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Kamenz: Kommt ein Café ins Winzereck?

Die Stadt will das ungenutzte Gebäude am Markt kaufen und etwas draus machen. Dazu braucht sie aber noch ein weiteres Haus.

Sieglinde Tschentscher, Angelika Peters und Thomas Schöne (v.l.) von der Initiative der Gartenfreunde Kamenz und Umgebung haben die Schaufenster vom leerstehenden Winzereck frisch dekoriert. Die Stadt will jetzt für die Belebung des Gebäudes sorgen.
Sieglinde Tschentscher, Angelika Peters und Thomas Schöne (v.l.) von der Initiative der Gartenfreunde Kamenz und Umgebung haben die Schaufenster vom leerstehenden Winzereck frisch dekoriert. Die Stadt will jetzt für die Belebung des Gebäudes sorgen. © Matthias Schumann

Kamenz. Im Kamenzer Winzereck gibt es schon längere Zeit keine Winzerei-Produkte mehr. Dafür blättert die Farbe. Damit die Schaufenster nicht ganz so trostlos aussehen, hat sich jetzt schon mehrfach die Initiative der Gartenfreunde von Kamenz und Umgebung um die Dekoration der Schaufenster gekümmert – erst am Donnerstag wieder. Damit die Auslagen nicht so trostlos anzusehen, sondern ein richtiger Blickfang sind.

Denn es handelt sich um ein prominentes Eckgebäude am Markt. Es befindet sich aber in privatem Besitz. Die jetzigen Eigentümer sind offenbar nicht in der Lage oder willens das Gebäude zu entwickeln. Vielleicht hat das Engagement der Gartenfreunde aber auch demnächst ein Ende. Denn es zeichnet sich Bewegung ab. Für die Stadt bietet sich jetzt die Chance, die Dinge beim Winzereck selbst in die Hand zu nehmen. Denn das Gebäude soll den Eigentümer wechseln.

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Für die Stadt ist die Bedeutung des Winzerecks immens: als „hochwertiges Einzeldenkmal“, wie es heißt, noch dazu im innerstädtischen Sanierungsgebiet. Dazu kommt die exponierte Lage des Gebäudes im Stadtzentrum und noch eine wichtige Aufgabe als Eck-Gebäude im Übergang von der Bautzener Straße zum Markt. Deshalb will die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend machen und selbst einsteigen. Darüber sollte jetzt der Stadtrat entscheiden.

Stadt plant Sanierung des Denkmals

Es gibt wohl schon einen anderen potenziellen Käufer. Dessen angestrebte Nutzungspläne decken sich aber offenbar nicht unbedingt mit den städtebaulichen Vorstellungen im Rathaus. So will die Stadt zum Beispiel keinen Textilanbieter im niedrigen oder mittleren Preissegment in diesem Ladengeschäft. Das stehe den Zielen der Kommune entgegen.

Außerdem brauche das Baudenkmal in seiner Dominanz eine behutsame Hand bei der Sanierung. Die soll mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft SWG das eigene Tochter-Unternehmen sichern und voraussichtlich auch den Kauf abwickeln. Wenn es nach den Vorstellungen der Stadt geht, wird nach der Sanierung Gastronomie ins Erdgeschoss einziehen, ein Café ist im Gespräch. Es soll sogar schon einen Interessenten dafür geben.

Gewerbefläche soll vergrößert werden

Für solche Pläne erscheint die Gewerbefläche mit 75 Quadratmetern allerdings etwas klein. Aber auch für das Problem hätte die Stadt schon eine Lösung parat. Sie will mit der Eigentümerin des Nachbarhauses auf der Bautzener Straße verhandeln. Das Gebäude stehe seit geraumer Zeit für 65.000 Euro zum Verkauf. So wäre es möglich, die beiden Erdgeschoss-Zonen zu verschmelzen. Die Fläche wäre dann perfekt.

Vorausgesetzt der Stadtrat stimmt dem Kauf zu. „Insofern besteht jetzt vielleicht die einmalige Chance, dieser exponierten Lage aus stadtplanerischer Sicht auch eine exponierte Nutzung zu schaffen“, so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Das traut die Stadt dem privaten Interessenten nicht zu. Und würde die Stadt jetzt nicht handeln, wäre die Chance wohl für einen langen Zeitraum vertan. Jetzt bestehe die Gelegenheit, den seit vielen Jahren bestehenden städtebaulicher Missstand zu beseitigen und etwas Schickes aus der Markt-Ecke zu machen.

Fragen kamen vor dem Kauf-Beschluss im Stadtrat zur Finanzierung des Projektes auf, zumal das Gebäude sanierungsbedürftig ist. Bezahlen will die Stadt die Immobilie über den Erlös aus einem Grundstückstauschgeschäft. Das bringe 117.000 Euro. Davon würden 110.000 Euro ins Winzereck fließen. Aber letztlich ist es damit nicht getan.

Die Diskussion wurde dann in den nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung geschoben und dort auch ein Beschluss gefasst, wie die Stadt auf Nachfrage von Sächsische.de bestätigt. Damit wäre der Weg frei für die Übernahme durch die Stadt beziehungsweise durch die städtische SWG.

Schaufenster weisen auf Tag der offenen Gartenpforte hin

Im Winzereck wurden schon zu DDR-Zeiten unter anderem Weine und Süßwaren verkauft; auch noch lange nach der politischen Wende bis 2012. Dann folgten Leerstand und Zwischennutzungen als Bürgertreff. Mancher erinnert sich vielleicht noch an das Eltern-Kind-Frühstück. Die Malfrauen nutzten das Winzereck und manchmal eine Lampenschirmwerkstatt.

Seit dem Vorjahr gestalteten die Gartenfreunde die beiden Schaufenster des leerstehenden Ladens. Die Idee entstand gemeinsam mit dem Kamenzer Händler-Verein, der City-Initiative. Die aktuelle Schaufenster-Deko bereitet nun quasi die Zweitauflage, des Tages der offenen Gartenpforte vor, den es im Vorjahr erstmals gab.

Die ist am 20. Juni geplant, so Thomas Schöne von der Garteninitiative - wenn Corona das zulasse. 15 Hobbygärtner wollen diesmal dabei sein und auf ihre Grundstücke zum Schauen einladen. Die Winzereck-Schaufenster würden sie auch weiterhin dekorieren - bis dort neues Leben einzieht.

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