merken
PLUS Kamenz

So soll das alte Kamenzer Krankenhaus bald aussehen

Jahrelang verfiel das unter Denkmalschutz stehende Barmherzigkeitsstift. Nun entstehen darin Wohnungen für Senioren. Die sind begehrt.

Die Bauarbeiten am Kamenzer Barmherzigkeitsstift haben jetzt begonnen: So soll es 2023 aussehen, wenn die ersten Senioren ihre Wohnungen beziehen.
Die Bauarbeiten am Kamenzer Barmherzigkeitsstift haben jetzt begonnen: So soll es 2023 aussehen, wenn die ersten Senioren ihre Wohnungen beziehen. © Grafik: Hentschke-Bau

Kamenz. Die Kettensäge dröhnt am Barmherzigkeitsstift in Kamenz. Arbeiter schälen das frühere Krankenhaus aus einem Dschungel, der hier über Jahre gewachsen ist. Vor gut 20 Jahren übernahm die Stadt das Areal vom Landkreis und begann nach Konzepten zu suchen. Jetzt hat der Um- und Neubau begonnen.

Eigentümer ist inzwischen die Firma Hentschke Bau aus Bautzen. Seit dem Kauf von der Stadt sind immerhin drei Jahre vergangen, eine längere Zeit als anfangs geplant. Es sei nicht so leicht gewesen, einen Betreiber für das altenbetreute Wohnen zu finden, das hier geplant ist, erklärt Geschäftsführer Thomas Alscher.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Er habe das selbst nicht erwartet: „Es ist doch eine wunderschöne Anlage“, sagt Alscher. Für die großen Anbieter sei aber die Nähe zu Dresden als Standortfaktor wichtig und Kamenz wohl doch schon zu weit entfernt. Allein mit der Suche nach einem Betreiber habe der Investor zwei Jahre verloren. So ein Konzept könne man aber nur gemeinsam mit dem künftigen Nutzer entwickeln. Der wurde mit den Oberlausitz-Kliniken (OLK) inzwischen gefunden.

Spatenstich für den Baustart am alten Kamenzer Krankenhaus: OB Roland Dantz, Hentschke-Bau-Geschäftsführer Thomas Alscher und Reiner E. Rogowski (v.l.) von den Oberlausitz-Kliniken.
Spatenstich für den Baustart am alten Kamenzer Krankenhaus: OB Roland Dantz, Hentschke-Bau-Geschäftsführer Thomas Alscher und Reiner E. Rogowski (v.l.) von den Oberlausitz-Kliniken. © Matthias Schumann

Die Planung und dafür nötige Abstimmungen mit Behörden hätten auch ihre Zeit gebraucht, seien aber gut gelaufen, so Thomas Alscher. Es gebe viele Auflagen. Jetzt sei er froh, dass es endlich losgeht und 2023 die ersten Mieter einziehen können, so die Prognose.

Die hört auch der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) gern. Immerhin steht das Objekt seit dem Auszug des Krankenhauses leer, und die Stadt habe eine erhebliche Summe in die Sicherung investiert. Es sei ja ein wichtiges Denkmal - und zufällig gerade 200 Jahre her, dass der Kamenzer Arzt Johann Gottfried Bönisch angekündigt hatte, mit dem Stift ein Armenkrankenhaus zu bauen. Seit der Übernahme vom Landkreis hat sich ein Teil des riesigen Areals schon verändert. Nun wartet nur noch das Barmherzigkeitsstift darauf, saniert zu werden.

Der Altbau soll weitgehend entkernt werden. Es sind von den Dachgauben bis zur historischen Fassade aber auch viele Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen.
Der Altbau soll weitgehend entkernt werden. Es sind von den Dachgauben bis zur historischen Fassade aber auch viele Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen. © Matthias Schumann

Der OB verteidigt beim ersten Spatenstich noch einmal den Verkauf an den jetzigen Investor und sieht sich mit dem Baustart in seiner Politik bestätigt. So hatte es damals, zumindest intern, Kritik der Linken gegeben. Der Hintergrund: das umstrittene politische Engagement von Hentschke-Chef Jörg Drews. Es sei aber nicht Aufgabe einer öffentlichen Verwaltung, die Gesinnung eines Käufers zu prüfen, sagt Dantz. Die Linke bleibt bei ihrem Standpunkt: Für eine Stadt sei es immer wichtig, bei Vergaben und Verkäufen auch hinzuschauen, wen sie sich in die Stadt holt, und das zumindest zu hinterfragen, wenn es Zweifel gebe, so Fraktionschef Alex Theile.

Denkmalschutz hat Auflagen erteilt

Doch nun wird gebaut. Thomas Alscher rechnet mit sechs Millionen Euro Investitionskosten. Gewissermaßen kehrt mit diesem Projekt auch der Landkreis wieder an den Standort zurück. Denn mit den Oberlausitz-Kliniken steigt eine Landkreis-Tochter als Betreiber ein.

Geschäftsführer Reiner E. Rogowski ist sich sicher, dass hier ein Platz entsteht, an dem alte Menschen gut aufgehoben sind. Er sehe das große Potenzial. Zumal die "Westlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege" (WLPK) als Tochtergesellschaft der OLK schon mit einem Pflegedienst in Kamenz aktiv sei. Vor allem die Nähe zur Stadtmitte sei von Vorteil und die Kombination mit dem eigenen Pflegedienst optimal. Kerstin Mildner, Prokuristin der WLPK, sagt: „Wir freuen uns schon auf den Einzug.“

Innen ist trotz bröckelndem Putz und blätternder Farbe noch der Charme des historischen Baus mit Säulen und Bögen zu erleben. Der Denkmalschutz habe genau festgelegt, was zu erhalten ist, wo Balkons angebaut werden dürfen und wie der Park hinter dem Gebäude aussehen sollte, erklärt Alscher.

53 Wohnungen entstehen im Alt- und Neubau

Es sollen nur wenige Wände stehenbleiben, das Gebäude neu strukturiert werden. Die Flügel werden außerdem auf beiden Seiten noch deutlich nach hinten erweitert. Die Pflöcke für die künftigen Außenmauern sind bereits eingeschlagen. So entstehen im Altbau 16 Wohnungen und in den Anbauten 14 Wohnungen.

Ein Z-förmiger Neubau mit bis zu drei Etagen und weiteren 23 Wohnungen wird das Ensemble ergänzen. Ein- bis Dreiraumwohnungen mit 35 bis 75 Quadratmetern Wohnfläche sind geplant, entweder mit Wohn- oder separater Küche und mit Bad. Es wird auch einen Gesellschaftsraum geben. Beide Gebäude werden barrierefrei eingerichtet und mit Aufzügen ausgestattet.

Dass er richtig gelegen habe, hier einzusteigen, belege das Interesse bei den Senioren, sagt OLK-Chef Reiner Rogowski. Der Bau habe gerade erst begonnen, und es gebe schon für die Hälfte der Wohnungen Interessenten. „Und wir haben ständig neue Anfragen.“ Die meisten seien Kamenzer. Denn heutzutage sei es für die Menschen wichtig, ihre sozialen Kontakte zu erhalten, zu den Kindern und Freunden. Das sei der Trend und auch deshalb der Standort ideal.

Mehr zum Thema Kamenz