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Musik, Tanz, Kino, Varieté - das bietet der Rödersaal

Aus dem alten Großröhrsdorf Kulti ist ein modernes Veranstaltungshaus mit Hotel und Restaurant geworden. Jetzt startet es - im dritten Anlauf.

Blick von der Galerie in den restaurierten Rödersaal in Großröhrsdorf. Das vielfältige Programm startet am 9. September.
Blick von der Galerie in den restaurierten Rödersaal in Großröhrsdorf. Das vielfältige Programm startet am 9. September. © René Plaul

Großröhrsdorf. Das Kulturhaus 2.0, der Rödersaal in Großröhrsdorf, bekommt derzeit noch frische Farbe an der Fassade mit dem Eingang. Aber das Gerüst soll bis zur nächsten Woche verschwunden sein, wenn das Ex-Kulti in eine neue Zeit startet – im dritten Anlauf.

Denn eigentlich sollte am 1. Dezember im Vorjahr Premiere für den Rödersaal sein. Das fiel wegen der zweiten Welle der Corona-Pandemie aus. Dann hatte die Betreibergesellschaft um Geschäftsführerin Beate Dangrieß aus Großröhrsdorf Mitte/Ende März angepeilt. Nun wird es im September.

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So musste auch Schlagersängerin Ella Endlich, bekannt zum Beispiel für ihren Aschenbrödel-Song und als Jurorin in der Fernsehshow "Deutschland sucht den Superstar" lange auf ihr Gastspiel warten. Das wird nun am 9. September den Rödersaal eröffnen.

Arnim Proft ist Geschäftsführer der Dresdner Herkuleskeule und Berater von Robert Rumpel aus München, Eigentümer des Gebäudekomplexes, der sein Geld mit der Sanierung und Vermarktung denkmalgeschützter Gebäude verdient.

Ein großer Teil der Fassade des Rödersaals ist bereits saniert. Die letzten Gerüste am am Rödertalplatz sollen in der kommenden Woche fallen.
Ein großer Teil der Fassade des Rödersaals ist bereits saniert. Die letzten Gerüste am am Rödertalplatz sollen in der kommenden Woche fallen. © René Plaul

Berater Proft beschreibt das Konzept des Rödersaals so: Es sei weder nur eine Konzerthalle, noch ein Tagungszentrum, weder nur Tanzhaus oder Kino, sonders es sei all das - und so bunt soll das Programm werden.

Ein reines Kino zu eröffnen, sei der besondere Wunsch des Investors gewesen, ein Jugendtraum. Dem habe Proft aber keine Chance gegeben. Es werde auch jetzt keinen Kino-Tag im klassischen Sinne mit Blockbustern geben, sondern mit besonderen Filmen und Ideen. Zu "Go Trabi Go" zum Beispiel werde Schauspieler Wolfgang Stumpf aus dem Nähkästchen plaudern.

Viele hätten den Kopf geschüttelt und eher empfohlen, in dem Gebäude Eigentumswohnungen zu schaffen. Aber Investor Rumpel sei den Weg mitgegangen, der nun durch Corona auch noch deutlich schwieriger wurde. Im Mittelpunkt steht der Jugendstil-Saal, in dem Restauratoren und Bauleute das historische Ambiente unter Verkleidungen und zig Farbschichten wieder hervor geholt haben.

Beate Dangrieß (l.) ist Chefin des Rödersaal-Teams, zum dem unter anderem Produktionsleiter Steffen Rieger (2.v.r.) und die Technikfachleute Marleen Schicht und Ben Enders gehören.
Beate Dangrieß (l.) ist Chefin des Rödersaal-Teams, zum dem unter anderem Produktionsleiter Steffen Rieger (2.v.r.) und die Technikfachleute Marleen Schicht und Ben Enders gehören. © René Plaul

Tanz soll eine große Rolle spielen, erklärt Geschäftsführerin Beate Dangrieß. Denn gerade danach hätten die Leute in der Zeit der Sanierung immer wieder gefragt. Sonnabends soll es zum Beispiel Schlagerpartys geben; Clubpartys mit bekannten DJs sind für die jüngere Generation geplant.

Zu den Höhepunkten werde das Varieté im Rödersaal gehören – von Flug-Akrobatik über Illusions-Show bis hin zur Travestie. Damit will die Betreibergesellschaft an Traditionen anknüpfen, wie sie im legendären Dresdner Café Prag gepflegt wurden, sagt Proft. Das Varieté gehe in den Tanzabend über. Damit die richtigen Schritte auf dem Parkett sitzen, haben die Betreiber eine Tanzschule mit im Boot.

Zehn Mitarbeiter schmeißen in der Betreibergesellschaft den Laden, kümmern sich um die Technik, die Künstler, den Kartenverkauf. Dazu komme Personal für den Einlass und die ganze Mannschaft vom Restaurant "Zum Bandweber" im Erdgeschoss, das sich um die Versorgung der Gäste bei den Veranstaltungen kümmert.

Dazu verspricht die Rödersaal-Mannschaft technische Klasse bei Bild und Tont – zum Beispiel mit einer LED-Bildwand mit einer Größe von über 30 Quadratmetern und sattem Surround-Sound. Bei einer Tonprobe erfüllte Regenplätschern des Saal so realistisch, dass mancher fast nach dem Schirm greifen wollte.

Ein besonderes Schmuckstück auf der Bühne ist der historische Grotrian-Steinweg-Flügel. Der wurde in marodem Zustand vorgefunden, restauriert und glänzt nun in Nachtblau wie der Bühnenvorhang.
Ein besonderes Schmuckstück auf der Bühne ist der historische Grotrian-Steinweg-Flügel. Der wurde in marodem Zustand vorgefunden, restauriert und glänzt nun in Nachtblau wie der Bühnenvorhang. © René Plaul

Der Spielplan sei bis zur Silvesterparty fertig. Im Dezember knüpft die Rödersaal-Mannschaft zum Beispiel mit dem Format "Zwischen Frühstück und Gänsekeule" an eine bekannte Show des DDR-Fernsehens an.

Bis zum Jahresende soll auch der Hotelbereich mit zwölf Appartements fertiggestellt sein und eröffnen. Bei acht Millionen Euro liege dann die Gesamtinvestitionssumme.

Der neue Kulturtempel für den Raum Dresden sei dabei, sich bekannt zu machen, so Arnim Proft. Dabei sei es unter den Corona-Bedingungen derzeit selbst für gestandene Dresdner Theater schwer, ihr Publikum zu erreichen, weiß er durch seine Kontakte in der Kulturbranche: „Wir haben anfangs in der Herkuleskeule vor 40 Leuten gespielt.“ Die Leute wollen Kultur, seien aber noch verunsichert.

Jugendstil-Ornamente sind zum Beispiel an der Decke des großen Saals zu bewundern.
Jugendstil-Ornamente sind zum Beispiel an der Decke des großen Saals zu bewundern. © René Plaul

Für Kultur unter Corona-Bedingungen sieht sich die Rödersaal Mannschaft aber gerade auch „mit hervorragender Klimatechnik“ gut vorbereitet. Die Luft werde aller 12,5 Minuten komplett gegen Frischluft von draußen ausgetauscht, sodass das Publikum stets entspannt bei bester Luftqualität durchatmen könne, so Arnim Proft.

Bei vollem Haus im großen Saal mit Galerie ist Platz für immerhin 550 Gäste. Ansonsten gilt derzeit die 3-G-Regel. Wer also geimpft oder genesen ist oder einen gültigen Corona-Test vorweisen kann, bekommt Einlass.

Produktionsleiter Steffen Rieger ist optimistisch für den Start. Der Testlauf mit einer heimatkundlichen Veranstaltung im Vormonat sei gelungen. Der kurzfristigen Einladung seien spontan immerhin 200 Leute gefolgt. Das gebe Anlass zur Zuversicht.

Der neue Rödersaal startet mit einem Programm von Ella Endlich am 9. September um 19.30 Uhr - mehr Informationen stehen auf der Internetseite des Rödersaals. Der Ticketverkauf hat ab 1. September von 15 bis 19 Uhr (davor bis 18 Uhr) geöffnet – online rund um die Uhr.

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