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Kamenz: Preisgekrönter Rundweg verfällt

Die Landschaft seines Geburtsortes Deutschbaselitz inspirierte den Künstler Georg Baselitz. Und einen Verein zu einem Projekt. Dessen Zustand sorgt für Unmut.

Matthias Schütze aus Deutschbaselitz hatte sich für den Baselitz-Rundweg engagiert, bei dem man Spuren des Künstlers Georg Baselitz folgen kann. Inzwischen ist der Weg ziemlich verfallen, zum Beispiel dieses Boot vom Sockel gestürzt.
Matthias Schütze aus Deutschbaselitz hatte sich für den Baselitz-Rundweg engagiert, bei dem man Spuren des Künstlers Georg Baselitz folgen kann. Inzwischen ist der Weg ziemlich verfallen, zum Beispiel dieses Boot vom Sockel gestürzt. © René Plaul

Kamenz. Vom Fenster aus haben Eva und Frank Barchmann Sicht auf den "DeutschBaselitz-Rundweg" – im gleichnamigen Kamenzer Ortsteil. Den Rundweg gibt es seit zehn Jahren. An etwa zwölf Stationen stellt dieser eine Verbindung zu dem weltbekannten Maler und gebürtigen Deutschbaselitzer Georg Baselitz her.

Der Blick aus dem Fenster der Barchmanns fiel immer auf das Boot im Rundweg, das einstmals auf einem Sockel thronte. Doch der Kahn ist inzwischen abgestürzt. Ein Symbol sei das für den Zustand dieses Weges: „Es ist mehr als traurig. Das Boot ist gesunken“, kommentiert Frank Barchmann trocken.

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Der Zustand sei ärgerlich, da ja auch Fördergeld geflossen ist. 22.000 Euro insgesamt. Der größte Teil von der Sächsischen Kulturstiftung, aber auch von der Stadt Kamenz. Und vom Förderverein Georg-Baselitz-Haus als Initiator, der das Projekt gemeinsam mit Künstlern realisierte. Es erhielt sogar einen Preis.

So thronte der Kahn einst auf seinem Sockel.
So thronte der Kahn einst auf seinem Sockel. © Archivfoto: Anne Hasselbach

Der Deutschbaselitzer Ortschaftsrat Matthias Schütze hatte sich vor zehn Jahren mit für den Rundweg engagiert. Der Weg soll Spaziergänger auf die Spuren des Künstlers führen, um vielleicht auch wie er die Landschaft wahrzunehmen, die ihn zu Bildern inspirierte.

Der Erlebnisweg verfalle nun zusehends, schätzt auch Matthias Schütze ein, vor allem die Holzobjekte. Etliche Stationen überwuchern, seien verwittert oder verschwunden. Eine Holzwand mit Durchblick sei als Holzplatz missbraucht worden. Die Säule am südlichen Wendepunkt schon lange weg, ebenso wie das Sehrohr, das an einem Seil baumelte. Oder die Fußabdrücke, die an ein Bild von Baselitz erinnerten.

Schütze erinnert an den Vertrag zur Pflege und Erhaltung des Rundwegs mit der Stadt. Dem sei die Verwaltung nicht wie vereinbart nachgekommen. Der Zustand sei peinlich für Kamenz, zumal ja immer noch Leute kämen, die den Rundweg besichtigen wollen.

Eine Holzwand mit einem Fenster sorgte einst für den besonderen Durchblick.
Eine Holzwand mit einem Fenster sorgte einst für den besonderen Durchblick. © Archivfoto: Wolfgang Wittchen
Nur die Hinweistafel auf das Fenster ist geblieben.
Nur die Hinweistafel auf das Fenster ist geblieben. © René Plaul

Matthias Schütze hält es fast für das Beste, die verbliebenen Objekte abzubauen. Mit den Fragmenten habe das Ganze keinen Sinn, findet er. Die Stadt vertue eine Chance. Der Weg ziehe vielleicht nicht den Massentourismus an, aber Leute mit Interesse schon.

Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) sieht die Situation anders: „Es ging darum, den Künstler in seinem Heimatort ins Bewusstsein zu rücken.“ Es habe sich aber gezeigt, dass es außerordentlich schwierig, ja unrealistisch sei, die Objekte auf lange Sicht zu erhalten. Es sei ein soziokulturelles Projekt gewesen. Das habe sein Ziel erreicht, Aufmerksamkeit zu erregen und die geistige Begegnung mit dem Künstler zu ermöglichen.

Zum Thema Pflege-Vereinbarung müsse der verantwortliche Fachbereich recherchieren. Die Vorgänge lägen Jahre zurück. Der OB verweist auf andere Holzkunst-Projekte im Außenraum. Es sei naturgemäß, dass Holz bei Bodenkontakt verfalle. „Für jeden verständigen Betrachter ist erkennbar, dass diese Dinge nicht dauerhaft vernünftig erhalten werden können und in diesem Fall eben Kunst auch etwas Vergängliches ist.“

Neue Sichtweisen sollte dieses Sehrohr eröffnen.
Neue Sichtweisen sollte dieses Sehrohr eröffnen. © Archivfoto: Wolfgang Wittchen
Geblieben ist von den Sichten nichts. Das Rohr ist weg, der Blick zugewachsen.
Geblieben ist von den Sichten nichts. Das Rohr ist weg, der Blick zugewachsen. © René Plaul

Er sehe das auch als eine Erfahrung für die Beteiligten. Die Installationen seien keine Gebrauchsgegenstände wie eine Bank und auch nicht so zu reparieren. Es sei aus Sicht der Stadt alles Mögliche zur Unterhaltung unternommen worden. „Aber alle, die sich mit der Aufgabe dann konfrontiert sahen, haben erklärt, dass dies eben nur schwer oder sehr eingeschränkt leistbar ist.“ Eine Pflege der Grünflächen entlang des Weges solle es aber in Abständen auch künftig geben. Der Name des Künstlers bleibe trotzdem mit Kamenz verbunden. Die Stadt könne sich glücklich schätzen, auf so eine bekannte Persönlichkeit zurückgreifen zu können.

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Zu den Initiatoren des Rundwegs gehört die Kamenzer Fotografin Anne Hasselbach. Sie schätzt ein: Eine aktivere Vermarktung wäre möglich gewesen, habe aber weniger im Fokus gestanden. Es habe auch Kritiker geben. Aber das neue touristische Angebot habe Menschen nach Deutschbaselitz gelockt und für Aufbruch-Stimmung gesorgt. Sie sehe darin persönlich aber immer noch Potenzial.

Das Geburtshaus von Georg Baselitz zum Beispiel. Das sei auf jeden Fall eine feste Basis im Ort. Der ehemalige Bibliotheksraum sei bereits in einem Projekt zu einem hellen, freundlichen Arbeitsraum umgestaltet worden.

Vorschlag: Rundweg virtuell gestalten

Die Sanitäranlagen könnten noch ergänzt werden, schlägt die Fotografin vor, um Übernachtungsgästen der Stadt und der Teichlandschaft eine tolle Basis für Erkundungen zu schaffen. Oder auch eine Stelle für Stipendiaten und Künstler.

Im Rathaus sei man ebenfalls am Nachdenken, wie das Obergeschoss des Geburtshauses des Malers für Kunstprojekte genutzt werden könne. Es gebe viele Wege, sich dem Künstler zu nähern und auf Entdeckungsreise in Deutschbaselitz zu gehen, so Dantz.

Ortschaftsrat Matthias Schütze ist sich sicher, der Rundweg durch die Landschaft, die Baselitz bei seiner Malerei inspiriert habe, würde auch ohne die Installationen funktionieren, um das Werk des Künstlers zu verstehen.

Die Idee des Rundweges lasse sich vielleicht mithilfe digitaler Möglichkeiten auch virtuell gestalten, um mit QR-Codes die Verbindung in die Natur zu schlagen, schlägt Anne Hasselbach vor. Inhalte und Grafiken seien vorhanden. Sie finde auch die Situation vor Ort nicht völlig aussichtslos. Zumindest manches Objekt sei mit wenig Aufwand wiederzubeleben: "Wir sollten uns nochmal zusammensetzen."

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