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Kamenz: Verschwundene Lok-Achse gibt Rätsel auf

Das schwere Schaustück am Bahnbetriebswerk steht nicht mehr auf seinem Sockel. Wo ist es jetzt - und was wird überhaupt aus dem Gelände?

Dominik Ssuschke von der Stadtgärtnerei der Kommunalen Dienste Kamenz (KDK) weiß, wo die vermisste Radachse vom Bahnbetriebswerk lagert. Die KDK brachte das Schaustück nach einem Vorfall von Vandalismus in Sicherheit.
Dominik Ssuschke von der Stadtgärtnerei der Kommunalen Dienste Kamenz (KDK) weiß, wo die vermisste Radachse vom Bahnbetriebswerk lagert. Die KDK brachte das Schaustück nach einem Vorfall von Vandalismus in Sicherheit. © Matthias Schumann

Kamenz. Ein schwergewichtiges Schaustück beflügelt derzeit die Fantasie von Kamenzern. Es wurde quasi vom Sockel gestoßen und ist verschwunden. Es ist die Achse einer Rangier-Lokomotive mit rotem Anstrich, ein bisschen angerostet. Die ruhte auf einem Beton-Sockel an der Weinbergstraße. Doch der ist seit einigen Wochen leer. Bis auf zwei Gleisstücke, auf denen die Achse lagerte.

Genauso leer wie Teile des Areals des früheren Bahnbetriebswerks in Kamenz. Dort wurde frischer Schotter aufgeschüttet. Steht das Verschwinden der Achse damit im Zusammenhang? Soll gar die Erinnerung an die Bahnwerkstradition in Kamenz ausgelöscht werden? Die Werksgründung geht immerhin bis ins Jahr 1937 zurück. Und zuvor gab es wohl schon einen Lokbahnhof an der Stelle.

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Anlieger vermuteten auch, das Verschwinden könnte mit Grünschnittarbeiten in dem Bereich zusammenhängen. Oder mit Vandalismus und Schrottdiebstahl? Jedenfalls klemmen sich eine solche tonnenschwere Achse auch Schrottdiebe nicht einfach so unter den Arm.

Der Sockel ist seit einigen Wochen leer. Eine ein bis zwei Tonnen schwere Lok-Achse stand hier als Schaustück nahe des früheren Bahnbetriebswerkes in Kamenz. Offenbar durch den Vandalismus wurde auch der Sockel beschädigt.
Der Sockel ist seit einigen Wochen leer. Eine ein bis zwei Tonnen schwere Lok-Achse stand hier als Schaustück nahe des früheren Bahnbetriebswerkes in Kamenz. Offenbar durch den Vandalismus wurde auch der Sockel beschädigt. © Reiner Hanke

Die Deutsche Bahn AG bestätigt die Abrissarbeiten, insbesondere im Vorjahr. Tankanlagen und Tanks seien weggeräumt, Gebäude, Ölabscheider, Anlagenteile sowie Gleise beseitigt worden. Aber keine Achse mit Räder.

Der leere Platz war Familie Rother aus Kamenz aufgefallen - und nicht nur ihr. Auch im Rathaus habe es Nachfragen gegeben und auch ein bisschen Ratlosigkeit, zumindest zur Geschichte des Objekts. Der Aufenthaltsort ist aber bekannt und auch, warum das Stück dort lagere.

So gingen wohl viele der Spekulationen in die falsche Richtung. Am Ende steckte doch Vandalismus dahinter. Von unbekannten Tätern wurde die Achse vor einigen Wochen aus der Verankerung gerissen. Das Schwergewicht sei dann über die Straße gerollt und an der Einfriedung des früheren Stadtbadgeländes zum Stehen gekommen, so Stadtsprecher Thomas Käppler. „Nicht auszudenken, welche Gefahr dabei für zufällig anwesende Fußgänger oder vorbeifahrende Autofahrer bestanden hat“, sagt er.

Das Areal des Bahnbetriebswerkes ist ungenutzt. Die Stadt Kamenz würde es gern übernehmen.
Das Areal des Bahnbetriebswerkes ist ungenutzt. Die Stadt Kamenz würde es gern übernehmen. © Reiner Hanke

Die Achse sei geborgen und bei den Kommunalen Diensten Kamenz (KDK) eingelagert worden. Dort ruht sie noch immer. Bisher habe es sich aber als schwierig erwiesen, etwas über den Hintergrund zu erfahren, warum die Räder an der Weinbergstraße aufgestellt wurden, so Thomas Käppler.

Es sollen am besagten Ort sogar zwei unterschiedliche Achsen gestanden haben. Das bestätigt Albrecht Rother. Er war selbst mal im Bahnbetrieb tätig, und der Schwiegervater war Lokführer, daher sein Interesse. Zuerst seien Räder einer Dampflok auf dem Podest gewesen. Die wurden dann zu DDR-Zeiten aber offenbar noch einmal gebraucht und durch die einer Diesel-Rangierlok ersetzt.

Rote Räder wiesen Weg zum Werk

Albrecht Rother erinnert sich, dass Kollegen des Bahnbetriebswerkes die Achse an der Zufahrt aufgestellt hätten, damit das Werk besser zu finden ist. Es liegt etwas abseits. Ein Schild mit Wegweiser habe es ebenfalls gegeben. Was aber wohl schon länger verschwunden sei.

Als die Deutsche Bahn AG das Areal aufgegeben habe, sei später noch eine private Firma, die ITL Eisenbahngesellschaft mbH, etliche Jahre in Kamenz gewesen, dann aber 2013 nach Pirna abgewandert. Die Achse blieb als Erinnerungsstück – bis zu ihrem Verschwinden, so Rother. In seinen Worten schwingt ein bisschen Sorge mit, dass vielleicht auch noch der Betonsockel beseitigt werden könnte. „Die Achse muss wieder aufs Podest“, so Albrecht Rother.

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Die Gefahr des Abrisses besteht zumindest seitens der Deutschen Bahn nicht. Zumal das Podest wohl auf öffentlichem Gelände steht. Aber auch auf dem Bahnareal sei kein weiterer Abbruch geplant. Obwohl noch einiges steht. Dazu gehören Garagen, die die Betriebsfeuerwehr genutzt hatte, und Werkstattgebäude sowie der Ringlokschuppen, der unter Denkmalschutz stehe, weiß Albrecht Rother.

Laut Bahn prüft das Unternehmen derzeit einen Verkauf des Areals. An dem hat die Stadt Interesse und bestätigte Verkaufsverhandlungen. Sie möchte die Fläche gemeinsam mit der Industriebrache des Glaswerks entwickeln. Noch gehört es der Bahn. Und dann müsste erst über Altlasten geredet werden, bevor über Wohn- oder andere Projekte nachgedacht werden könne. Für eine zeitweise Nutzung hatte die Stadt zum Beispiel einen Bewegungs-Parcours oder eine BMX-Strecke ins Spiel gebracht. Auch eine Landesgartenschau war im Gespräch.

Befestigung soll verbessert werden

Bis dahin sollte die historische Achse längst wieder auf ihrem Platz liegen. Es sei natürlich klar, so Käppler, dass sie wieder zurückkehren soll, „im gewissen Sinne als Reminiszenz an das frühere Bahnbetriebswerk“. Das werde die KDK übernehmen, möglicherweise mit Unterstützung. Denn auch der Sockel wurde durch den Vandalismus ramponiert und muss in Ordnung gebracht werden.

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Schwierig sei es aber noch, Informationen über das Schaustück aufzutreiben. Ob eine Erinnerungstafel angebracht wird, sei noch nicht klar. Hier könnte der Geschichtsverein vielleicht helfen, der sich auch um Kleindenkmale kümmere. Eins stehe fest, so Käppler: Die schwergewichtigen Räder sollen künftig so befestigt werden, dass es unmöglich wird, sie erneut vom Sockel zu stoßen.

Einen Teil der Anlagen auf dem Gelände hat die Deutsche Bahn abgerissen. Frühere Werkstattgebäude zum Beispiel stehen noch. Die Bahn prüft derzeit den Verkauf des Areals.
Einen Teil der Anlagen auf dem Gelände hat die Deutsche Bahn abgerissen. Frühere Werkstattgebäude zum Beispiel stehen noch. Die Bahn prüft derzeit den Verkauf des Areals. © Reiner Hanke

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