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Kamenz: Der erste Blick ins neue Impf-Zentrum

Anmeldung, Arztgespräch, Spritze - so funktioniert das neue Corona-Impfzentrum am Flugplatz.

Pflegedienstmitarbeiterin Ute Diesing hat es fast geschafft. Sie bekommt von Andrea Kuhnert den Corona-Impfschutz. Das Impfzentrum des Kreises in Kamenz hat am Montag seine Arbeit aufgenommen.
Pflegedienstmitarbeiterin Ute Diesing hat es fast geschafft. Sie bekommt von Andrea Kuhnert den Corona-Impfschutz. Das Impfzentrum des Kreises in Kamenz hat am Montag seine Arbeit aufgenommen. © René Plaul

Kamenz/Bautzen. Mit einem Kuvert in der Hand steuert Ute Diesing das Corona-Impfzentrum des Landkreises Bautzen in Kamenz am Flugplatz an. Das hat den dritten Tag geöffnet und die Pflegedienstmitarbeiterin genau für 9.06 Uhr einen Termin erhalten mit Bestätigung und Buchungsnummer. Wegen ihrer Tätigkeit gehört sie zum Personenkreis, der jetzt zuerst immunisiert wird. Die Radebergerin ist in der Intensivpflege tätig, so auch in einer Wohngruppe in Bautzen. Sie habe sich gut informiert, das baue Vorbehalte gegenüber der Corona-Impfung ab. Die sei für sie wichtig, zum Schutz der Patienten, der Familie und „natürlich für mich selbst“. Noch vor der Hallentür kommt für sie und alle Impfkandidaten der erste Stopp.

Station 1: In einem Zeltpavillon erwartet ein Security-Mitarbeiter die Impfkandidaten. Bei den frostigen Temperaturen sorgt ein Gasheizer für etwas Wärme. Er gleicht die Buchungsnummer mit seiner Liste ab. Wer nicht erfasst ist, bekommt keinen Zugang. Bei Ute Diesing geht alles glatt.

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Sieben Bundeswehrsoldaten unterstützen das Deutsche Rote Kreuz bei der Organisation des Impfzentrums in Kamenz. Sie übernehmen zum Beispiel die Registrierung der Patienten.
Sieben Bundeswehrsoldaten unterstützen das Deutsche Rote Kreuz bei der Organisation des Impfzentrums in Kamenz. Sie übernehmen zum Beispiel die Registrierung der Patienten. © René Plaul

Station 2: Im Foyer der Sporthalle empfängt ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Ute Diesing. Er kontrolliert die Anmeldeunterlagen. Auch werden die Impfkandidaten mit weiteren Bögen zur Aufklärung und Anamnese (Gesundheitsvorgeschichte) sowie der Einwilligungserklärung versorgt. Ein älterer Herr erzählt, wie froh er über den Termin sei. Ohne seinen Enkel hätte er es nicht übers Internet geschafft.

So berichtet auch Ute Diesing von den Hürden bei der Terminvergabe. Sie habe etliche Stunden gebraucht und sei immer wieder im System hängen geblieben, bis der Termin für Kamenz endlich bestätigt war. DRK-Presseprecherin Franziska Weiß kann derzeit nur empfehlen, Geduld mitzubringen. Sie versichert aber, dass es kein spezifisches Problem der Terminvergabe in Kamenz sei.

Station 3: Ein Bundeswehrsoldat registriert alle Impfwilligen und liest die Krankenkarte der Radebergerin ein. Sie erhält einen Laufbogen und eine Impfbescheinigung, die der Arzt später ausfüllen solle. Auf dem Laufbogen wird dokumentiert, in welchen Arm geimpft wird. Auch der Impfstoff und der zweite Impftermin werden vermerkt. Bis dahin geht es zügig. Nun allerdings stockt es. 9.06 Uhr ist längst vorbei. Ein älterer Herr beklagt sich bei Peter Mark, dem DRK-Geschäftsführer des Landkreises Bautzen, über die Organisation. Schon weit über eine halbe Stunde warte er.

Peter Mark entschuldigt sich für die Verzögerung. Das DRK sammle noch Erfahrungen: „Wir werden darauf reagieren und das verbessern.“ Wichtig sei, dass die Leute wirklich erst kurz vor ihrem Termin eintreffen. Etliche kämen deutlich eher. Beim Bautzener DRK war man auch davon ausgegangen, dass derzeit noch keine individuellen Termine vergeben werden.

Pflegedienstmitarabeiterin Ute Diesing auf dem Weg zur nächsten Station im Impfzentrum.
Pflegedienstmitarabeiterin Ute Diesing auf dem Weg zur nächsten Station im Impfzentrum. © René Plaul

Das sei aber durchaus schon jetzt der Fall, wenn die Impfstoffkapazitäten es hergeben würden, erklärt DRK-Pressesprecherin Franziska Weiß. So sitzen am Mittwochvormittag an die 20 ältere Herrschaften vor den Prellschutzwänden der Sporthalle und warten auf das Arztgespräch. Etwas Unmut hat sich Wartende schauen auf die Uhr, vor allem die Begleitpersonen, die sich freigenommen haben und wieder zum Job müssen. Inzwischen bringen DRK-Mitarbeiter weitere Stühle.

„Die Arztgespräche sind das Nadelöhr“, erklärt Peter Mark. Die können fünf oder auch 15 Minuten dauern: „Es sind sehr viele intensive Gespräche.“ Er sei aber froh, dass das Zentrum nach so kurzer Zeit läuft: „Das System funktioniert, aber es muss schneller werden.“ Der DRK-Chef telefoniert. Das Impfzentrum bekomme noch einen dritten Arzt für die Aufklärungsgespräche, dann sollte sich die Situation entspannen.

200 Immunisierungen pro Tag sind auf einer Impfstrecke das Ziel, so der sächsische DRK-Sprecher Kai Kranich. Im Kamenzer Impfzentrum sind derzeit vier Impfstrecken aufgebaut, aber nur eine in Betrieb. Eine Impfstrecke bedeutet: ein Warteraum, eine Arztkabine und vier Impfkabinen. Wann die restlichen drei Impfstrecken in Betrieb gehen können, hänge vom Impfstoffvorrat ab.

Am Dienstag konnten so nur etwa 100 Menschen geimpft werden. Bis zu 800 bis 1.000 pro Tag sollen es einmal werden. Um solche Impfzahlen zu erreichen, werde der Ablauf recht eng getaktet. Ansonsten entstünden auch Leerlaufzeiten, die man vermeiden wolle. Die gab es Mittwochvormittag eher nicht.

Aufkärungsgespräch zur Covid-19 Impfung mit Arzt Radoslav Bayadzhiev.
Aufkärungsgespräch zur Covid-19 Impfung mit Arzt Radoslav Bayadzhiev. © René Plaul

Station 4: DRK-Helferin Michaela Suchy begleitet Ute Diesing endlich weiter zu Raum B1. Für die geräumige Kabinenflucht wurden Stellwände aus dem Messebau zusammengesetzt. Michaela Suchy ist normalerweise als Unternehmensberaterin tätig und hat sich als Helferin gemeldet, „weil wir doch alle wollen, dass wieder Normalität ins Leben einzieht“.

Zu den Impfärzten gehört Radoslav Boyadzhiev. Ob alles im Aufklärungsbogen verständlich sei, will er von Ute Diesing wissen. Es geht um akute und chronische Erkrankungen, frühere Impfreaktionen, Medikamente. Die Pflegemitarbeiterin ist gut vorbereitet und hat den Anamnese-Bogen bereits ausgefüllt. In wenigen Minuten ist das Beratungsgespräch erledigt. Gerade bei älteren Herrschaften dauere es aber länger. Es seien viele Fragen anzusprechen: „Die Patienten dürften ja nicht blind unterschreiben“, sagt der Arzt.

Geimpft wurde am Mittwoch mit dem Serum Comirnaty von Biontech/Pfizer.
Geimpft wurde am Mittwoch mit dem Serum Comirnaty von Biontech/Pfizer. © René Plaul

Station 5: Immunisiert wird mit dem Serum von Biontech/Pfizer. Der ursprünglich gefrostete Impfstoff wird aufgetaut angeliefert und ist in einem medizinischen Kühlschrank bei 2-8 °C bis zu fünf Tage haltbar. Vor Ort bereitet medizinisches Personal das Präparat auf, erklärt Kai Kranich.

Es wird mit isotoner Kochsalzlösung verdünnt bevor Andrea Kuhnert als medizinische Fachangestellte die Spritze aufziehen kann. Das passiert in der nächsten Kabine. Dort wird die Radebergerin schon erwartet. „Nichts zu spüren“, sagt sie nach dem Einstich und darf in den hinteren Wartebereich vor dem Ausgang.

Station 6: Hier übernimmt Soldat Christopher Wehrheim und fragt nach Nebenwirkungen, wie Schwindelgefühl oder Schmerzen im Arm. „Alles in Ordnung“, sagt Ute Diesing. Wenn das 15 Minuten so bleibt darf die Pflegedienstmitarbeiterin auf der anderen Seite der Halle auschecken. Kurz nach 10.30 Uhr ist alles überstanden.

So sei das System schon gut, schätzt Ute Diesing ein. Dass es anfangs noch ein bisschen holprig läuft, habe sie erwartet, sagt auch Katja Förster aus Lauta, sie habe es einkalkuliert. Sie hat ihre Oma begleitet. Der gehe es super. Ute Diesing wird nun am 3. Februar, 9 Uhr wieder zur Zweitimpfung in die Halle kommen, um den Schutz zu komplettieren. Dann, so hofft auch Peter Mark, hat sich das System längst eingespielt.

Mit dem Termin für die Zweitimpfung in der Tasche, kann Ute Diesing im Impfzentrum auschecken und die Heimfahrt antreten.
Mit dem Termin für die Zweitimpfung in der Tasche, kann Ute Diesing im Impfzentrum auschecken und die Heimfahrt antreten. © René Plaul

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