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Kamenz: Ärger um Lärm und Staub aus dem Steinbruch

Anwohner klagen, das Natursteinwerk würde immer wieder gegen Auflagen verstoßen. Jetzt sollen Messungen Klarheit bringen.

Ein Kipper zum Gesteinstransport ist auf dem Weg zum Gelände des Grauwacke-Steinbruchs in Kamenz-Bernbruch. Wegen Lärm und Staub gibt es immer wieder Kritik von Bürgern.
Ein Kipper zum Gesteinstransport ist auf dem Weg zum Gelände des Grauwacke-Steinbruchs in Kamenz-Bernbruch. Wegen Lärm und Staub gibt es immer wieder Kritik von Bürgern. © René Plaul

Kamenz. Die Klagen über Lärm und Staub aus dem Steinbruch in Kamenz-Bernbruch von Bürgern reißen nicht ab. Der Betreiber, die Natursteinwerke Weiland mit ihrem Betrieb zwischen Bernbruch und Liebenau, würden immer wieder gegen Auflagen verstoßen, lautet einer der Vorwürfe. Auf dem Gelände wird Grauwacke gewonnen und zerkleinert. Das ist mit Lärm verbunden. Deshalb sollen zwischen 22 und 6 Uhr bestimmte Arbeiten ruhen. Das wurde vom Oberbergamt so festgelegt. Hintergrund war die jüngste Investition in eine neue Anlage für die Produktion von Edelsplitt in den Natursteinwerken.

Die Nachtruhe gilt für das Beladen von Bahnwaggons und eine Anlage namens Vorbrecher mit mächtiger Geräuschkulisse, wenn die Grauwacke zerkleinert wird. Anwohner beschreiben zum Beispiel ein gleichmäßiges tiefes Wummern, das durch und durch gehe und den Schlaf störe. Dennoch sei der Vorbrecher immer wieder in Sperrzeiten in Betrieb. Das bringe die Leute um den Schlaf.

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Bei der Polizei sind mehrere Anzeigen eingegangen

Das Unternehmen verstoße massiv gegen Vorgaben und werfe den Vorbrecher entgegen der Auflagen an, behauptet zum Beispiel Stadtrat Marco Peltzer (Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile), der in Bernbruch wohnt. Er habe Anzeige bei der Polizei erstattet.

Die bestätig, dass es schon mehrere Anzeigen von Bürgern gegeben hat. Beamte hätten die Situation vor Ort geprüft. Es sei alles dokumentiert worden und zu vermuten, dass gegen Auflagen verstoßen wurde. Die Unterlagen seien als Anzeige ans Oberbergamt weitegeleitet worden, so der Kamenzer Revierleiter Michael Kummer. Über Konsequenzen habe das Oberbergamt zu entscheiden.

Manchmal gehe es die ganze Woche durch mit dem nächtlichen Lärm, manchmal sei er nur an zwei Tagen zu hören, manchmal sei ein Woche Ruhe, so Marco Peltzer. Derzeit sei es eher ruhig. Doch es habe auch schon andere Zeiten gegeben. Im Mai zum Beispiel sei er rausgefahren und habe die Zustände als Beweismaterial selbst gefilmt. Der Bernbrucher Ortsvorsteher Falk Schnappauf stellt fest: „Es war teilweise extrem mit dem Vorbrecher und der Bahnverladung bis in die Nacht hinein.“

Bernbrucher fordern Ende der Nachtarbeit

Bernbrucher forderten jüngst vom Oberbergamt, die Nachtarbeit ganz auszusetzen, weil sich das Unternehmen nicht an die Auflagen halte. Die Natursteinwerke selbst äußerten sich bisher nicht auf Anfragen von Sächsische.de zum Thema Lärm und Staub.

Aber die Stadtverwaltung ist ebenfalls längst tätig geworden und informierte jetzt über den aktuellen Stand. Ein wesentlicher Kritikpunkt der Anwohner sei eben die Einhaltung der Grenzwerte für Emissionen bei Staub und Lärm.

Aktuell würden laut Stadt lediglich Messungen vorliegen, die durch das Unternehmen selbst beauftragt worden seien. Und die stammen aus den Jahren 2011 und 2012, seien also keineswegs mehr aktuell: „Ziel der Stadt Kamenz ist es nunmehr, unabhängige Ergebnisse für Staub- und Lärmmessungen zu erhalten“, hält die Stadtverwaltung in einem Papier fest. Das sieht auch der Ortsvorsteher so. Denn bisher habe die Firma Verstöße bestritten.

Standort für Messcontainer steht fest

Für die Messungen hat die Kommune um Unterstützung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gebeten und die Aufstellung eines Staub-Emissionsmess-Containers vereinbart. Es habe im Juli auch einen gemeinsamen Termin mit dem Oberbergamt und dem Landesamt für Umwelt gegeben. Als selbst Betroffener und Lückersdorfer Ortschaftsrat habe er ein gutes Gefühl bei dem Gespräch mit Vertretern des Oberbergamtes gehabt, so Matthias Busch gegenüber Sächsische.de. Die Sorgen der Anwohner würden ernstgenommen.

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Eine geeignete Stelle für den Mess-Container wurde gefunden. Es handelt sich um einen schmalen Wiesen-Streifen zur Viehweide im Bereich der Mühlstraße in Bernbruch. Der Elektroanschluss ist schon verlegt. Es ist nur noch nicht ganz klar, wann der Container anrollt. Der soll etwa ein Jahr Messdaten sammeln. Im Herbst sollen die Messungen starten.

Das Landesamt werde die Ergebnisse auswerten und der Stadt Kamenz zur Verfügung stellen, heißt es aus dem Rathaus. Auch über das Lärmproblem habe sich die Stadt mit dem Oberbergamt ausgetauscht und Messungen vereinbart.

Eine Lärm-Messung läuft bereits

Das sei sehr zügig gegangen mit dem Messcontainer, lobt Ortsvorsteher Falk Schnappauf. Gerade beim Staub sei die schlimmste Zeit in den trockenen Sommern, mit extremen Staubwolken, wenn die Straßen nicht im erforderlichen Maß berieselt würden.

Die Belastung sei insgesamt schlimm. Deshalb "wollen wir das jetzt genau messen“, so der Ortsvorsteher. Er wisse allerdings auch aus Erfahrung: Wenn Messungen angesagt sind, verhalte sich das Unternehmen anders.

So ist es für manchen Anwohner derzeit ungewohnt ruhig. Das sorgte inzwischen für einige Verwunderung bei Bernbruchern und für Nachfragen. Tatsächlich läuft wohl - auch wenn der Container noch nicht da ist - bereits eine Lärmmessung, heißt es aus dem Rathaus. Einige Bürger fragen schon, ob die Anlage nicht dauerhaft installiert werden könnte. Sie würden für die Anschaffung solcher Geräte sogar spenden...

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