklärt Martin Arnold. Der zweite Schritt sei die Montage gewesen. Die Basis-Komponenten kommen aus dem Stammwerk in der Schweiz.

Im neuen Bürotrakt sind auch Ruhezonen mit vorgesehen.
Im neuen Bürotrakt sind auch Ruhezonen mit vorgesehen. © René Plaul

Belimo baut spezielle Produkte für Brandschutz-, Klima- und Lüftungsanlagen, auch für Heizungen. Es handelt sich um System aus Steuergeräten, Ventilen, Antriebs- und Sensortechnik. Die kombinieren die Mitarbeiter je nach Kundenwunsch und suchen nach Lösungen für das jeweilige Einsatzgebiet – in Hotels, Flughäfen oder Regierungsgebäuden.

„Für ein perfektes Wohlfühlklima“, so Heydenreich. Aber auch für Sicherheit in Brandschutzanlagen. Die Technik verhindere, dass Rauch und Feuer auf andere Bereiche übergreife oder sorge für Frischluft. Nach eigenen Aussagen ist Belimo Weltmarktführer auf dem Gebiet – in der Entwicklung, Herstellung und im Vertrieb.

Mehrere Millionen Euro habe Belimo seit 2019 in den Standort investiert, so Martin Arnold und es sollen weitere folgen, um den Standort auszubauen. 2019 war die Firma zudem mit dem Vorsatz angetreten, 100 Jobs zu schaffen, derzeit sind es 52. Das Ziel wolle man in zwei Jahren erreichen.

In der Perspektive mehr als 100 Jobs

Es werde aber nicht das Ende sein, verspricht Martin Arnold. Großröhrsdorf werde zum zweitgrößte Standort in Europa, neben dem Stammsitz in der Schweiz ausgebaut und stark wachsen, prognostiziert er. „Wir werden nicht bei 100 Mitarbeitern aufhören.“ Aber schrittweise ausbauen, so wie die Marktanteile wachsen. So werde das Unternehmen die komplette Fläche von 11.000 Quadratmetern eher als geplant belegen. Derzeit sind es etwa zwei Drittel.

Dafür spreche auch die Lebensweise der Europäer, die sich zu 90 Prozent in Gebäuden aufhalten würden. So werde der Bedarf an diesen Produkten steigen. Darüber hinaus gewinne die Sensortechnik zur Bestimmung der Luftqualität an Bedeutung, schätzt Martin Arnold ein. So habe Corona das „Geschäft eher gestärkt“, sagt der Chef, „Weil viel über Luftqualität in Räumen gesprochen wird.“ Diese Technik wäre zum Beispiel für Schulen ideal in Corona-Zeiten.

Die Solarproduktion in Großröhrsdorf war ein Strohfeuer. Die Schweizer seien gekommen, um zu bleiben, versichert Martin Arnold.

Hightech zur Steuerung von Klima- oder Lüftungs- und Heizungsanlagen. Antriebs-Motoren schließen und öffnen zum Beispiel Klappen und Ventile in Rohrleitungen.
Hightech zur Steuerung von Klima- oder Lüftungs- und Heizungsanlagen. Antriebs-Motoren schließen und öffnen zum Beispiel Klappen und Ventile in Rohrleitungen. © René Plaul

Der Artikel wurde am 3. September, 10.50 Uhr bearbeitet.

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