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Großröhrsdorf: Im "Grünen Baum" entstehen Wohnungen

Viele Jahre stand die Traditionsgaststätte leer. Jetzt gibt es eine Perspektive.

Architektin Ute Markscheffel hat schon erste Entwürfe für die Umgestaltung der Gaststätte "Grüner Baum" in Großröhrsdorf zu Papier gebracht. Darin sollen Eigentumswohnungen entstehen.
Architektin Ute Markscheffel hat schon erste Entwürfe für die Umgestaltung der Gaststätte "Grüner Baum" in Großröhrsdorf zu Papier gebracht. Darin sollen Eigentumswohnungen entstehen. © René Plaul

Großröhrsdorf. Die Traditionsgaststätte "Grüner Baum" liegt im Dornröschenschlaf. Schon seit vielen Jahren ist das Haus an der Bandweberstraße in Großröhrsdorf geschlossen. Es gab zwar immer mal wieder Versuche, Leben in das Gebäude zu bringen, doch so richtig ist nie etwas daraus geworden. Inzwischen gibt es neue Pläne für den "Grünen Baum" - bei denen aber Gastronomie oder Möglichkeiten zum Tanz wie einst keine Rolle mehr spielen.

Ältere Großröhrsdorfer erinnern sich noch an lebendige Zeiten in dem Gasthaus. 1905 erbaut, war der "Grüne Baum" eines der bekanntesten Tanzlokale in der Region. Der große Saal im Jugendstil bot einen beeindruckenden Anblick. Davon zeugen Deckenmalereien und Säulen mit Ornamentschmuck. Auch eine Galerie gehört zum Saal. Etwa 400 Leute konnten in ihm feiern.

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Zu DDR-Zeiten fanden in dem Gebäude auch Diskoveranstaltungen, oft auch mit einer Live-Band, statt. In der Zeit des Leerstandes nutzten die Volleyballerinnen des Dresdner Sportklubs die Kulisse des Hauses für ein Fotoshooting für ihren Jahreskalender. Das war 2013.

Zwölf Eigentumswohnungen sind geplant

Jetzt also ein Neuanfang. Die Firma SST Immobilien aus dem baden-württembergischen Neuenbürg Arnbach erwarb die Immobilie und will sie nun über die Walther Projektmanagement GmbH aus Dresden sanieren. Die Gesellschaft kann auf eine Reihe vom Projekten verweisen, bei denen es um die Umgestaltung historischer Bauten ging. Beispiele sind das ehemalige Lehrlingswohnheim in Großröhrsdorf, das Rittergut in Großharthau oder jetzt parallel zum Grünen Baum der Wohnpark in der alten Weberei in Großröhrsdorf.

"Wir haben Erfahrungen mit solchen Objekten, die zum großen Teil unter Denkmalschutz stehen", sagt Eiko Großmann, Geschäftsführer von Walter Projektmanagement. Mit Blick auf den "Grünen Baum" sagt er, dass es schade wäre, wenn solche Gebäude nicht erhalten werden.

In dem ehemaligen Gasthaus sollen zwölf Wohnungen entstehen, die in ihrem Grundriss ganz unterschiedlich sind. Dabei handelt es sich um Eigentumswohnungen mit einem ansprechenden Standard. "Diese Wohnungen sollen ganz individuell ausgestattet werden", sagt Eiko Großmann. Die künftigen Besitzer könnten also noch während der Sanierung und der Einrichtung ihre Wünsche äußern, sozusagen selbst mit gestalten. Das könne verschiedene Einrichtungselemente betreffen, zum Beispiel die Art des Fußbodens oder bestimmte Einbaugegenstände im sanitären Bereich.

Saal soll als Einheit erhalten bleiben

Auf zwei Punkte legt der Geschäftsführer besonderen Wert: Der Saal soll in seiner Grundstruktur erhalten bleiben und nicht "zerhackt" werden. "Schon allein die Decke ist ein echter Blickfang, der nicht zerstört werden darf", stellt Eiko Großmann fest. In welcher Form dann der Saal-Bereich vermarktet wird, sei noch unklar. Es gebe verschiedene Denkansätze, Konzepte würden diskutiert. "Natürlich nehmen wir auch gern Ideen von potenziellen Interessenten auf, um dann gemeinsam zu versuchen, diese umzusetzen", sagt der Geschäftsführer.

Ganz wichtig ist für ihn außerdem, dass das äußere Erscheinungsbild des "Grünen Baums" erhalten bleibt und vielleicht noch ursprünglicher wird als gegenwärtig. Zu DDR-Zeiten seien zum Beispiel Fenster zugemauert worden, die wolle man jetzt wieder frei legen. Das alles passiere in enger Absprache mit den Denkmalbehörden.

Das Projekt in Großröhrsdorf steht noch ganz am Anfang. "Wir wollen in diesem Jahr das Konzept mit der Architektin Ute Markscheffel erst einmal weiterentwickeln", sagt Eiko Großmann. Dazu komme die Abstimmung mit beteiligten Unternehmen wie Medienträgern. Baulich werde sich noch nichts tun.

Preis für die Wohnungen steht noch nicht fest

Der Geschäftsführer rechnet damit, dass vielleicht Anfang 2022 der Bauantrag gestellt werden kann. Aus diesem Grund könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch keine Aussagen zur Investitionssumme und den Preisen für die Wohnungen machen. "Das hängt dann von den konkreten Planungen ab", schätzt Großmann ein. Auch die Vermarktung könne dann erst beginnen.

Ein Problem konnte allerdings bereits jetzt gelöst werden: die Frage der benötigten Parkplätze. Um entsprechende Stellplätze zu schaffen, plante SST Immobilien, Flächen auf der gegenüberliegenden Seite des Gasthofes von der Stadt zu erwerben. Denn auf dem eigenen Grundstück sind nur acht Stellplätze möglich. Die Stadt hat nun den bestehenden Parkplatz gegenüber vom Netto angeboten. Aktuell stehen dort Wertstoffcontainer, die nach Aussage der Stadt versetzt werden. Das Buswartehäuschen, das sich ebenfalls auf der Fläche befindet, bleibt aber an seinem Platz.

Parkplatzfrage ist bereits geklärt

In seiner Beratung im Januar hatte der Stadtrat dem Antrag zugestimmt und den Bürgermeister beauftragt, Vertragsverhandlungen zu führen. Es geht um eine Fläche von 820 Quadratmetern. Der Verkaufspreis liegt bei 75 Euro pro Quadratmeter. Nach Aussage von Bürgermeister Stefan Schneider (parteilos) ist der Verkauf inzwischen vollzogen.

Noch werden die Großröhrsdorfer eine Weile warten müssen, bis der "Grüne Baum" wieder im früheren Glanz erstrahlt. Aber nach dem langen Leerstand ist mit der geplanten Sanierung das Ziel nun klar.

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