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Kamenz: Corona-Hotspot im Asylheim

In der Unterkunft an der Macherstraße wurden bisher 13 Flüchtlinge positiv auf Covid-19 getestet. So geht es dort jetzt weiter.

Im Kamenzer Asylbewerberheim an der Macherstraße wurden 13 Bewohner positiv auf Corona getestet. Weitere Testergebnisse stehen noch aus.
Im Kamenzer Asylbewerberheim an der Macherstraße wurden 13 Bewohner positiv auf Corona getestet. Weitere Testergebnisse stehen noch aus. © SZ/Reiner Hanke

Kamenz. Während die Corona-Infektionszahlen im Kreis Bautzen sinken, hat sich im Kamenzer Heim für Asylbewerber ein Hotspot gebildet. Das Landratsamt hat dort 36 Tests durchgeführt und bislang 13 Fälle festgestellt, so die Aussage am Donnerstagabend durch Pressesprecherin Cynthia Thor.

Getestet habe das Gesundheitsamt Bewohner auf einer Etage, und zwar im vierten Stock, berichten Beobachter. Dort hatte sich nach Informationen der Kreisbehörde offenbar ein Heimbewohner aus gegebenem Anlass testen lassen: „Der Befund war positiv“, bestätigt Cynthia Thor. „Aus diesem Grund wurden vorsorglich weitere Tests am Freitag durchgeführt." Gegen 13 Uhr lagen die Ergebnisse von 130 ausgewerteten Tests vor. Alle seien negativ ausgefallen, teilt die Sprecherin mit.

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Bislang sei es bei den 13 positiven Fällen geblieben. Aktuell stünden inklusive Kontaktpersonen etwa 36 Bewohner in der betroffenen Etage unter Quarantäne.

Weitere Testergebnisse stehen noch aus

Etwa 400 Menschen leben derzeit in dem großen Plattenbau am Kamenzer Flugplatz. Laut Information des Landratsamtes sollen alle Asylbewerber getestet werden. In Einrichtungen wie Pflegeheimen, Kliniken und Asylunterkünften werde bereits bei einem ersten Fall umfangreich getestet, so die Begründung.

Aufgrund der Situation im Kamenzer Heim rechne man aktuell nicht mit einer größeren Anzahl infizierter Bewohner auf anderen Etagen. Allerdings seien die ausstehenden Testergebnisse abzuwarten. Cynthia Thor: "Insgesamt ist die Lage aber unter Kontrolle und nicht angespannt."

Das Bündnis "Willkommen in Kamenz" schreibt, dass das Gesundheitsamt auch Unterstützung durch die Bundeswehr erhalten habe. Die Krankheit verlaufe bei den Betroffenen eher mild oder symptomlos. Die Versorgung der Menschen in Quarantäne sei durch Heimpersonal gesichert. Ehrenamtliche hätten zudem Soforthilfe geleistet.

Kritik an Corona-Vorsorge im Heim

Ralph Döcke ist mit dem Verein „Bautzen bleibt bunt“ verbunden und ehrenamtlicher Pate einiger Bewohner im Kamenzer Heim. Er hat dadurch einen gewissen Einblick und kritisiert die Situation dort. Für ihn sei es verwunderlich, dass es nicht schon eher Komplikationen gegeben habe.

Es müsste Seife für die Handhygiene zur Verfügung gestellt werden, das vermisse er. Auch habe er keine Desinfektionsspender vorgefunden. Dabei sei das Infektionsrisiko bei so vielen Menschen auf engem Raum umso größer. Besonders in den Küchen und Sanitärräumen, die gemeinsam genutzt würden. Das Bündnis habe die Zustände bereits kritisiert: „Es wird zu wenig für den Corona-Schutz getan“, sagt Döcke.

Die Kreisbehörde sollte außerdem Masken an die Bewohner ausgeben. Noch besser wäre gerade unter diesen Bedingungen eine dezentrale Unterbringung statt der Massenunterkunft.

Der Kreis erklärt unterdessen, dass zusätzliches Wachschutzpersonal die Quarantäne kontrolliere und die Polizei gebeten wurde, "uns bei der Kontrolle der Umsetzung der Corona-Regeln zu unterstützen". Der Kreis rechnet offenbar in dieser Hinsicht mit Problemen. In hartnäckigen Fällen könnten Bewohner auch in die Einrichtung des Freistaates für Quarantäne-Verweigerer nach Dresden verlegt werden.

Landkreis: Personal arbeitet mit FFP2-Masken

Zur Kritik an der Corona-Vorsorge hält Cynthia Thor fest: "Das Personal arbeitet mit FFP2-Masken, es gibt ein Besucherverbot sowie Desinfektionsmittel durch den Betreiber." Den Bewohnern seien in der Vergangenheit bereits Masken zur Verfügung gestellt worden. Ob die Asylbewerber erneut und mit besseren Masken ausgestattet werden, prüfe die Behörde.

Ralph Döcke stellt fest, dass der erste Schub Masken wohl schon lange her sein müsse. Und er bleibe dabei: Ihm seien keine Desinfektionsspender aufgefallen. Vielleicht sollte der Kreis, so seine Forderung, selbst aktiv werden, ebenso in der Kontrolle.

In Bezug auf eine dezentrale Unterbringung zieht sich der Landkreis auf das Asylgesetz zurück. Das lege fest, dass der Fokus auf Gemeinschaftsunterkünften liege. "Bautzen bleibt bunt" sieht hingegen durchaus mehr Spielraum. Beispiele dafür gebe es in anderen Kreisen.

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