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Wechsel in der Hausarztpraxis in Bischheim

Nach 37 Jahren geht Dr. Gabriel Wähner in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist für die Patienten kein Unbekannter.

Von Reiner Hanke
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Dr. David Bannert (l.) übernimmt die Hausarztpraxis von Dr. Gabriel Wähner in Bischheim. Das Abschiedsbild mit der gesamten Praxis-Mannschaft bekommt einen Ehrenplatz im Wartezimmer.
Dr. David Bannert (l.) übernimmt die Hausarztpraxis von Dr. Gabriel Wähner in Bischheim. Das Abschiedsbild mit der gesamten Praxis-Mannschaft bekommt einen Ehrenplatz im Wartezimmer. © Anne Hasselbach

Haselbachtal. Einen weißen Kittel braucht Dr. David Bannert nicht. Er fühlt sich ohne wohler in der Praxis in Bischheim in der Gemeinde Haselbachtal bei Kamenz. Und Dr. Gabriel Wähner hat den Arztkittel abgelegt. Nach 37 Jahren als Allgemeinmediziner im Haselbachtal übergab er seine Arztpraxis jetzt an den Nachfolger.

Dr. Bannert hat an diesem Mittwoch bis Mittag schon 18 Hausbesuche hinter sich. Mit der Übergabe ist die Praxisgemeinschaft, zu der seit vielen Jahren Internistin Ute Beyer gehört, nun in Normalbesetzung. Sie wird derzeit noch von einer Ärztin in Weiterbildung unterstützt.

Ähnlich war das bei David Bannert. Er hat sich seit Mitte 2020 als Assistenzarzt eingearbeitet und in der Zeit auch seine Ausbildung als Facharzt in der Allgemeinmedizin abgeschlossen.

Als Einzelkämpfer an seine Grenzen gestoßen

„Wir haben hier eine gut gewachsene und engagierte Mannschaft mit vier Schwestern", sagt der scheidende Dr. Wähner. „Es war eine schöne Zeit.“ Natürlich habe er auch Leid erlebt bei Menschen, denen er habe nicht helfen können. Aber vor allem habe er viele dankbare Patienten gehabt.

An manchen dramatischen Fall erinnert er sich bis heute. Da war zum Beispiel "ein Herzstillstand und glücklicherweise die Schwester gerade vor Ort. Wir konnten unverzüglich helfen.“ Der Patient habe alles gut überstanden. Das seien die besonders schönen Momente. Andere zeigten die Grenzen der Medizin auf.

An seine Grenzen stieß der Arzt nach elf Jahren als Einzelkämpfer für 1.800 Patienten. Nach einem Hörsturz habe er auf die Bremse getreten und die Praxisgemeinschaft ins Leben gerufen.

Dr. Wähner: Mit 67 ist Zeit zum Aufhören

Ganz besonders habe ihn jetzt der Abschied bewegt, die vielen Grüße und Wünsche von Patienten seien ergreifend gewesen. Gezählt habe er sie nicht, seit er 1985 anfing: zuerst als Arzt in einer staatlichen Praxis bis zum Ende der DDR, dann als niedergelassener Arzt zusammen mit einem Zahnarztkollegen am heutigen Standort.

Mit 67 Jahren sei es jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zurückzuziehen. Schon etwas wehmütig, aber auch mit dem guten Gefühl, dass die Praxis in besten Händen liegt, sagt Gabriel Wähner.

Er habe einen fachlich sehr versierten Nachfolger gefunden, den er seit 2012 kenne, als David Bannert noch Medizinstudent war und als Praktikant aus dem benachbarten Lückersdorf zu ihm kam. Denn seine Praxis sei auch Lehrpraxis für die Kassenärztliche Vereinigung. Er habe die Ausbildung immer gern unterstützt, auch wenn es etwas Mehrarbeit bedeute. 15 Studenten habe er auf ihrem Weg begleitet, darunter seinen Nachfolger.

Neuer Arzt bringt Erfahrung auf vielen Gebieten mit

Wobei er nicht von Anfang an auf die Allgemeinmedizin fokussiert gewesen sei, sagt Bannert. Die Praxis gleich in der Nachbarschaft sei aber für Praktika ideal gewesen. Sein Mentor habe ihn in vieler Hinsicht gefördert und letztlich die Entscheidung für die Allgemeinmedizin mit geprägt.

Die vielen Facetten der Arbeit seien außerdem sehr reizvoll. Dafür bringe er zugleich eine chirurgische und internistische Ausbildung mit. Außerdem habe er Erfahrungen in der HNO und der Dermatologie gesammelt. Als eigener Chef mit der Praxis quasi vor der Haustür und super Personal ließen sich zudem Familie und Arbeit besser organisieren als in einem Job als Klinik-Arzt.

Praxis nimmt keine neuen Patienten mehr auf

„Zusammen haben wir in der Praxisgemeinschaft heute um die 2.500 Patienten“, schätzt David Bannert ein. Die kämen vorwiegend aus dem Haselbachtal. Es seien aber auch Patienten aus Kamenz, Elstra oder Pulsnitz darunter.

Vor allem aus dem benachbarten Kamenz sei die Nachfrage hoch: „Dort gibt es ein Defizit bei den Hausärzten“, sagt Bannert. Neue Patienten könne die Praxis allerdings nur noch in Ausnahmefällen annehmen: „Unsere Kapazitäten sind ausgeschöpft.“

Gabriel Wähner hat nun Luft für andere Dinge. Er werde nicht Däumchen drehen, sagt er, er habe ja viele Hobbys. Er spiele Trompete im Posaunenchor, singe im Männerchor, habe nun endlich Zeit zum Lesen und für den Garten. Es sei viel liegen geblieben.

Für die Praxis wünscht er sich, dass sich die Verhältnisse wieder normalisieren. Derzeit überlagere das Thema Corona alles. Auch die Belastung für die vier Schwestern sei hoch. Das Telefon höre kaum auf zu klingeln, weil es so viele Fragen gibt: von Erkrankten, zum Impfen, zur Quarantäne, zu Tests. Die Absprache von Impfterminen sei logistisch mit hohem Aufwand verbunden.

Er empfehle die Immunisierung nach wie vor. Der positive Effekt sei nicht zu leugnen, der Unterschied beim Infektionsgeschehen deutlich. Es gebe nach wie vor schwere Verläufe, aber nicht wie vor einem Jahr mit damals mehr Corona-Toten - gerade auch in den Pflegeheimen, wie er es selbst erlebt habe.

Einige Neuerungen in der Praxis hat David Bannert auch schon eingeleitet. So können Patienten nun auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, wenn sie ein Rezept brauchen.