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Kamenz: Rittergut kommt unter den Hammer

Das frühere Herrenhaus im Ortsteil Biehla steht schon lange leer und verfällt. Jetzt gibt es Hoffnung, dass sich das ändert.

Das ehemalige Herren- oder Inspektorhaus im Kamenzer Ortsteil Biehla soll Ende des Monats versteigert werden. Biehlaer hoffen auf einen Investor der aus dem Schandfleck etwas macht.
Das ehemalige Herren- oder Inspektorhaus im Kamenzer Ortsteil Biehla soll Ende des Monats versteigert werden. Biehlaer hoffen auf einen Investor der aus dem Schandfleck etwas macht. © Matthias Schumann

Kamenz. Das frühere Rittergut im Kamenzer Ortsteil Biehla gehört zu den Sorgenkindern unter den historischen und denkmalgeschützten Häusern der Stadt. Das Herrenhaus mit Fachwerk hat die besten Zeiten längst hinter sich.

Bis in die 1990er-Jahre war es bewohnt. Seitdem steht es leer und wechselte mehrfach den Besitzer, zum Beispiel bei einer Versteigerung im Jahr 2016. Aber keinem gelang es, aus dem historischen Objekt etwas zu machen.

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Nun steht erneut ein Wechsel bevor. Das frühere Herrenhaus mit Stallungen soll bei der nächsten Versteigerung der Sächsischen Grundstücksauktionen AG (SGA) in Dresden unter den Hammer kommen – gemeinsam mit 57 weiteren Objekten.

Das Biehlaer Herrenhaus mit drei Wohnungen plus Stallgebäude bietet insgesamt 600 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Es ist denkmalgeschützt und wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Dazu kommen weitere Wirtschafts- und Stallgebäude mit einer Wohnung und etwa 700 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche. Das Grundstück ist 4.325 Quadratmeter groß - am Ortsrand gelegen, umgeben von gepflegter, ländlicher Wohnbebauung, heißt es im Auktionskatalog.

Im Park fanden einst Feste statt

Der Biehlaerin Jutta Hentsche ist das Herrenhaus gut bekannt. Sie ist die Vorsitzende des Vereins der Biehlaner und Mitglied des Ortschaftsrates - und wohnte selbst von 1976 bis 1981 in dem Haus, ihre Schwiegermutter noch bis in die 1990er-Jahre. Es sei das alte Inspektor-Haus gewesen, erzählt sie, der Gutsinspektor habe in früheren Zeiten in dem Gebäude gewohnt. Es gehörte zum Schloss. Das ist allerdings schon Mitte der 1940er-Jahre abgerissen worden. An das Herrenhaus schließen Stallungen an, die zu DDR-Zeiten für Kühe genutzt wurden.

Sie seien damals froh gewesen, so Jutta Hentsche, als junge Familie etwas Eigenes zu haben und hätten sich Räume im Erdgeschoss selbst hergerichtet. Zuvor sei dort unter anderem die Gemeindeverwaltung gewesen. Markant seien das Fachwerk und das Dach mit seinen Fenstern, den Ochsenaugen. Früher hätten im Park Feste stattgefunden, erinnert sich die Biehlaerin.

Viele Schäden an den Gebäuden

Mittlerweile sind die Gebäude allerdings marode. Das geht auch deutlich aus der Beschreibung des Auktionshauses zur Immobilie hervor. Demnach gibt es auch nur Ofenheizung und keine vernünftigen Sanitäranlagen. Die alten Holzfenster und Holztüren seien teilweise unbrauchbar. Sattel- und Walmdächer mit Ziegeldeckung seien undicht und starke Nässeschäden zu verzeichnen. Decken seien eingebrochen, und es ist von Schädlingsbefall die Rede. Insgesamt bestehe umfassender Sanierungs- und Modernisierungsbedarf, schätzt das Auktionshaus ein.

„Wir wünschen uns alle, dass wieder Leben in das Ensemble kommt“, sagt Jutta Hentsche. Es würde das Ortsbild aufwerten. Wer das Herrenhaus kaufen und aufbauen wolle, müsse aber schon ganz schön Geld in die Hand nehmen.

Thomas Uslaub, der stellvertretende Vorsitzende des Ortschaftsrates und CDU-Stadtrat, könnte sich zum Beispiel altersgerechtes Wohnen, aber auch ein Ausflugslokal vorstellen. „Wir haben natürlich großes Interesse, dass dieses markante Gebäude wieder eine Nutzung erfährt“, sagt er.

Er wünsche sich, dass ein neuer Eigentümer den Zuschlag bekommt, der etwas aus der Immobilie machen will, der investieren kann und möchte. Denn: „Es tut weh, dass die Gebäude leer stehen und dem Verfall preisgegeben sind. Wir sind auf jeden Fall für Gespräche mit dem neuen Eigentümer bereit. Wir strecken die Hand aus.“ Es müsse dringend etwas passieren und wäre für die Stadtentwicklung wichtig.

Noch mehr Objekte aus der Region bei der Auktion dabei

Daher könne es auch eine Option sein, wenn die Stadt selbst einsteigt. Denn auf kommunaler Ebene lasse sich für solche schwierigen Fälle mitunter besser eine Lösung und ein potenter Investor finden. Er wolle das im Ortschaftsrat thematisieren, sagt Uslaub.

Die Sächsische Grundstücksauktionen AG veranstaltet ihre Herbst-Auktionen am 27. und 31. August in Leipzig und Dresden. Insgesamt seien 114 Immobilien mit günstigen Startpreisen zu haben, sagt Annika Becher vom Auktionshaus. Die meisten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. 58 Objekte sollen am Auktionstag in Dresden neue Besitzer finden.

So werde für einen ehemaligen Kretscham im Ortskern von Steinigtwolmsdorf ein neuer Eigentümer gesucht. Bei Schwepnitz stehen diverse unbebaute Grün- und Wasserflächen zum Verkauf, Waldstücke bei Lauta, Neukirch/Lausitz, Koblenz und ein Wohnhaus in Burkau. Das Biehlaer Herrenhaus-Ensemble startet mit einem Mindestgebot von 9.000 Euro.

Interessenten können die Auktion in Dresden am 31. August, ab 11 Uhr, verfolgen. Sie findet im Martha-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygiene-Museums statt.

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