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Kamenz: Neue Wohnungen in alter Armee-Küche

Am Ganisonsplatz soll eins der letzten leeren Gebäude saniert werden. Auf drei Etagen sind 16 Wohnungen geplant. Dabei werden aktuelle Trends berücksichtigt.

So stellt sich der Investor das frühere Militärgebäude auf dem Garnisonsplatz in Kamenz vor, in dem Wohnungen entstehen sollen. Derzeit steht das Objekt leer.
So stellt sich der Investor das frühere Militärgebäude auf dem Garnisonsplatz in Kamenz vor, in dem Wohnungen entstehen sollen. Derzeit steht das Objekt leer. © Visualisierung: Stadtverwaltung Kamenz/Investor

Kamenz. Wo früher Stiefel auf den Exerzierplatz knallten, parken heute Autos. In ehemaligen Militärgebäuden am Kamenzer Garnisonsplatz ist das größte Verwaltungszentrum des Landkreises Bautzen entstanden - Teile der Landkreisverwaltung haben dort ihren Sitz und viele weitere Behörden wie das Statistische Landesamt und das Rechenzentrum des Freistaates. Genau zwischen den beiden Behördengebäuden steht noch ein grauer Bau mit vermauerten Fensterhöhlen.

Die Chancen stehen nun gut, dass sie sich in absehbarer Zeit wieder öffnen. Es gibt einen neuen Investor, nachdem sich vorherige Pläne zerschlugen. Bei der Genehmigungsbehörde beim Landkreis Bautzen liegt bereits der Bauantrag vor.

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Investor ist nach Informationen von Sächsische.de die Firma Elbtalimmobilien aus Dresden. Die habe nach eigenen Aussagen seit Jahren Erfahrungen in der Sanierung „denkmalgeschützter Altbauten“, wie zum Beispiel von Gründerzeithäusern an der Niederstraße in Radeberg. So sei das Unternehmen in der Lage, „selbst schwierige Fälle zu lösen“.

Balkone werden angebaut

In dem früheren Militärgebäude plant die Firma, 16 Wohnungen auszubauen. Jeweils sieben sollen sich im Erd- und ersten Obergeschoss befinden, weitere zwei im Dachgeschoss. Auf allen Etagen gibt es laut Planung künftig Abstellräume für die Mieter. Im Plan sind Zwei- bis Vierraumwohnungen. Letztere zum Beispiel mit zwei Kinderzimmern. In den Plänen sind auch offene Bereiche fürs Kochen, Essen und Wohnen vorgesehen, wie sie im Trend liegen.

Der Komplex steht unter Denkmalsschutz. Deshalb wurde das Landesamt für Denkpflege in die Umbau-Pläne einbezogen. Trotz des Denkmalschutzes wird es aber möglich sein, Balkonanlagen vor die Fassade zu bauen, um die Attraktivität der Wohnungen zu erhöhen.

Um den Parkbedarf sicherzustellen, sollen mindestens 16 Stellplätze auf einem gegenüberliegenden Grundstück am Siedlungsweg neben dem Edeka-Parkplatz entstehen. Das gehöre laut Stadt ebenfalls dem Investor.

Derzeit ist der Gebäudekomplex noch ein Schandfleck zwischen vielen sanierten Objekten.
Derzeit ist der Gebäudekomplex noch ein Schandfleck zwischen vielen sanierten Objekten. © Matthias Schumann

Im Vorfeld habe es auch Schalluntersuchungen gegeben, lässt die Stadt Kamenz wissen. Danach schließt sie aus, dass es zwischen dem neuen Wohnstandort und dem Gewerbe nördlich des Siedlungsweges Lärmprobleme geben wird.

Die Stadt sei sehr froh, „dass mit der Investition auf den Bedarf an hochwertigem Wohnraum durch private Investoren in unserer Stadt reagiert wird“, sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Weil es sich um ein Objekt von städtebaulicher Bedeutung handelt, befasste sich jetzt der Stadtentwicklungsausschuss damit und sprach sich für das Projekt aus.

„Wohnungen sind natürlich immer gut“, sagte Ausschussmitglied Anne Hasselbach (Stadt-Land-Frau). Sie sehe das Projekt positiv. Zumal das Gebäude lange leer stand. Die vielseitigen Grundrisse würden unterschiedlichen Ansprüchen entgegenkommen. Sie finde die Pläne auch rein optisch gelungen: „Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Gebäude anders nutzen lässt." Das Projekt füge sich gut in das Stadtgebiet ein. In der Nähe befinde sich bereits Wohnbebauung. Die Nahversorgung sei gesichert. Sie hoffe, dass es nun auch so entstehe, denn die Nachfrage sei da.

Bau mit langer Militärgeschichte

Die künftigen Bewohner würden damit in ein Gebäude mit langer Militärgeschichte ziehen, die bis ins Jahr 1896 zurückgeht. Früher befand sich an dieser Stelle unter anderem eine Küche mit Speisesaal für das Militär. So habe dort zum Beispiel zu DDR-Zeiten der Offiziersnachwuchs von der Sektion Flugabwehrraketentruppen gespeist, der nebenan studierte, erklärt der Kamenzer Heimatforscher Norbert Portmann. Wobei wohl schon in den Jahrzehnten zuvor dort für den Militärstandort gekocht wurde. Allerdings sei darüber hinaus bekannt, dass 1933 in dem Gebäude Kamenzer Antifaschisten von den Nazis inhaftiert wurden.

Wer den Blick heute über den Platz kreisen lässt, sieht viele schick sanierte Gebäude. Die frühere Armee-Küche könnte bald ebenso aussehen. Dann gehöre tatsächlich das Gebäude mit der Hausnummer 11 zu den kaum noch vorhandenen unsanierten Gebäuden im Bereich des Garnisonsplatzes, schätzt OB Roland Dantz ein. Die "11" ist ein großer Bau gegenüber des Landratsamtes auf der anderen Seite des Platzes. „Nach wie vor wird dieses Objekt für landeseigene Nutzung vorgehalten“, so Dantz. Eine Nachfrage von Saechsische.de beim Freistaat zu den Plänen blieb bisher unbeantwortet.

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