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Ein neues Museum für Kamenz

Die Posthalterei, eins der ältesten Kamenzer Gebäude, wird seit Monaten saniert. Nun gibt es eine Idee, was ins Erdgeschoss einziehen soll.

Sieht aus wie eine Skatrunde, geht aber um Kunst: Der Kamenzer OB Roland Dantz, Kurator Johannes Schwab und Museumsleiterin Dr. Sylke Kaufmann (v.l.) halten ein Kartenspiel zur Dada-Kunst in den Händen. Die soll in die alte Posthalterei einziehen.
Sieht aus wie eine Skatrunde, geht aber um Kunst: Der Kamenzer OB Roland Dantz, Kurator Johannes Schwab und Museumsleiterin Dr. Sylke Kaufmann (v.l.) halten ein Kartenspiel zur Dada-Kunst in den Händen. Die soll in die alte Posthalterei einziehen. © SZ/Reiner Hanke

Kamenz. Die Handwerker wirbeln seit Monaten in der alten Posthalterei in Kamenz, der Innenausbau geht voran. Eigentümer des Gebäudes ist seit etwa einem Jahr die Stiftung „Pro Gemeinsinn“. Geschäftsführerin Anne Zöllner hofft, dass die Stiftung Anfang des kommenden Jahres einziehen kann. Und damit in eines der ältesten Gebäude der Stadt. Das Renaissance-Relief am Eingang wird auf 1545 datiert.

Die Stiftung habe den maroden Bau für die Stadt gerettet, sagt die aus dem Haselbachtal stammende Wahl-Berlinerin, schon etwas stolz. Immerhin werde die Sanierung der verfallenen Substanz am Ende rund 1,5 Millionen Euro kosten, 300.000 Euro mehr als ursprünglich geplant.

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Nun geht es um Pläne, wie das Gebäude mit Leben erfüllt werden kann. Klar ist, dass die Stiftung im Obergeschoss ihre Zentrale für Sachsen einrichten wird. Die Stiftung ist unter anderem als Betreiber von Kitas und Horten aktiv.

Das Erdgeschoss, so der Wunsch von Anne Zöllner, sollte vor allem für die Öffentlichkeit da sein. Kunst und kreative Angebote sollen dort ein Zuhause bekommen. Vom Renaissance-Portal des Gebäudes an der Zwingerstraße könnte es zum Beispiel direkt in einen Galerieraum gehen.

Das Renaissance-Portal am Eingang der alten Posthalterei wird wieder hergerichtet.
Das Renaissance-Portal am Eingang der alten Posthalterei wird wieder hergerichtet. © René Plaul

Dafür gibt es nun ein Kunstprojekt, das die Stadtverwaltung derzeit vorantreibt. Über eine Architektin war der Kontakt zu einer Künstlergruppe aus Dresden und Umgebung entstanden, die sich seit einigen Jahren mit Dada-Kunst beschäftigt. Die hat ihren Ursprung vor gut 100 Jahren und war damals eine Art Revolte gegen die etablierte Kunst, findet aber auch bis heute Eingang in künstlerische Arbeiten. So auch in Projekten der Künstlergruppe um Frank Voigt aus Nossen.

Hauptsächlich geht es dabei um Collagen, an denen mehrere Künstler arbeiten. Spielerisch zusammengesetzt, wie es Frank Voigt beschreibt. Die Werke sind auch auf dem Postweg quer durch die Welt unterwegs und werden immer weiter vervollständigt. Man spricht auch von Mail-Art, also Post-Kunst, womit auch wieder der Bogen zur alten Posthalterei geschlagen wird. So entstehen Kunstwerke mit internationaler Beteiligung von den USA über Russland bis Japan. 40 Künstler aus fast 30 Ländern waren bisher beteiligt.

Künstler suchen Ort für dauerhafte Ausstellung

Aber was verspricht sich die Stadt Kamenz davon? Unter dem Dach der „Städtischen Sammlungen Kamenz“ befinden sich bereits drei Häuser, mit denen die Stadt Erfahrungen hat, erklärte Leiterin Dr. Sylke Kaufmann jetzt vor dem städtischen Kulturausschuss. Alle seien im Kunstbereich spezialisiert: das Lessingmuseum ebenso wie das Sakralmuseum und das Malzhaus durch Kunst, die mit der Stadtgeschichte in Verbindung steht.

Die Stadt habe aber bisher kein eigenständiges Kunstmuseum. Das aufzubauen, diese Chance biete sich jetzt mit dem Angebot der Künstlergruppe. Deren Werke waren zum Beispiel schon bei einer viel beachteten Schau in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz zu sehen. Aber die Künstler sind auch auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine dauerhafte Ausstellung. Und die soll nun in Kamenz entstehen.

"Es wäre eine Bereicherung unseres musealen Angebots. Und der Galerieraum in der alten Posthalterei würde noch andere Möglichkeiten eröffnen", so Dr. Kaufmann. Es könnte dort ein unkompliziertes Angebot für Menschen geschaffen werden, die sich kreativ ausprobieren möchten.

Die gezeigte Kunst könne dazu anregen, selbst mit Schere und Kleber zu arbeiten. Eine Druckwerkstatt soll das Ganze nach den Vorstellungen der Stadt ergänzen. Es sei die Chance, eine lebendige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mitten in der Innenstadt zu entwickeln, sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos).

Kurator fürs Sakralmuseum soll die Galerie betreuen

Dabei kommt auch der neue Kurator für das Sakralmuseum der Stadt ins Spiel, der Kunsthistoriker Johannes Schwabe. Er soll die neue Galerie betreuen und auch kunstpädagogische Angebote unterbreiten.

Frank Voigt aus dem Künstlerkreis kündigte an, dass die Stadt mit einer Schenkung von weit über 300 Werken rechnen kann - genug Material für wechselnde Ausstellungen.

Unter den Stadträten im Kulturausschuss findet die Idee viel Beifall. Sylvia Horn (Stadt-Land-Frau) könnte sich die Kreativangebote auch für ältere Menschen gut vorstellen. Jens Krügel (Wählervereinigung) zieht den Bogen zum neuen Gymnasium und sieht eine Kulturszene wachsen, und Jens Fichte (Die Linke) wünscht sich ein reichhaltiges Kulturleben.

Ein wichtiger Punkt ist allerdings noch zu klären: Wie soll das Projekt finanziert werden?Eine Schenkung ist zwar schon eine gute Voraussetzung, aber die Einrichtung der Ausstellung in der alten Posthalterei sowie Betriebs- und Mietkosten sind zu finanzieren. Darüber soll nun gesprochen werden.

Anne Zöllner von der Stiftung "Pro Gemeinsinn" ist gespannt. Sollte sich die Stadt zurückziehen, werde sie aber auch eine andere Lösung fürs Erdgeschoss finden.

Hier wird der Raum für die Kunstgalerie hergerichtet.
Hier wird der Raum für die Kunstgalerie hergerichtet. © René Plaul

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