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Taxi zum Impfen: Krankenkassen sollen zahlen

Im Landkreis Bautzen gibt es viel Kritik an den weiten Wegen zur Immunisierung. Jetzt reagiert das Sozialministerium.

Das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen befindet sich am Flugplatz in Kamenz . Derzeit werden hier 150 bis 200 Menschen am Tag immunisiert.
Das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen befindet sich am Flugplatz in Kamenz . Derzeit werden hier 150 bis 200 Menschen am Tag immunisiert. © Matthias Schumann

Kamenz/Bautzen. Auf die Kritik an den teilweise weiten Wegen zum Impfzentrum des Landkreises Bautzen in Kamenz und die Frage, warum es nicht mehr Impfstellen gibt, reagiert jetzt das Sozialministerium. Eine Begründung für die aktuelle Struktur liefert es nicht. Eine Sprecherin lässt wissen: „Momentan erfolgt die Impfung älterer Personen nur in den eingerichteten Impfzentren. Dieses kann innerhalb Sachsens frei gewählt werden – Personen, die in Radebeul leben, können sich beispielsweise auch in Dresden impfen lassen.“ Für Einwohner aus dem Bautzener Oberland heißt das zum Beispiel, dass sie sich ihre Spritze auch im Impfzentrum in Löbau geben lassen können.

Die Sprecherin kündigt nun weitere Schritte an. Die gehen in eine ähnliche Richtung wie das Konzept des DRK als Organisator der Corona-Impfkampagne im Landkreis für mobile Impfzentren auf Rädern. „Es ist geplant“, erklärt die Ministeriumssprecherin, „nach Beendigung des Einsatzes der mobilen Teams in den Alten- und Pflegeheimen auch in temporären Außenstellen an verschiedenen Orten in den Landkreisen zu impfen.“ Momentan laufen Abstimmungen dazu, auch mit den Kommunen vor Ort. Die Menschen werden noch um etwas Geduld gebeten.

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Betroffene sollen sich an Krankenkassen wenden

Bis es so weit ist, steht nach wie vor die Frage, wie ältere Menschen, die selbst nicht mehr Auto fahren, zu den Impfzentren kommen. Dafür bleibt das Taxi die beste Lösung, lässt sich den Aussagen des Sozialministeriums entnehmen. Und die Senioren sollen nicht auf den Kosten sitzenbleiben, wie es erst jüngst einem Ehepaar aus Wilthen erging. Über 50 Euro zahlten die über 90-Jährigen für eine Fahrt. Angehörigen war es in dem Fall nicht gelungen, einen Weg im Paragrafendschungel zu finden.

Nun hält das Ministerium fest: Wenn Senioren auch außerhalb von Corona bereits die Taxikosten/Fahrtkosten zu medizinischen Behandlungen von der Krankenkasse erstattet werden, dann sei es auch für die Fahrt zum Impfzentrum möglich. Ansonsten gilt laut Ministerium folgendes: „Krankenkassen sollen die Fahrtkosten für das medizinisch notwendige Transportmittel bis zum nächsten Impfzentrum übernehmen“, sagt die Sprecherin.

Das gelte in allen Fällen, in denen die Schutzimpfung gegen das Corona-Virus nicht durch ein mobiles Impfteam oder durch anderweitige Maßnahmen der Bundesländer sichergestellt werde. Also in Sachsen demnach auch für Anfahrtswege zum Impfzentrum nach Kamenz. Das habe laut Ministerium der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung in den Sonderregelungen zur Corona-Pandemie empfohlen. Die Regelung gelte für die Versicherten zeitlich befristet bis März 2021. Die Ministeriumssprecherin bittet die betroffenen Senioren, diesbezüglich Kontakt zu ihrer Krankenkasse aufzunehmen.

So berichtete Sächsische.de bisher über Pläne für mobile Impfzentren:

Bis Mitte Februar sollten die Bewohner der vollstationären Pflegeheime im Freistaat und auch im Landkreis Bautzen mit der Erstimpfung gegen Covid-19 versorgt sein. So lautete das ehrgeizige Ziel des sächsischen Sozialministeriums. Das ist nicht mehr zu halten. In einer Online-Diskussion zum schleppenden Impfstart in Bautzen und Sachsen Montagabend nannte Dr. Kai Kranich, Pressesprecher des DRK-Landesverbandes Sachsen, aktuelle Zahlen. Eingeladen zu dem Forum hatte Caren Lay, Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Bautzen und Linken-Politikerin.

Die mobilen Impfteams im Kreis haben nach den Informationen von Kai Kranich von den 85 Pflegeeinrichtungen auf der Impfliste inzwischen 60 Prozent mit der Erstimpfung erreicht und ein Viertel mit der Zweitimmunisierung.

Ziel sei es jetzt bis Mitte März, die Impfung in den Pflegeheimen komplett abzuschließen. Im Landkreis Bautzen habe das DRK inzwischen 7.000 Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeheimen Erst- und reichlich 2.000 bereits zweitimmunisiert.

Aufgaben für mobile Impfteams erweitern

Die Pläne beim DRK gehen unterdessen schon weiter. Das betrifft gerade auch Senioren im Altenbetreuten Wohnen. Aus dem Bereich hatte es gerade auch in Kamenz Fragen von Angehörigen bei Saechsische.de gegeben, warum diese Menschen bisher außen vor gelassen werden beim Impfen. Ähnliches formulierte der Bautzener Linken-Stadtrat Steffen Grundmann, selbst in der Pflege tätig, in einem Wohnheim für behinderte Menschen, aber eben kein Pflegeheim.

„Die Impfung war für uns der Lichtblick, die Hoffnung, dass endlich wieder Normalität einzieht.“ Dann die Enttäuschung, dass das Wohnheim erstmal nicht drankommt. "Zumindest die über 80-Jährigen mit Pflegestufe sollten doch geimpft werden", so Grundmann. Das soll nun in der kommenden Woche passieren.

Das DRK will auf solche Fragen reagieren und den Aufgabenradius der mobilen Impfteams zum Beispiel auf Betreutes Wohnen ausweiten. Außerdem, so Kai Kranich, „haben wir Vorschläge formuliert und arbeiten an einem Konzept für rollende Impfzentren".

Wie eine Art rollende Hausarztpraxis soll das funktionieren, die eine Woche bleibt und dann zum nächsten Standtort umzieht, um damit viele Menschen zu erreichen und Wege zum Impfen zu verkürzen. Der Freistaat müsse allerdings erst sein Okay zu dem Konzept geben, damit das DRK die Vorbereitungen treffen könne.

Viel Lob für freundliches Personal

Der Stau von Impfkandidaten in Kamenz Anfang Februar am Impfzentrum bleib nicht unerwähnt. Er hatte viele Ursachen. Auf eine ging Kai Kranich jetzt erneut ein – die Arztgespräche. Zwei bis sechs Minuten seien dafür geplant.

Es habe zeitweise aber sehr viel mehr Aufklärungsbedarf gegeben. Dabei handele sich eigentlich um eine Untersuchung zur Impftauglichkeit, kein Aufklärungsgespräch, so Kranich. Das DRK bitte die Bürger deshalb, sich schon etwas vor zu informieren, zum Beispiel beim Hausarzt, um den Beratungs-Druck aus dem Impfzentrum zu nehmen. So bleibe mehr Zeit für den Picks.

Nach der Ausnahmesituation habe sich die Lage schnell entspannt. So erreichte Saechsische.de inzwischen etliche positive Wortmeldungen, Lob und Dankbarkeit für die pünktliche und sehr fürsorgliche Arbeit des Personals. Der Betrieb habe sich derzeit zwischen 150 und 200 Impfungen täglich eingependelt, sagte Kranich gegenüber Saechsische.de .

"Die 13 Impfzentren sollten eigentlich an einen Punkt gebracht werden, 13.000 Menschen an einem Tag in Sachsen zu impfen." Davon sei man allerdings noch weit entfernt, so Kranich. Zwischen 5.000 und 7.500 täglich seien es derzeit. Solange der Impfstoff so limitiert sei, gehe nicht mehr: "Das wird sich aber in den nächsten Wochen ändern."

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