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Kamenz: Mit Bannern gegen die Zukunftsangst

Sport- und Kulturvereine machen mit einer gemeinsamen Aktion auf ihre schwierige Lage in der Corona-Krise aufmerksam. Und die Plakate sollen noch etwas bewirken.

Mario Steinmetz (l.) ist Vorsitzender beim Tanzverein "Kamenz can Dance" und montiert mit Vorstandskollegin Wencke Pfuhl ein Banner am Tanzhaus. Das Tanztheater und weitere Vereine der Stadt machen damit auf ihre Lage in der Corona-Krise aufmerksam.
Mario Steinmetz (l.) ist Vorsitzender beim Tanzverein "Kamenz can Dance" und montiert mit Vorstandskollegin Wencke Pfuhl ein Banner am Tanzhaus. Das Tanztheater und weitere Vereine der Stadt machen damit auf ihre Lage in der Corona-Krise aufmerksam. © Matthias Schumann

Kamenz. Das Theater ist dicht, keine Veranstaltungen in den Sälen, kein Vereinssport mehr. Die Corona-Krise trifft diese Lebensbereiche seit April besonders hart. Mario Steinmetz ist Chef des Tanzt-Vereins „Kamenz can Dance“ für Kinder und Jugendliche: „Wir werden doppelt bestraft, weil der Spielbetrieb eingestellt, kein Auftritt möglich und unser Tanzhaus auch zu ist.“ Damit fällt zugleich das Training aus.

„Ein Fingerschnippen genügt und der gesamte Sport und die Kultur werden erneut lahmgelegt wie im Frühjahr“, sagt Mario Steinmetz. Aber Kultur und Sport seien wichtig für Körper und Geist, für einen gesunden Menschen. Ebenso wie die Ernährung, um fit zu bleiben.

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Die Tänzer haben sich nun mit anderen Betroffenen aus dem Freizeitbereich zusammengetan, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen: mit den Sportlern vom Ostsächsischen Schwimmverein in Kamenz (OSSV), dem Tomogara-Verein mit Angeboten von Karate bis Seniorensport sowie dem Mehrspartenverein SV Einheit Kamenz.

Jungen Tänzern fehlt ein Ziel

Den Impuls gaben die Tanztheater-Künstler. Gemeinsam haben die Vereine nun Banner in Auftrag gegeben. Diese hängen seit Freitagnachmittag an Sportstätten in der Stadt mit dem Schriftzug: „Gesund bleiben durch Sport und Kultur #Bleib stark für deinen Verein#“.

Mario Steinmetz sieht das auch als einen Hinweis an die Politik. „Wir sind immer wieder Leidtragender ohne eine akzeptable Perspektive. Wir halten alle Regeln ein, haben keine Corona-Fälle - und im nächsten Jahr kommt am Ende der nächste Lockdown." Es gehe dabei nicht nur um "Kamenz can Dance", sondern um die vielen Menschen in Sport und Kultur. Torsten Edelmann, Präsident des SV Einheit,  hakt ein: „Die Initiatoren wollen niemanden an den Pranger stellen, aber darauf aufmerksam machen, dass Sport- und Kulturbetriebe genauso zum Leben gehören, wie die Luft zum Atmen. Dass wir nicht aus dem Blickwinkel geraten.“

Mario Steinmetz spricht von den 240 Kindern und Jugendlichen im Tanz-Verein. Im Frühjahr habe das neue Stück der Tänzer um Liebe, Zeit und Tod nicht mehr wie geplant aufgeführt werden können. Nun nach vielen Proben wieder nicht: „Den jungen Leuten fehle ein Ziel.“ Der soziale Zusammenhalt gehe verloren, nicht nur bei den Tänzern. Ähnlich ist das auch in anderen Vereinen.

Engagierte Leute gehen verloren

Finanzielle Sorgen kommen dazu. Die Einnahmen von den Tanz-Auftritten der Künstler fehlen, Mietkosten laufen auf. Was an Staatshilfe kommen könnte, sei unklar. Die Frage steht, wie lange es den Verein unter diesen Bedingungen noch gibt. Auch SV-Präsident Torsten Edelmann fragt sich, wie es weitergehen soll bei dauerhaften Einschränkungen. Es sei keine Lösung, wenn flächendeckend Angebote wegfallen und sich Leute zurückziehen.

Daran will Jan Geppert vom Freizeit- und Sportzentrum Tomogara in Kamenz gar nicht denken, obwohl die neun Mitarbeiter wieder in der Kurzarbeit sind. „Das Banner ist vor allem die Aufforderung: Haltet durch, es wird auch wieder besser“, sagt er. Das Leben werde in absehbarer Zeit auch wieder in normale Bahnen zurückkehren. „Wir haben schon andere Sachen durchgestanden.“

Seine Sorge ist allerdings: Gerade in Kunst und Kultur würden Dinge wegbrechen und engagierte Menschen für die Gesellschaft verloren gehen. Freilich gingen die Corona-Infektionszahlen momentan hoch. Zu denken geben ihm aber manche Bilder aus Bus und Bahn oder Einkaufszentren in Sachen Hygieneregeln. „An den sauberen Stellen kommen aber die großen Einschnitte“, so Geppert. Im Verein kenne er keine Krankheitsfälle. Tänzer Mario Steinmetz ergänzt: Klar gehe die Gesundheit vor. Er appelliert deshalb: „Wenn alle die gängigen Hygieneregeln einhalten würden, sollte das Virus doch zu beherrschen sein.“

Schülern fehlt Schwimmunterricht

Die Situation sei sicher auch der Unsicherheit in der Politik geschuldet, etwas falsch zu machen in der jetzigen Lage, sagt OSSV-Vorstandsmitglied Sandro Schoop. Er macht auch auf den Schwimmunterricht aufmerksam. Es sei zu befürchten, dass hier ein Jahrgang Zweitklässler heranwächst, in dem die wenigsten schwimmen können, und das sei keine gute Situation. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass es im Schwimmbad kaum zur Ansteckung kommt, bei Einhaltung der Hygieneregeln. Er hofft, dass sich diese Sicht durchsetzt. 

„Aber vor allem wollen wir aufmuntern, nicht zu verzagen, das Beste aus der Situation zu machen“, so Schoop. Und gerade jetzt Mut machen, trotz der Einschränkungen in Bewegung zu bleiben. Der SV-Einheit Präsident nennt die Banner auch einen Appell an den Zusammenhalt in den Vereinen. Alle sollten im Kopf behalten, dass Sport und Kultur wichtig sind.

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