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Kamenz: Alter Güterbahnhof verkommt zur Müllkippe

Wo früher Züge Richtung Brandenburg rollten, häufen sich mittlerweile Unrat, Schrott und Bauabfälle. Einem Kamenzer wurde das jetzt zu viel.

Haushaltsmüll in blauen Säcken, Schrott, aber auch Bauabfälle werden immer wieder auf das Gelände des alten Güterbahnhofes in Kamenz gekippt. Eckhard Göbel, der einen Garten in der Nähe hat, ärgert das sehr.
Haushaltsmüll in blauen Säcken, Schrott, aber auch Bauabfälle werden immer wieder auf das Gelände des alten Güterbahnhofes in Kamenz gekippt. Eckhard Göbel, der einen Garten in der Nähe hat, ärgert das sehr. © Matthias Schumann

Kamenz. Schon wieder ein Fahrrad. Der Schrottstapel aus alten Rädern, Metall, Speichen und Lenkern auf dem alten Güterbahnhof in Kamenz wächst. Und ein neuer mit Haushaltsmüll ist über Nacht dazu gekommen. "Man traut sich fast nicht, die Säcke und Taschen zu öffnen", meint Eckard Göbel. Was oben herausquillt, sieht nicht vertrauenserweckend aus.

Göbel hat Sächsische.de auf das Gelände gebeten, um den Missstand öffentlich zu machen. "Wenn wir jetzt nichts tun, liegen hier in ein paar Wochen ganze Berge. Müll zieht weiteren Müll an", meint der Rentner. Zwischen Birken und anderem Grün, das mittlerweile die alten Gleise zuwuchert, sieht es unappetitlich aus. Dabei dürfte hier eigentlich gar keiner herum stromern. Nur die Pächter der nahen Gartensparte dürfen legal übers Gelände. Doch das Warnschild der Deutschen Bahn hält kaum jemanden ab.

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Das Betreten des Geländes ist verboten

Der Güterbahnhof ist schon lange außer Betrieb, hier rollt nichts mehr in Richtung Brandenburg oder Bischofwerda. Die brachliegende Fläche scheint ideal zu sein für Schmutzfinken und Umweltsünder, die im Schatten der Nacht oder sogar am hellen Tage ihren Kram loswerden wollen.

"Genau auf diesem Gleis fuhr früher die Dampflok Richtung Knappenrode", erinnert sich Eckhard Göbel. Er stößt mit dem Fuß ein rostiges Fahrrad zur Seite. Sein Vater arbeitete bei der Bahn. Er erinnert sich, wie die Dampfloks aus der 52er Baureihe hier entlang schnauften. Seine Familie hat heute immer noch einen Kleingarten nebenan. Fast täglich kommt Eckhard Göbel in die Sparte. Seit Jahrzehnten.

Hier gibt es etwa 80 Gärten, ein kleines Vereinshaus, einen Kompostablageplatz, kleine Wege und Gässchen, uralte Apfelbäume. Die Anlage trägt keinen fröhlichen Namen wie andere in der Stadt. Es ist schlicht und einfach die Anlage "Bahn-Landwirtschaft Unterbezirk 017 Kamenz". Schön ist es trotzdem hier.

Um zur Anlage zu gelangen, müssen die Schrebergärtner ein Stück durch den alten Güterbahnhof. Das große Areal hinter dem Kamenzer Bahnhof ist seit Jahren verwaist. Nur ein Schild der Bahn weist darauf hin, dass hier Unfallgefahr besteht und das Betreten für Unbefugte eigentlich verboten ist. Zudem werde die Bahnanlage bei Eis und Schnee nicht geräumt. Kein Zaun, kein Tor verhindert den Eintritt aufs Gelände.

Stadt will die Bahn bitten, den Müll zu beseitigen

So weit, so gut. Wäre da nicht seit einiger Zeit das Müllproblem. "Ich finde es furchtbar, wenn Zeitgenossen überall und ohne einen kleinsten Skrupel ihren Schrott mitten in der Stadt abladen", sagt Eckhard Göbel. Das zuletzt dazu gekommene Fahrrad sei ihm vor ein paar Tagen noch auf dem Sperrmüll an der Pulsnitzer Straße aufgefallen. Nun liegt es hier. "Es wurde wahrscheinlich mitgenommen und dann später doch als unnütz erachtet", vermutet der Kamenzer.

Immer wieder sehe er auch Autos mit Anhängern auf das Gelände fahren. "Ich spreche zum Teil fremde Personen an. Freundlich, aber bestimmt. Aber man kann nicht alles verhindern." Der riesige Müllbeutelhaufen gleich am Eingang ist neu. "Der wurde sozusagen über Nacht abgeladen. Mitten auf der Weggabelung. Die Leute machen sich nicht einmal mehr die Mühe, es weiter hinter zu fahren", sagt Göbel.

Die Stadtverwaltung bekräftigt auf Nachfrage, dass das Gelände im Besitz der Deutschen Bahn sei. "Natürlich finden wir die illegalen Müllablagerungen nicht schön. Rechtlich sind uns aber die Hände gebunden, da es sich um ein Privatgelände handelt und von den derzeitigen Müllablagerungen keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht", teilt Pressesprecher Thomas Käppler mit.

Nichtsdestotrotz will die Stadt nun die Deutsche Bahn darüber informieren - verbunden mit der Bitte, den Müll und Schrott zu beseitigen. "Wir sind dem Bürger dankbar, dass er mit offenen Augen durch unsere Stadt geht", sagt Käppler mit Verweis auf Eckhard Göbel. Von der Bahn selbst war bislang kein Statement zu bekommen.

Auch jede Menge Schrott liegt auf den zugewachsenen Gleisen. Diese Fahrräder sind in den letzten Tagen neu hinzugekommen. Eckhard Göbel möchte das Thema öffentlich machen, damit nicht noch mehr Müll auf dem Areal landet.
Auch jede Menge Schrott liegt auf den zugewachsenen Gleisen. Diese Fahrräder sind in den letzten Tagen neu hinzugekommen. Eckhard Göbel möchte das Thema öffentlich machen, damit nicht noch mehr Müll auf dem Areal landet. © Matthias Schumann

In ein paar Jahren erledigt sich das Problem vielleicht von allein, denn auf dem alten Güterbahnhof soll Neues entstehen. "Es ist das feste Ziel der Stadt, das Areal zu entwickeln", sagt Thomas Käppler. Unter anderem soll ein neuer P+R-Platz entstehen. Stadtratsbeschlüsse und Variantenuntersuchungen gibt es bereits seit 2017.

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Vor zwei Jahren sprach sich die Stadt dann für den P+R-Parkplatz auf dem alten Güterbahnhofsgelände aus. "Dazu laufen gegenwärtig Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, welche aber noch nicht zum Abschluss gekommen sind", informiert Thomas Käppler. Langfristig sollen 150 weitere Stellplätze für Pendler entstehen. Eine kurze Anbindung zum Bahnhof wäre dann beispielsweise über eine Fußgängerbrücke möglich.

"Es ist toll, wenn dann Ordnung reinkommt. Aber bis dahin ist es leider noch lange hin", sagt Eckhard Göbel. "Wir sollten alle miteinander achtgeben, dass unsere Umwelt nicht einmüllt!"

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